Jugendverkehrsschule in der Rheinaue: ADFC könnte Radfahrschule vorerst nutzen

Jugendverkehrsschule in der Rheinaue : ADFC könnte Radfahrschule vorerst nutzen

Der ADFC kann seine Pläne, in der früheren Jugendverkehrsschule am Rande der Beueler Rheinaue Radfahr- und Reparaturkurse für Flüchtlinge anzubieten, umsetzen.

Die Stadtverwaltung hat sich mit Vertretern des Fahrradclubs vor Ort getroffen und sich grundsätzlich darauf geeinigt, dass der ADFC für sein Vorhaben die Werkstatt, Garage und die Freiflächen kostenlos nutzen darf. Im Hauptgebäude sind, wie berichtet, Flüchtlinge untergebracht. Die Nachricht wurde vom Planungsausschuss, der am Dienstagabend im Beueler Rathaus tagte, allgemein begrüßt. Der Antrag der Koalition, die Bitte des ADFC zu prüfen, hatte sich damit erledigt.

Der planungspolitische Sprecher der CDU, Bert Moll, freute sich, dass das ADFC-Konzept auch bei der Stadt auf offene Ohren stieß: „Es ist wichtig, dass Flüchtlinge, die ja zunehmend mit Fahrrädern unterwegs sein werden, ordentlich auf die Verkehrssituation und Verkehrsregeln vorbereitet werden. Das detaillierte Nutzungskonzept des ADFC liegt zwar nicht vor, wir haben aber keine Bedenken, dass das schlüssig werden wird.“

So sah es auch Karin Langer (Grüne), bestand aber darauf, dass der Ausschuss über die weiteren Gespräche und das endgültige Nutzungskonzept informiert werden soll. Dieter Schaper (SPD) erinnerte daran, dass die neue Vorlage der Verwaltung auch der Bezirksvertretung Beuel vorgelegt werden soll: „Schließlich ist dort ja auch die Idee dafür entstanden.“

Bereits seit vergangener Woche sind Mitglieder des ADFC Kreisverbandes Bonn/Rhein-Sieg auf dem Gelände der Jugendverkehrsschule tätig. „Allerdings nur, um unbürokratisch zu helfen“, sagte Vorsitzende Annette Quaedvlieg. Die Deutschlehrerin der neun dort wohnenden Flüchtlinge habe sie um Hilfe gebeten. „Der Vorschlag lautete, Radtouren anzubieten, damit sich die Männer sportlich betätigen können“, so Quaedvlieg.

Schnell stellte sich heraus, dass sieben Flüchtlinge keine verkehrstüchtigen Räder besaßen. Zweimal waren Jürgen Dörr, Ferdinand Busch, Ludwig Wierich und Helmuth Lagemann seitdem da, um Bremsen zu richten, Sattelhöhen einzustellen, Unwuchten aus den Rädern zu nehmen. Und sie schenkten allen Schlösser.

„Als nächstes werden unsere Leute mit den Männern auf dem Außengelände üben“, so die ADFC-Vorsitzende. Auf dem Stundenplan stehen dann Theorie und Praxis. Für Quaedvlieg könnte es „sofort losgehen“ mit Radfahr- und Reparaturkursen für weitere Flüchtlinge. Das letzte Wort dazu hat am nächsten Mittwoch die Bezirksvertretung. Für den Fall, dass der ADFC die Jugendverkehrsschule nach der Flüchtlingsunterbringung weiter für seine Vereinsarbeit nutzen will, listet das Städtische Gebäudemanagement Haushaltsposten auf.

Demnach liegen die Betriebskosten für das gesamte Objekt jährlich bei bis zu 25 000 Euro. Hinzu kämen Instandhaltungskosten von rund 8000 Euro. Der Mietpreis liegt laut Stadt je nach Raumart zwischen vier und neun Euro pro Quadratmeter. Der ADFC, ließ Quaedvlieg durchblicken, sei an einem weiteren Engagement sehr interessiert, sofern es für den Verein finanzierbar sei.

Auch in anderen Stadtteilen und Kommunen gibt der Kreisverband schon kostenlosen Unterricht für Flüchtlinge, wirbt bei Fahrradhändlern und Privatleuten um Sachspenden. „Unsere Ehrenamtlichen konnten schon 150 Räder reparieren“, erzählte die Vorsitzende stolz.

Wer die Arbeit des ADFC unterstützen möchte, erhält weitere Infos unter vorstand@adfc-bonn.de und 0228/6 29 63 64.