Fundstelle des Oberkasseler Menschen: Alanus-Studenten entwickeln Ideen

Fundstelle des Oberkasseler Menschen : Alanus-Studenten entwickeln Ideen

Die Nachricht, die kürzlich die Alanus Hochschule in Alfter erhielt, bedeutet großes Lob für zehn Studenten. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hatte entschieden, die staatlich anerkannte Kunsthochschule mit ins Boot zu holen bei der Suche nach einer neuen Tafel für den Oberkasseler Menschen.

Denn da sich der Fund der 14.000 Jahre alten Gebeine im Februar 2014 zum 100. Mal jährt, soll das Areal am Stingenberg in Oberkassel neu gestaltet werden. Die bisherige Gedenktafel, so Ralf Schmitz, wissenschaftlicher Referent für Vorgeschichte am Landesmuseum Bonn, habe ausgedient. Stattdessen solle ein Erinnerungsort geschaffen werden. "Immerhin handelt es sich um einen der bedeutendsten Funde aus der Eiszeit", sagt Schmitz über die Gebeine einer Frau, eines Mannes und eines Hundes.

Zehn Architekturstudenten der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft haben dafür Entwürfe entwickelt. Diese entstanden auf Einladung des Landesmuseums, des Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland und des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Die angehenden Architekten erarbeiteten unter der Leitung der Professoren Willem-Jan Beeren und Benedikt Stahl sowohl Ideen für die Gestaltung eines Erinnerungsortes als auch für die nähere Umgebung im Naturschutzgebiet.

Bei der Präsentation vor der Arbeitsgruppe, die sich mit der Aufwertung von Erinnerungsort und Fundstelle beschäftigt, stießen die Ergebnisse auf Begeisterung. "Die Studenten haben sich sehr sensibel auf den Ort eingelassen", sagte Thomas Otten, Referatsleiter im Landesministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr. Seine Kollegen und er seien von der Vielfalt der Entwürfe überrascht. "Die Ideen sind eine große Bereicherung für die weitere Planung. Wir möchten die Aufwertung der Fundstelle daher gerne in Zusammenarbeit mit der Alanus Hochschule durchführen", so der Experte für Denkmalschutz.

Die Arbeitsgruppe könne sich vorstellen, ausgewählte Elemente der Entwürfe umzusetzen und auch im weiteren Projektverlauf auf den kreativen Input der Studenten und ihrer Dozenten zurückzugreifen. "Das ehrt uns schon", sagte Tatjana Fuchs, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit an der Hochschule.

Die Arbeiten der Studenten zeigen verschiedenste Möglichkeiten, die Fundstelle zu gestalten. Ido de Baat präsentiert zum Beispiel in seinem Entwurf großformatige Rahmen, die Informationstexte und -bilder zeigen und gleichzeitig den Blick auf die dazugehörige Aussicht eröffnen.

"Orte der Pause" platziert Avila Dietrich in ihrem Entwurf entlang des Wanderwegs sowie am Erinnerungsort selbst: Sitzmodule mit integrierten Informationstafeln laden Wanderer zum Verweilen ein. Elias Schley-Cores wertet die Landschaft mit Natursteinmauern auf, in die Sitzgelegenheiten eingelassen sind. Die Mauern weisen den Weg zwischen Fundstelle und Erinnerungsort und sind aus Basalt gefertigt - dem Abbauprodukt des ehemaligen Steinbruchs.

Auch die Ideen von Frauke Albrig Zahl nehmen in Basalt Form an: Im ehemaligen Steinbruch schafft die angehende Architektin Plattformen durch Basaltsäulen mit eingelassenen Stahlplatten. Diese ermöglichen dem Besucher einen Blick auf die bisher nur schwer einsehbare Fundstelle. Die beteiligten Studenten sind im Bachelorstudiengang Architektur und Stadtraum an der Alanus Hochschule eingeschrieben.

Der Oberkasseler Mensch

Der Oberkasseler Mensch zählt zu den berühmtesten jungpaläolithischen Fossilien Deutschlands. Es handelt sich um die Skelette eines älteren Mannes, einer jüngeren Frau, eines Hundes, um weitere Knochen und Kunstgegenstände. Deren Alter schätzen Wissenschaftler auf etwa 12.000 bis 15.000 Jahre. Den sensationellen Fund machten Steinbrucharbeiter im Februar 1914. Auf das Engagement des Volksschullehrers Franz Kissel hin wurden die Fossilien dem LVR-Landesmuseum übergeben, wo man sie besichtigen kann.