Secondhandshops: Beuel setzt auf zweite Chance

Secondhandshops : Beuel setzt auf zweite Chance

"Das ist doch gut in Schuss. Das kannst du locker noch tragen." Wie viele Kinder haben diese Worte gehört und dabei missmutig das Gesicht verzogen? Dabei kann das alte Lieblingsshirt der Schwester oder die zerrissene Jeans des großen Bruders ein Segen sein.

In London oder Berlin ist getragene Kleidung und Mode aus den 30er bis 70er Jahren im Vintage-Stil gerade voll im Trend. Wer dort in einem Secondhandshop einkaufen will, sollte vorher einen Zwischenstopp am Bankautomaten einlegen. Für eine verwaschene Jeansweste wandern schnell 50 Euro über den Tresen.

Im Beueler Laden der Awo "Jacke wie Hose" auf der Neustraße gibt es das gute Vintage-Stück schon ab ein bis zwei Euro. Die liebevolle Beratung von Rosemarie Frommer und Ursula Weber gibt es gratis dazu. "Wir sind wie eine große Familie", schwärmt Frommer. Die Kinder toben in einer Spielecke, während die Mütter fröhlich mit Frommer und Kollegin Ursula Weber plaudern.

Für Familien ist es der perfekte Einkaufsort, da neben Kleidung für Erwachsene auch Haushaltswaren und eine große Auswahl an Kinderkleidung angeboten werden - und das ab 50 Cent pro Stück. Genau darin unterscheidet sich "Jacke wie Hose" von den Szeneläden in London. Gebrauchtes wird nicht für einen möglichst hohen Profit verkauft, sondern um wirtschaftlich schwächer aufgestellte Menschen zu unterstützen.

Menschlichkeit steht auch einige Straßen weiter im "Schrankenlos" auf der Siegburger Straße im Vordergrund. Wer auf der Suche nach Hausrat und Elektrogeräten wie Toastern, Geschirr oder Schallplatten ist, kann dort mit seinem Kauf etwas Gutes tun. Denn im Laden der gemeinnützigen GmbH "Schrankenlos" arbeiten zwölf geistig behinderte Menschen, für die der Secondhandshop zur festen Basis im Leben geworden ist.

"Unsere Mädels wie Sonja kümmern sich um die Dekoration und die Männer arbeiten in der Schreinerei. Die Arbeit gibt ihnen Sicherheit und eine feste Struktur, was unglaublich wichtig ist", sagt Geschäftsführer Nils Lücke. Das Projekt für Menschen mit Behinderung ist in den 90er Jahren entstanden und erfreut sich großer Beliebtheit. "Wir bekommen sogar am Samstagabend Kisten vor die Tür gestellt und die Möbelanfragen kann ich nicht mehr zählen", so Lücke.

Besonders die Aktion "Re-Design", bei der alte Möbel neuen Glanz erhalten, komme bei den Kunden gut an. "Einmal haben wir ein Küchenbuffet morgens ins Schaufenster gestellt und am Abend zum Kunden gebracht", erinnert sich der Betriebswirt.

Liebhaber der 60er und 70er Jahre kommen auf der Hermannstraße/Ecke Johannesstraße auf ihre Kosten. Im nostalgischen Secondhandshop von Stefan Türk lassen die typisch orangen Lampenschirme der 60er Retroherzen höher schlagen. Geöffnet hat der Laden jedoch nur freitags von 15 bis 19 Uhr. Dafür bietet Türk einen außergewöhnlichen Service: Beratung bei der Wohnungsauflösung. "Ich helfe bei der Entsorgung von Sperrmüll und gebe Orientierung, wie viel die Einrichtung noch wert ist", erklärt der leidenschaftliche Nostalgiker.

Info

Weitere Secondhandshops für Bekleidung sind das "Luna" auf der Friedrich-Breuer-Straße 35 (vor allem Damen- und Kinderbekleidung) und "Don R" auf der Hermannstraße 65 (Damen-und Herrenbekleidung).

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