Parkplatz im Winter freigeben?: Anwohner ärgern sich über Dauerparker am Ennertbad

Parkplatz im Winter freigeben? : Anwohner ärgern sich über Dauerparker am Ennertbad

Anwohner ärgern sich überall im Stadtgebiet über Dauerparker – auch in den Straßen am Ennertbad. Da kommt der Vorschlag eines Anwohners recht, den Parkplatz des Ennertbades im Winter für Wohnmobile freizugeben.

Wenn Karl S. seinen Wagen aus der Garage auf die Straße manövriert, dann tastet er sich vorsichtig Zentimeter für Zentimeter bis zur Fahrbahn hin. „Ich muss höllisch aufpassen“, gesteht der 72-Jährige, „um keinen Unfall zu bauen“. Eigentlich ist der Beueler ein souveräner Autofahrer, fährt seit mehr als 40 Jahren ohne nennenswerte Blechschäden. Doch bei dieser eingeschränkten Sicht stößt er schnell an seine Grenzen: Bereits seit Wochen parkt ein großes Wohnmobil am Straßenrand unmittelbar neben seiner Grundstückseinfahrt. Verkehrswidrig ist das nicht, „aber dadurch ist es für mich unmöglich, den fließenden Verkehr einzusehen.“ Wem das Gefährt gehört, das weiß der 72-Jährige nicht. „Eines Morgens stand es dort. Wie lange es hier in unserer Straße parken wird, weiß ich nicht.“

Meist werden die Camper ein paar Wochen im Jahr genutzt und danach für längere Zeit abgestellt – manchmal auf dem eigenen Grundstück, oft parken sie allerdings am Straßenrand oder in Parkbuchten. Das ist zwar erlaubt, „aber die Besitzer sollten doch darauf achten, dass sie andere nicht behindern“, beklagt sich Karl S. über die fehlende Rücksichtnahme. Und nicht nur er ärgert sich. Tatsächlich hatte bereits vor einiger Zeit ein anderer Beueler den Vorschlag gemacht, öffentliche Flächen, die nur zeitlich begrenzt genutzt werden, für das Abstellen von Campern zur Verfügung stellt. Dafür würde sich beispielsweise der Parkplatz am Ennertbad außerhalb der Freibadsaison anbieten.

Die Beueler Politik steht diesem Vorschlag nicht abgeneigt gegenüber. „Grundsätzlich hätten wir nichts dagegen“, erklärt der CDU-Stadtverordnete Reiner Burgunder. Allerdings müsste die Verwaltung ein solches Angebot jeweils genehmigen. „Es wäre schon besser, wenn Wohnmobile auf abgetrennten Parkflächen stehen, wo sie niemanden behindern. Am Straßenrand versperren sie schnell die Sicht auf den Verkehr oder Hinweisschilder“, erklärt er. Es müsse jedoch gewährleistet sein, dass öffentliche Flächen ausschließlich zum Parken und nicht zum Campen oder gar zum Reinigen der Fahrzeuge genutzt werden. Er erinnert daran, dass es bereits am Holzlarer Weg eine entsprechende Abstellfläche gibt.

„Ein Recht auf einen öffentlichen kostenlosen Parkplatz gibt es zwar nicht“, betont Angelika Esch, Vorsitzende der Bonner SPD-Ratsfraktion. „Aber wir können uns schon vorstellen, dass die Stadt ungenutzte freie Flächen als Wohnmobilparkplätze zur Verfügung stellt. Beachtet werden muss dabei aber unter anderem, dass andere Anwohner nicht gestört werden. Auch der Schutz der Fahrzeuge muss gesichert sein, da in letzter Zeit Wohnwagen und Wohnmobile verstärkt von Diebesbanden heimgesucht wurden“, so die Kommunalpolitikerin. „Öffentliche Stellflächen wie den Ennertbad-Parkplatz saisonal fürs Parken von Wohnmobilen freizugeben, ist sicher eine gute Möglichkeit“, meint Grünen-Stadtverordnete Doro Schmitz. „Dazu müsste allerdings gegebenenfalls eine kleine Gebühr erhoben werden.“

Einig sind sich die Vertreter der verschiedenen Fraktionen darin, dass sich durch gegenseitige Rücksichtnahme bereits manches Problem lösen lässt. „Wenn sich jeder so verhält, wie es in der Straßenverkehrsordnung festgelegt ist, dann entsteht Unmut erst gar nicht. Wer sein Wohnmobil auf der Straße abstellt, sollte das Gespräch mit den Anliegern suchen. Dann gibt’s auch keinen Ärger“, ist Burgunder überzeugt.

„Es gibt durchaus Fälle, in denen das Sport- und Bäderamt Parkplätze an Sportanlagen zeitweise verpachtet“, erklärt Steffi Zießnitz vom Presseamt. „Wenn die Stadt einen Parkplatz den Winter über vermietet, dann muss die Fläche selbstverständlich verkehrssicher sein.“ Dies würde jedoch eine regelmäßige Kontrolle notwendig machen, was wiederum mit zusätzlichem Personalaufwand verbunden wäre.

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