Tapetenfabrik in Beuel

Modelleisenbahnclub vergrößert seine Anlage

Die komplette Anlage wird vom Leitstand aus gesteuert - und das per Computer.

BEUEL. Vom Bonner Hauptbahnhof nach Sinzheim-Winden in unter einer Minute? Das schafft nur der feuerrote Trans-Europ-Express des Modelleisenbahnclubs Köln (MECK) "Spur 1". Im Keller der alten Tapetenfabrik in Beuel haben die Hobby-Lokführer auf rund 300 Quadratmetern Gleise verlegt und Landschaften geschaffen. Das macht den Club auch für Profis attraktiv: Im Anschluss an die Kölner Spielwarenmesse wird im Eisenbahnkeller stets gespielt und gefachsimpelt.

Das nutzten die Aussteller, um ihre Neuheiten zu testen und zu präsentieren. Wie der Koreaner Young-Wha Park, der einen produktionsfrischen Kittel mitbrachte. "Wir haben jedes Detail des Dampftriebwagens nachgebaut", sagt der Unternehmer, der Kleinserien im Maßstab 1:32 herstellt.

Da kommt mittlerweile Lasertechnik zum Einsatz, um feine Strukturen auf die Sitzbänke im Innern zu brennen. Sogar die kleinen Türen und Fenster lassen sich öffnen, um den Blick auf die fein gestalteten Passagiere freizumachen. Dieser Detailreichtum ist es, der Besucher und Vereinsmitglieder immer wieder fasziniert. Mehrmals waren Fernsehteams da, um über den Club zu berichten.

"Das Schmuckstück ist unsere Berglandschaft", erzählt Vorsitzender Paul Juchem. Sie steht direkt neben einem beschaulichen Eifeldörfchen. Ein amerikanischer Sender kürte den Hang aus Gips, der mehr als 300 Stunden Arbeit von Schöpfer Wolfgang Quadt verschlang, zu einem der besten im Modellbau weltweit. Manche Wände sind sogar aus echten Bruchsteinen zusammengeklebt.

Dass nicht nur handwerkliches Geschick, sondern auch jede Menge technisches Know-How gefragt ist, kann Juchem aus eigener Erfahrung berichten. Vor seiner Pensionierung baute er Computer. Die Steuerung der Modellbahn funktioniert nicht anders: Vier selbst programmierte feste und mehrere mobile Steuerplätze lenken die Bahnen auf den Gleisen, die über drei Ebenen gehen. "Das funktioniert alles digital", so Juchem. Über die Schienen bekommen die einzelnen Loks die Anweisung, was sie machen sollen. Per Knopfdruck werden Weichen gestellt, Rückwärtsgänge eingelegt und die dampfenden Maschinen angeschmissen. Zu kaufen gibt es das System nicht, "dafür ist es viel zu mächtig". Der jährliche Stromverbrauch der 16-Volt-Anlage entspricht etwa dem eines Vier-Personen-Haushalts.

Trotzdem will der Club noch größer werden. "Das Basteln endet nie", sagt Wolfgang Quadt. Und deshalb bauen die neun Mitglieder und einige Helfer derzeit den gesamten Keller um. Die jetzige Grundfläche und das über einen Kilometer lange Schienennetz aus Spur 1 und 1e wollen sie verdoppeln. Das stellt die Modellbauer vor einige Probleme. "Überall liegt Staub rum, den wir wegputzen müssen, das nervt", äußert Paul Juchem. Der Brandschutz im Keller muss erneuert werden, durch die dicken Stützpfeiler wird die Sicht eingeschränkt.

"Für Letzteres haben wir uns Walkie-Talkies angeschafft", erklärt der 70-Jährige, der seit der Gründung 1998 dabei ist. Am schwierigsten sei aber die Finanzierung, weshalb immer nur in kleinen Schritten vorgegangen werden könne und oft Einfallsreichtum gefragt sei. Genau dieses Tüfteln lockt aber die jungen Lokführer, wie die 15-jährigen Sebastian Völker und Simon Doering. "Mindestens einmal im Monat fahren wir, gearbeitet wird dafür öfter", erzählen sie.