Bahnhof Ramersdorf: Anwohner fürchten mehr Verkehr durch Projekt "City Hub"

Stadtgestaltung : Ramersdorfer befürchten mehr Verkehr rund um Bahnhof

Bürger, Politiker und Verkehrsexperten diskutieren über die Entwicklung des Areals rund um den Bahnhof Ramersdorf. Die Anwohner befürchten mehr Verkehr durch das Projekt „City Hub“.

Auf dem holprigen Parkplatz gibt es viel zu wenig Stellflächen. Rund um den Bahnhof Ramersdorf unterhalb der Autobahnbrücke macht sich bei vielen gerade in der Dunkelheit Angst breit. Öffentliche Toiletten sind überhaupt nicht vorhanden, es gibt weder einen Kiosk noch Geschäfte. Von einem attraktiven Ein- und Umsteigebahnhof ist der rechtsrheinische Verkehrsknotenpunkt derzeit weit entfernt.

Die Erschließung neuer Baugebiete sowie die Ansiedlung weiterer Unternehmen in der Nachbarschaft werden die momentane Situation jedoch weiter verschärfen. Zusätzlich will die Stadt das ehemalige Regierungsviertel sowie den Bereich rund um die Rheinaue in ein lebendiges Quartier zum Leben und Arbeiten umgestalten. Dafür gibt es bereits eine Rahmenplanung. Der favorisierte Entwurf des Büros "Cityförster" aus Hannover sieht dafür vier Verkehrsumsteigepunkte, sogenannte City-Hubs vor, die neue Zentrenfunktionen übernehmen können. Zu diesen Hubs zählt auch der Haltepunkt in Ramersdorf.

Doch wie kann der derzeit so unattraktive Ort zu einem neuen öffentlichen Stadtraum umgestaltet werden? Und welche Impulse kann ein Verkehrsknotenpunkt für die Stadtentwicklung setzen? Darüber sprachen gestern Abend Politiker, Bürger sowie Verkehrsexperten. Unter dem Titel "Bonn steigt um" hatte der Bund Deutscher Architekten Bonn-Rhein-Sieg zu einer Diskussionsveranstaltung ins Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt nach Beuel eingeladen. Kölner Architekturstudenten präsentierten Modelle zur Umgestaltung des Haltepunkts im Rechtsrheinischen. Allen gemein war der Vorschlag, Ramersdorf als attraktiven Umsteigepunkt für verschiedene Mobilitätssysteme, einschließlich der Seilbahn, auszubauen. Als Schnittstelle zwischen Architektur und Natur favorisierten die Studenten Bauprojekte, die Platz zum Wohnen, Arbeiten, zur Freizeitgestaltung sowie für Handel und Gastronomie bieten.

Von diesen Zukunftsvisionen waren jedoch nicht alle Besucher der Informationsveranstaltung begeistert. "Wir brauchen kein zusätzliches Zentrum zwischen Oberkassel und Beuel", meinte Rolf Beu, Vorsitzender des Bonner Stadtplanungsausschusses. Denn dadurch würde man noch mehr Verkehr aus dem Umland nach Ramersdorf ziehen. "Der dörfliche Charakter des Ortes muss auf jeden Fall erhalten bleiben", erklärte er nach der Präsentation der Entwürfe.

Dem stimmte der CDU-Stadtverordnete Ludwig Burgsmüller nur zu. "Wir reden hier über eine Grünfläche, auf der rund 80 alte Bäume stehen. Wieso will man denn diesen Bereich zubetonieren?", fragte er sich. "Ich wünsche mir, dass es einen fairen und ehrlichen Dialog mit Stadt, der Politik und den Bürgern zu diesem Thema gibt", sagte er. Unterstützung bekommt er vom Bürgerverein Ramersdorf. "Natürlich kann man den Verkehrsknotenpunkt verbessern und aufwerten", erklärte Wilfried Mermagen, Vorsitzender des Vereins. Über einen Kiosk, eine öffentliche Toilette sowie mehr Licht würden sich diejenigen, die dort täglich ein- oder umsteigen, sicherlich freuen. "Aber man kann das Areal nicht einfach bebauen. Denn auf diesem Platz findet nun einmal das Dorfleben statt. Hier werden die Ramersdorfer Feste gefeiert und deshalb kann man uns diese Fläche nicht einfach wegnehmen", argumentierte er.

Für Anja Wenmakers, Geschäftsführerin der SWB, ist wichtig, dass bei einer Planung alle Mobilitätssysteme berücksichtigt werden. "Gleichzeitig begrüßen wird es natürlich, wenn dieser Knotenpunkt aufgewertet und dadurch deutlich attraktiver wird."

Verena Brehm vom Büro "Cityförster" ist vor allem wichtig, dass die Rahmenplanung nicht allein einen separaten Bereich umfasst. "Das Bundesviertel wird weiter wachsen und damit auch der Verkehr. Wir können die damit verbundenen Probleme jedoch nicht nur im jeweiligen Quartier lösen, sondern müssen die Situation gesamtstädtisch betrachten. Am besten ist, wenn wir Pendler bereits vor den Toren einer Stadt abfangen." Und: "Ein attraktiver Verkehrsknotenpunkt muss rund um die Uhr und an allen Tagen der Woche belebt und lebendig sein."

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