Klassische Rasur bei "Da Roberto": Bartstutzen und Bier beim Barbier

Klassische Rasur bei "Da Roberto" : Bartstutzen und Bier beim Barbier

Daniel Hauer ist der Prototyp des zeitgenössischen Bartträgers. Keine Stoppeln, kein Flaum säumen sein Kinn, sondern ein ausgewachsener, gewaltiger Vollbart.

Das hochgekrempelte Holzfällerhemd gibt den Blick auf bunt tätowierte Unterarme frei. Und Hauer hat ein Faible für die Vergangenheit. "Heutzutage ist alles so technisiert, irgendwie kalt. Früher hatten die Dinge mehr Persönlichkeit", sagt der 32 Jahre alte Gärtner - früher, das sind die 50er und 60er Jahre, Pontiac-Oldtimer, nach hinten gelegte Haare und die Musik von Johnny Cash. Alle paar Wochen fährt der Kölner nach Beuel, um sich beim Barbier "Da Roberto" den Vollbart stutzen zu lassen.

Wer den Friseursalon an der Gottfried-Claren-Straße betritt, stolpert ins Reich der Nostalgie. Sessel und Friseurstühle aus dunklem Leder, Marmorwaschbecken. In Vitrinen mit dunklen Holzrahmen stehen Rasierseifen in Blechbüchsen, elegante Rasierpinsel, Pomade, aber auch teure Whiskyflaschen. An den Wänden alte Reklametafeln, Schwarz-Weiß-Fotografien, die den Baseball-Helden 40er Jahre Joe DiMaggio oder den amerikanischen Gangsterboss Al Capone zeigen. Ein wartender Kunde sitzt auf einem Barhocker und trinkt ein Bier. Auf einem Beistelltisch liegen Herrenmagazine. Es riecht nach Aftershave.

"Ich hatte schon seit Langem die Vision, eine Männerwelt zu erschaffen, mit dieser intimen, maskulinen Atmosphäre", sagt Roberto Nicolaci. "Es ist Wellness für den Mann." Vor etwas mehr als zwei Jahren hat der 47 Jahre alte Beueler den reinen Herrensalon eröffnet. Dass das Konzept auf so viel Resonanz stoßen würde, damit habe er allerdings nicht gerechnet. Inzwischen hat er vier Mitarbeiter. "Unsere Kunden kommen aus der ganzen Umgebung, aus Köln, aber auch aus Solingen."

Bis auf den Auszubildenden tragen auch alle Mitarbeiter im Beueler Barbershop Bart. Ist das Pflicht? "Nein", sagt Nicolaci und lacht. "Das ist eben im Moment modern, wenn sie sich rasieren wollen, sollen sie sich rasieren." Jahrzehntelang waren Rasuren in Deutschland eher eine Zusatzleistung türkischstämmiger Friseure. Doch seit einigen Jahren ist nicht nur der klassische Bart wieder im Trend, auch die entsprechende professionelle und traditionelle Pflege. In vielen Großstädten haben Barbershops aufgemacht, die sich darauf spezialisieren, und viele haben einen ähnlich nostalgischen Flair.

Feuchtigkeitscreme, eine heiße Kompresse, die Ansätze werden mit dem Rasiermesser bereinigt, dann der Vollbart mit der Schere geformt, dann gewachst und gepudert. Gut eine halbe Stunde dauert es, bis Dominik Nicolaci mit der Bartpflege von Daniel Hauer fertig ist. Der 23 Jahre alte Sohn arbeitet von Beginn an im Laden seines Vaters mit. "Ich fand schon immer, dass das ein toller Beruf ist, zumindest bei Männern. Frauen schneide ich nicht so gerne die Haare. Die sind dabei oft anstrengender", sagt er.

Am Nachbarstuhl flattert die Schere des Vaters um den Kopf von Lars Junghans wie eine große Libelle. Der 47 Jahre alte Beueler ist, wie er es häufig tut, zum Haareschneiden gekommen. Einen Bart trägt er nicht. "Ich habe es versucht", sagt er. "Aber ehrlich gesagt sind die Haare am Kinn viel grauer als auf dem Kopf. Das passt nicht zusammen." Längst nicht alle Kunden kommen in den Salon, um sich den Bart trimmen oder rasieren zu lassen. "Das Haareschneiden ist noch immer unser Kerngeschäft", sagt Roberto Nicolaci. Aber immer mehr Kunden kommen auch, weil sie sich eine klassische Rasur gönnen wollen.

Dass der Barttrend irgendwann abflaut, davor hat Roberto Nicolaci keine Angst, sagt er. "Wir haben Stammkunden." Und wenn es nicht mehr der Vollbart sein soll, dann gibt es eben eine traditionelle Glattrasur.

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