Bauarbeiten unter Auflagen: Baustopp am Vilicher Bach nach Cyanid-Fund aufgehoben

Bauarbeiten unter Auflagen : Baustopp am Vilicher Bach nach Cyanid-Fund aufgehoben

Nach intensiver Beratung über Art und Umfang der Cyanidbelastung im Bachbett des Vilicher Baches hat die Stadt Bonn der Deutschen Bahn eine Wiederaufnahme der Bauarbeiten unter Auflagen genehmigt.

Zur Erinnerung: Seit Ende August ruhen die Biotopbauarbeiten am Vilicher Bach. Grund: Während der Grabungen haben Bauarbeiter in einem Teilabschnitt „eigenartig dunkelblau verfärbte“ Erde gefunden. Das Prüfergebnis eines Gutachters lautete: Der Boden ist mit Cyanid verseucht. Umgehend hatte die DB den Giftfund der Stadt Bonn gemeldet. Die Fundstelle liegt etwa 100 Meter westlich der Autobahn 59 und somit im Wasserschutzgebiet des Wasserwerks Meindorf. Die Baustelle ist seitdem abgesperrt.

Wie ist der aktuelle Sachstand? Nach einer intensiven Analyse der Untersuchungsergebnisse und der Gesamtsituation kam die Untere Umweltbehörde zu dem Ergebnis, dass eine Fortführung der Baumaßnahme unter Auflagen möglich ist. Die DB als Bauträger wurde laut Stadt Bonn über diese Entscheidung in Kenntnis gesetzt.

Wie lauten die Auflagen? Aushub der schwarzen, mit Cyanid belasteten Schicht, gutachterliche Begleitung der weiteren Arbeiten, Beteiligung der Unteren Umweltbehörde bei einem Antreffen auffälliger Erdmassen. Laut Stadt müssen vor Wiederaufnahme der Bauarbeiten alle am Bau Beteiligten fachlich eingewiesen werden.

Was haben die weiteren Untersuchungen ergeben? Der gesamte Bachlauf bis zum Rhein wurde untersucht. Dabei fanden sich keine Hinweise, dass weitere Erdmassen, die denen der cyanidhaltigen schwarzen Schicht ähneln, vorliegen. Die Analyse von Bodenproben ergab laut Stadt unterschiedliche Gehalte im Feststoff, wobei ein Maximum von 83 mg/kg Cyanide im Boden ermittelt wurde.

Über 110 Messstellen

Wie geht die Stadt Bonn mit dem Ergebnis um? Die Gehalte an Cyanid sind zwar laut Stadt erhöht, sind aber bei Anwendung der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung und der bestehenden Nutzung als tolerabel anzusehen. Untersuchungen des Grundwassers in der Umgebung des Vilicher Baches haben in der Vergangenheit keinerlei Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Grundwasserqualität ergeben, so die Stadt. Daher bestehe auch in dieser Richtung kein Handlungsbedarf.

Wurde der Wahnbachtalsperrenverband (WTV) als Trinkwasserversorger über die Ergebnisse informiert? Dem WTV sind die Ergebnisse laut Stadt Bonn zugestellt worden. Der Verband sieht demnach keine Gefährdung für die Trinkwassergewinnung und -versorgung.

Die Deutsche Bahn berät derzeit darüber, wie die Entsorgung der belasteten Erde realisiert werden kann. „Wann wir wieder mit den Bauarbeiten beginnen, steht noch nicht fest“, erklärte eine Bahnsprecherin dem GA. Die DB renaturiert zwischen A59 und Rhein auf einer Länge von zwei Kilometern den Vilicher Bach als Ausgleichsmaßnahme für die Bodenversiegelung bei der Verlängerung der Schnellbahntrasse 13 von Troisdorf nach Oberkassel.

Das letzte flächendeckende Grundwassermonitoring hat die Stadt Bonn 2016 über 110 Messstellen durchgeführt und dabei auch auf Cyanide untersucht. Cyanide sind Salze und andere Verbindungen der giftigen Blausäure. Sie werden zur Härtung von Stahl sowie als Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. Der Schwellenwert beträgt 50 Mikrogramm pro Liter. Die Gehalte lagen 2016 unterhalb der labortechnischen Nachweisgrenze von 0,005 Mikrogramm pro Liter. Ein Sprecher der Stadt stellte fest: „Keine auffällige Belastung erkennbar.“