Schifffahrt in Bonn: Bagger räumt die „Beueler Platte“

Schifffahrt in Bonn : Bagger räumt die „Beueler Platte“

Ein niederländisches Spezialschiff befreit die Fahrrinne des Rheins von 4500 Kubikmetern Geröll. Die Arbeiten finden zurzeit auf der "Beueler Platte" unweit der Kennedybrücke statt.

Mit lautem Getöse befördert ein Schaufelradbagger Sand und Kies aus dem Rhein und wirft den tonnenschweren Aushub in einen schwimmenden Container. Dieser Arbeitsvorgang wird täglich von Schaulustigen von beiden Rheinufern aus – teilweise mit Ferngläsern und Kameras mit Teleobjektiven – beobachtet.

Eine niederländische Fachfirma ist mit ihrem Spezialschiff aus der Nähe von Rotterdam angereist, um Deutschlands wichtigste Bundeswasserstraße einsatzbereit zu halten. „Das Bundesverkehrsministerium garantiert der Schifffahrt, dass die Fahrrinne des Rheins mindestens 2,50 Meter tief ist – und das möglichst durchgängig auf einer Breite von 150 Metern“, erklärte Michael Haas, Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamts (WSA) Köln. Das WSA Köln ist auf einem 120 Kilometer langen Stromabschnitt für die Befahrkeit des Rheins verantwortlich.

„Besonders die sogenannte Beueler Platte weist das Phänomen auf, dass Sand, Kies und Gegenstände an ihr hängenbleiben. Das bedeutet, dass die Sohle des Rheins ständig anwächst und irgendwann die Schifffahrt einschränken würde. Deshalb müssen wir hier – wie an einigen anderen Stellen auch – die Fahrrinne ausbaggern, um die 2,50 Meter Fahrtiefe sicherstellen zu können“, sagte Haas, der als Baubevollmächtigter beim WSA Köln für Ausschreibungen und vertragliche Abwicklungen zuständig ist.

„Aktuell nur die rechte Rheinseite betroffen"

Für den Laien stellt sich da ganz schnell die Frage: In welchem Verhältnis steht die Fahrrinnentiefe zum Bonner Pegel? Haas klärt auf: „Wir definieren einen Niedrigwasserstand, bei dem die Fahrrinne 2,50 Meter tief ist. Und der liegt derzeit bei 1,41 Meter Bonner Pegel. Das bedeutet: Wenn der Bonner Pegel bei zwei Meter liegt, dann ist die Fahrrinne garantiert 3,09 Meter tief.“ Da es aber große Transportschiffe gibt, die einen Tiefgang von bis zu 3,80 Meter aufweisen, müssen die Schiffer den Tiefgang ihres Schiffs über die Lademenge steuern.

Wenn ein Baggerschiff auf dem Rhein im Einsatz ist, heißt das aber noch nicht, dass die Fahrrinne keine 2,50 Meter Tiefe hat. „So weit dürfen wir es gar nicht kommen lassen. Wir vermessen die Rheinsohle permanent, und sobald wir feststellen, dass eine Untiefe sich anbahnen könnte, müssen wir bei einer Fachfirma ein Baggerschiff bestellen“, betonte Haas.

An drei Rheinpassagen im Bonner Stadtgebiet war das jetzt der Fall. Das WSA Köln hat den niederländischen Unternehmer in die Höhe von Bad Godesberg, an die Beueler Platte und in Höhe des Bonner Hafens geschickt. „Aktuell ist aber immer nur die rechte Rheinseite von Anschwemmungen betroffen, die wir beseitigen müssen“, so Haas.

Gefragt, was mit dem Aushub geschieht, antwortete der Diplom-Ingenieur: „In Höhe von Schwarzrheindorf werden Kies und Sand wieder in den Rhein abgekippt. Es ist wichtig, dass wir den Aushub kurz hinter einer Problemstelle wieder in den Rhein schütten, damit keine Erosionsgefahr besteht.“ Laut Haas wird der Rhein über einen langen Zeitraum immer tiefer, Fachleute bezeichnen dieses Phänomen „Grand-Canyon-Bildung“. An der Beueler Platte werden insgesamt bis zu 4500 Kubikmeter Aushub abgebaggert.

In den Baggerlöffeln finden die Mitarbeiter des Schiffs aber nicht nur Kies und Sand. „Immer wieder mal schöpfen wir Bomben, Granaten und Baumaterial ab. Und natürlich den ganzen Zivilisationsdreck wie Papier und Flaschen“, berichtete der niederländische Bauleiter Ewout Vrolyk. Wird Kriegsmunition gefunden, kommt sofort der Kampfmittelräumdienst für die Entschärfung von Bomben und Granaten ins Spiel. „In all meinen Berufsjahren ist noch nichts passiert. Sonst säße ich hier nicht mehr“, scherzte Baggerführer Wil Kuystermans.

Die Baggerarbeiten der Niederländer kontrolliert das WSA per Computer vom Begleitboot „Cassius“. Mit modernster Peiltechnik kann die Fahrrinne zentimetergenau vermessen werden. Schiffsführer Bernd Lose und sein Team stehen dabei in ständigem Kontakt mit Bauleiter Vrolyk. „Alle drei bis vier Jahre müssen wir in Bonn die Fahrrinne sanieren. Aber das ist kein Bonner Problem. Derzeit haben wir in unserem Zuständigkeitsabschnitt 34 Einschränkungen in der Fahrrinne. Wir beheben nie alle Mängel, weil manche Anhebungen keine Auswirkungen auf die Schifffahrt haben“, erklärte Haas. Das Baggerschiff wird – abhängig vom Fortschritt der Arbeiten – noch bis in die erste Maiwoche in Bonn zu tun haben.