Bauexperte gibt Rat: "Beuel benötigt dringend mehr Hallenkapazitäten"

Bauexperte gibt Rat : "Beuel benötigt dringend mehr Hallenkapazitäten"

Im Interview rät Professor Günter Greitens, Bauexperte der Vereins AG, dazu, die Halle Ringstraße in Bonn-Beuel bis zur Fertigstellung der neuen Spielstätte offen zu halten.

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Wie bewerten Sie den Bauzustand der Halle Ringstraße?

Günter Greitens: Nach dem vorliegenden Sportstättenentwicklungsplan gehört die Sporthalle Ringstraße in die Kategorie Q3, heißt: Nicht zufriedenstellender Zustand mit dringendem Veränderungsbedarf. Tatsächlich erkennt man das vor Ort am besten am Zustand der Sanitäranlagen, insbesondere bei den Toiletten im Erdgeschoss, die dringenden Sanierungsbedarf haben beziehungsweise gar nicht in ausreichender Anzahl vorhanden sind. Ähnlich schlecht sieht es bei Sanitäranlagen und Umkleiden aus. Die eigentliche Spielfläche der Halle ist bis auf die größtenteils defekte Beleuchtung nutzbar, der Hallenboden ist vor einigen Jahren komplett erneuert worden.

Ist eine Generalsanierung gerechtfertigt?

Greitens: Da stellt sich zunächst die Frage, was man mit einer Generalsanierung erreichen will. Bei der Halle Ringstraße löst man auch durch eine Generalsanierung nicht die grundsätzlichen Probleme, dass die Halle für den Wettkampfsport zu klein ist und die Zuschauer eine sehr bescheidene Sicht von den Tribünen auf die Spielfläche haben. Das SGB spricht davon, dass zum Beispiel das Dach erneuert werden soll. Aktuell ist mir nicht bekannt, dass das Dach undicht ist. Für mich heißt das: Prioritär sollten die Dinge angegangen werden, die nötig sind, um die Halle „bespielbar“ zu halten“, also wie gesagt die sanitären Einrichtungen und die Beleuchtung, die im Übrigen in den kommenden Sommerferien bereits erneuert werden soll.

Für welchen Zeitraum müsste die Halle bei einer Generalsanierung voraussichtlich gesperrt?

Greitens: Das wäre das eigentliche Problem bei einer Generalsanierung. Da bei einer Sanierung die jeweiligen Arbeiten in der Regel nicht an einen Generalunternehmer vergeben werden, sondern gewerkeweise (Dachdecker, Heizung, Sanitär, etc.) ausgeschrieben und vergeben werden, führt das in der Regel zu recht langen Bauzeiten. Daher hat auch die Sanierung der Halle der IGS Beuel sehr lange gedauert. Ohne dass ich den genauen Umfang der geplanten Sanierung kenne, das SGB spricht aber von „kompletter Entkernung und Neuherstellung, sowie Dacherneuerung und Sanitäranlagenerneuerung“, gehe ich von circa neun bis zwölf Monaten Bauzeit je nach Umfang der Sanierung aus. Für die TSV und die anderen Vereine, die die Halle nutzen, wäre das der Super-Gau. Schon jetzt fehlen Hallenzeiten, und der Verein mietet Hallenkapazitäten bei privaten Trägern an, um allen Mannschaften ausreichende Hallenzeiten bieten zu können.

Macht am Ende eine Generalsanierung überhaupt Sinn, wenn die Stadt der TSV bereits eine neue wettkampftaugliche Halle zugesagt hat?

Greitens: Wie gesagt, im Moment wäre das Wichtigste, die Halle Ringstraße mit dem Mindestaufwand an Sanierung (Sanitäranlagen) bespielbar zu halten, bis die vom OB zugesagte Dreifachhalle gebaut und nutzbar ist. Dazu muss schnellstmöglich die Grundstücksfrage geklärt werden. Dann hätte man zumindest Ausweichkapazitäten, um die Halle Ringstraße zu schließen und zu sanieren. Eine Sanierung der Ringstraße sollte in Angriff genommen werden, auch vor dem Hintergrund, dass die Hallenkapazitäten in Beuel als einem der am schnellsten wachsenden Stadtbezirke Bonns schon jetzt stark ausgelastet sind und zum Beispiel auch die kleine Sporthalle an der ehemaligen Realschule in einem schlechten Zustand ist und gegebenenfalls geschlossen werden soll. Mit neuer Halle – aber ohne eine sanierte Halle Ringstraße – hätte man unterm Strich keine zusätzlichen Kapazitäten geschaffen.

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