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Chef der Beueler Bütt und im Ennertbad: Bademeister Jürgen Stoll geht in den Ruhestand

Chef der Beueler Bütt und im Ennertbad : Bademeister Jürgen Stoll geht in den Ruhestand

Der Beueler Badleiter Jürgen Stoll geht nach 46 Jahren in den Ruhestand. Am Dienstag war bereits sein letzter Arbeitstag bevor er ab 1. Juli offiziell in Rente geht. Er freut sich jetzt schon auf Fahrten mit seinem Motorrad.

Im Wasser fühlt er sich pudelwohl. Das war schon immer so. Als Poppelsdorfer Jung war das Melbbad für Jürgen Stoll im Sommer sein zweites Zuhause. Deshalb stand für ihn früh fest, wie es nach der Schule weitergehen soll.

„Auf jeden Fall sollte es etwas mit Wasser zu tun haben“, sagt der 63-jährige nunmehr ehemalige Chef der Beueler Bütt, der seit 1998 auch das Ennertbad leitete. „Egal ob im, unter oder darüber.“ Mehr als 46 Jahre lang war Stoll als Bademeister in Bonn tätig. Am Dienstag war bereits sein letzter Arbeitstag bevor er ab 1. Juli offiziell in Rente geht.

Geträumt hatte Stoll eigentlich von einer Ausbildung bei der Wasserschutzpolizei. Das änderte sich jedoch mit dem Rettungsschwimmerschein in der Tasche. Damit übernahm er als Jugendlicher für die DLRG Beckenaufsichten im Freibad. Als die Stadt Bonn dann erstmals Ausbildungsplätze für Schwimmmeistergehilfen anbot, griff Stoll sofort zu. „Ich war 1972 einer der ersten Azubis in diesem Fach“, sagt er. Mitte der 1980er Jahre machte er dann noch seinen Meister.

Als Ruheständler freut er sich zwar darauf, mehr Zeit zu haben, aber: „Ich werde die Arbeit, Kollegen und die Besucher wahrscheinlich vermissen.“ Das werden bestimmt auch viele Badegäste auf der rechten Rheinseite. Denn die meisten kennt Stoll längst persönlich. „Man hat die Kinder aufwachsen sehen. Und die kommen jetzt mit dem eigenen Nachwuchs.“

Dabei beschränkte sich sein Job nicht nur darauf, das Treiben im Wasser im Auge zu behalten. „Nein“, amüsiert sich Stoll. „Ich war Bademeister, Techniker, Psychologe, Pädagoge, Gärtner und Chemiker.“ Das habe man allerdings nur leisten können, wenn man mit Leidenschaft bei der Arbeit ist. „Man muss Lust am Umgang mit Menschen haben. Das ist die beste Voraussetzung.“

Zweimal in der Woche stieg auch er ins Wasser. „Früher war ich ein sportlicher Krauler, heute bin ich eher der Typ gemütlicher Brustschimmer“, sagt er, lacht und blickt dankbar zurück: „In all den Jahren ist unter meiner Aufsicht Gott sei Dank niemand ertrunken. Schnittwunden und Platzwunden sind zwar an der Tagesordnung, und an heißen Tagen haben wir vermehrt Zeckenbisse. Große Katastrophen sind mir zum Glück erspart geblieben.“

Das Schwimmmeister-Gen ist in der DNA von Jürgen Stoll offenbar fest verankert. „Ich ertappe mich dabei, dass ich im Urlaub immer den Hotelpool beobachte damit nichts passiert“, meint er. Auch wenn er am Beckenrand angesprochen wurde, schaute er seinem Gegenüber meist nicht in die Augen. „Nein. In dieser Zeit hätte ich etwas übersehen können und eine Situation falsch einschätzen. Das war keine Unhöflichkeit sondern Pflichtbewusstsein.“

Großen Wert legte er auf einen kollegialen Umgang im Team. „Ich war zwar der Chef, und das mussten alle akzeptieren. Aber ich begegnete jedem auf Augenhöhe. Nur so kann man als Team funktionieren.“ Sorgen hat er allerdings, wenn er die kleinsten Badegäste beobachtet. „Für mich ist es eine Katastrophe, dass immer weniger Kinder nicht oder nur sehr schlecht schwimmen können.“

In der eigenen Familie hat er mit seiner Frau dafür gesorgt, dass sich selbst kleine Wasserratten sicher in Becken bewegen. „Meine Enkel können alle gut schwimmen. Bis auf die Jüngste, die mit einem Jahr noch zu klein ist“, ergänzt er. Aber Opa Jürgen wird als Ruheständler erst Recht dafür sorgen, dass auch sie frühzeitig ein Seepferdchen am Badeanzug haben wird.

Genaue Vorstellungen von seinem Leben jenseits der Berufstätigkeit hat er natürlich längst. „Ich werde mehr Zeit für Motorradtouren durchs Siebengebirge und in die Eifel haben.“ Auch regelmäßige Fahrten nach Holland lassen sich ab sofort besser planen. „Und es ist schön, wenn ich mehr Zeit für unsere Lieblingsinsel Lanzarote habe.“ Bisher musste er mit seiner Frau nach wenigen Wochen wieder die Koffer packen. „Als Ruheständler könnte man vielleicht auch mal zwei Monaten dort bleiben“, plant er sein neues Leben.