Interview mit Schausteller Rudolf Barth: Barth ist der Boss

Interview mit Schausteller Rudolf Barth : Barth ist der Boss

Er ist Jetsetter und Lebemann. Er ist heimatverbunden und häuslich. Diese Gegensätze verkörpert ein Mann: Rudolf Barth. Der Beueler zählt weltweit zu den einflussreichsten Schaustellern. Barth ist der Boß und das nicht nur in seinem Familien-Clan. Er regiert ein weit verzweigtes Kirmes-Imperium. Neid folgt Reichtum, von beidem hat er viel. Beliebt will er nicht sein, aber geachtet - und das wird er.

Ihr erster Wohnsitz ist München, ihr Herz schlägt für Beuel - zu Hause sind Sie aber auf den Jahrmärkten dieser Welt. Leben Sie nur aus dem Koffer?
Rudolf Barth:
Nein, überhaupt nicht. Früher war ich viel unterwegs, aber jetzt im Alter bin ich am liebsten mit meiner Frau zu Hause und genieße den Blick auf den Rhein. Dennoch gibt es immer noch genug Veranstaltungen, bei denen ich unser Unternehmen repräsentiere.

Es gibt kaum eine Person in Ihrer Branche, um die sich so viele Gerüchte ranken. Der vom Zoll in Beschlag genommene Golfsack voller Geld, das Kfz-Kennzeichen BN-JR 1 soll für Ihr angebliches Idol, das TV-Ekel J.R. Ewing aus der US-Seifenoper "Dallas" stehen. Was stimmt?
Barth: Nichts davon stimmt. Ich weiß auch nicht, wer sich das hat einfallen lassen. Die Abkürzung JR steht für meine beiden Vornamen Johann Rudolf. Golf spiele ich gerne. Mittlerweile ziehe ich aber keinen Golfsack hinter mir her, sondern fahre mit dem Caddy über den Platz, weil meine Knie weites Laufen nicht mehr mitmachen.

Fürs Golfen benötigt man Feingefühl in den Fingern, davon fehlen Ihnen aber an der linken Hand vier. Wie geht das?
Barth: Mit viel Erfahrung und einem guten Auge. Aber sie haben Recht, beim Putten fehlt manchmal die richtige Dosierung. Dennoch: Mein Handicap liegt bei 26. Damit bin ich sehr zufrieden.

Worauf sind Sie noch stolz?
Barth: Auf meine Familie, vor allem auf unsere Söhne Rudolf, Otto und Peter. Alle drei sind wie die Eltern erfolgreiche Schausteller. Mein Vater wäre stolz, weil sie die sechste Generation verkörpern. Leider ist er schon 30 Jahre tot.

Hat Ihr Gewerbe Zukunft?
Barth: Auf jeden Fall. Aber die Entwicklung in den vergangenen Jahren wird sich fortsetzen. Die Kirmesbesucher wollen Qualität. Sie besuchen lieber einmal im Jahr eine große Veranstaltung mit vielen Attraktionen, als fünfmal im Jahr kleine mit Wurfbuden. Auch in der Region Bonn/Rhein-Sieg sind deshalb viele Traditionsjahrmärkte verschwunden.

Verfolgen Sie die aktuellen Diskussionen um die Zukunft von Pützchens Markt?
Barth: Ja, aber mit Sorge. Man mag mir vorhalten, dass ich aufgrund meines Alters nichts Neues wage, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Pützchens Markt nicht länger als fünf Tage dauern sollte. Kirmes hat heute einen anderen Stellenwert als früher. Niemand nimmt sich mehr dafür Urlaub, keiner spart für eine Kirmes. Viele Besucher setzen sich ein finanzielles Limit. Dieses Geld geben sie nur einmal aus - egal, ob die Kirmes fünf, sechs oder zehn Tage dauert.

In diesem Jahr steht Ihr Fünfer-Looping wieder vom 6. bis 10. September auf Pützchens Markt. Was wird eine Fahrt kosten?
Barth: Kinder bis 1,40 Meter Körpergröße zahlen sechs Euro. Alle anderen 7,50 Euro. Zum Vergleich: Als ich 1979 mit dem Doppel-Looping in Pützchen war, kostete eine Fahrt acht Mark.

Was macht Ihr Plan, einen Neuner-Looping zu bauen?
Barth: Der bleibt in der Schublade. Das Fahrgeschäft würde an die 30 Millionen Euro kosten. Das tue ich mir jetzt nicht mehr an.

Zur Person

Rudolf Barth wurde 1939 in Wittlich geboren. Da seine Mutter gebürtige Beuelerin war, zog die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg an die Siegburger Straße. Dort baute der Vater das Unternehmen neu auf. Der Sohn brach die Schule ab, stieg in die Firma ein und baute den Betrieb, der heute in Euskirchen und München sitzt, aus.

Sein Aushängeschild ist der Fünfer-Looping, der in 50 Transportern verpackt wird. Er ist seit 54 Jahren mit Elisabeth Barth verheiratet. Er war sechs Jahre lang Vorsitzender des SV Beuel 06.

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