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Die "Kö": Alte Häuser schmücken die Königswinterer Straße

Die "Kö" : Alte Häuser schmücken die Königswinterer Straße

Im dritten und letzten Teil des Porträts der Königswinterer Straße geht es nach Oberkassel, dem südlichsten Bonner Ortsteil – rechtsrheinisch.

Nach Unterquerung der Autobahn 562 liegt rechter Hand zunächst das repräsentative Gebäude des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Hier werden nicht nur die deutschen Raumfahrtaktivitäten gemanagt, hier weiß man auch Karneval zu feiern – in Beuel ein Geheimtipp.

Kein Geheimtipp, sondern weit und breit über den Ort hinaus bekannt, ist schräg gegenüber der „Bönnsche Imbiss“. 2011 musste er vom Bonner Marktplatz wegziehen und hat in Oberkassel eine neue Heimat gefunden. „Eine Bereicherung, nicht nur für Oberkassel“, lobt ein Kunde, der extra aus Königswinter vorbeikommt, um sich seine Currywurst mit Pommes schmecken zu lassen.

Auch den Schülern des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums, einer renommierten Privatschule mit Internat, schräg gegenüber, ist der Imbiss täglich eine Verabredung wert. Neben der Schule hat „Champagne Taittinger“ seinen Sitz.

Die Kartonagenfabrik von Andreas Gemein im Rücken, beginnt an der Kreuzung zur Jakobstraße der eigentliche Ortskern, die Geschäftsmeile. Die Einheimischen nennen die Straße in dem Anschnitt ihre „Kö“. Der Anklang an die Prachtstraße in Düsseldorf ist auch Ausdruck eines gewissen Selbstbewusstseins. Denn ein Geschäft reiht sich an das andere, nahezu alle Läden sind belegt.

Zwei Häuser fallen besonders auf

„Die Leerstände“, so erläutert Oliver Lohr, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Oberkassel, „täuschen über die Nachfrage. Nicht jeder Hausbesitzer möchte vermieten. Oder die angebotene Ladengröße entspricht nicht den Vorstellungen des potenziellen Mieters.“ Ein kleines, feines Geschäft hat hier Georg Bernardini zusammen mit seiner Lebensgefährtin Ramona Gustmann: GR – Georgia Ramon. Bernardini ist Chocolatier und war Mitbegründer der Firma Coppeneur. Er hat sich 2015 mit seiner Schokoladenmanufaktur und dem Laden mit Café selbstständig gemacht. „Wir verkaufen unsere Produkte inzwischen weltweit“, erklärt er stolz.

Meist ältere Häuser, mal mehr, mal weniger schön anzuschauen, begrenzen die Straßenseiten. Dabei fallen zwei besonders positiv auf. Zuerst sticht ein Neubau hervor, der vor zehn Jahren bezogen wurde. „Wenn man hier bestehen will“, erklärt Sonja Wenzelmann von der Parfümerie & Lingerie Vollmar, „dann muss man sich immer wieder auf seine Kundschaft einstellen und das Angebot anpassen.“ Zehn Jahre in Oberkassel zu überleben, hätte ihr bei der Eröffnung niemand zugetraut. Und dann fällt noch ein wunderschönes, älteres Backsteingebäude auf, das jetzt eine Zahnarztpraxis beherbergt: das alte Postamt. „Mein Lieblingsgebäude“, schwärmt Lohr.

Im Herzen von Oberkassel staut sich der Verkehr schnell. Die Straße ist schmal, und eine Ampel, die den Verkehr zur Kastellstraße regelt, sorgt dafür, dass niemand durch den Ort rasen kann. So ein Raser würde zuerst das Café Breuer – Lohr: „die beste Konditorei in ganz Bonn“ – und gleich danach das hinter Mauern versteckt liegende Lippesche Landhaus, das als barockes Lustschloss erbaut wurde, übersehen. Nicht zu übersehen ist hingegen das große Ehrenmal am Rande des Bürgerparks, einer grünen Oase mitten im Ort. Ebenfalls nicht zu übersehen ist die Kinkel-Stube, ein Weinhaus am Beginn der Kinkelstraße, sowie schräg gegenüber die kleine, alte evangelische Kirche, ein wahres Kleinod. Nach den Gebäuden der Freiwilligen Feuerwehr und des Tambourcorps Grün-Weiß ist das Kulturzentrum Altes Rathaus das letzte markante Gebäude. Hier haben die Arbeitsgemeinschaft Oberkasseler Rathaus und der Heimatverein ihr Zuhause gefunden.