Menschen am Fluss

Marcin Bednarski ist als Schulhausmeister der Mann für alle Fälle

BEUEL. Wenn Marcin Bednarski morgens über die Kennedybrücke fährt, gilt sein erster Blick dem Rhein. Sobald das Wasser über die acht Meter-Marke steigt, muss der Hausmeister des Kardinal-Frings-Gymnasiums (KFG) handeln. Dann droht das Nass den Sportplatz der Schule zu fluten.

"Dafür haben wir einen kleinen Staudamm", sagt er. Nach den beiden sogenannten Jahrhunderthochwassern Mitte der 90er Jahre baute ihn die Schule entlang der Rheinpromenade, nur das Eingangstor lässt noch eine Überschwemmung zu. Das verbarrikadiert Bednarski mit Metallpanelen. "So sitzen wir bis 9,60 Meter im Trockenen."

Aber bisher hat der 34-Jährige noch kein Hochwasser miterlebt. Seit zwei Jahren ist er am KFG der "Mann für alle Fälle, ein Allrounder", wie ihn Schulleiter Bernhard Hillen gerne nennt. Ob eine Lampe defekt ist, ein Ball auf dem Dach liegt oder der Projektor im Unterricht nicht läuft - rund 20 Mal am Tag klingelt Bednarskis Handy in der Hosentasche.

Er ist auch Seelsorger: Wer sich in der Schule daneben benimmt, muss die Sozialstunden bei ihm ableisten. Da hört Bednarski neugierig zu und lässt sich erklären, was warum passiert ist. Erzählt er dann etwas aus seiner Schulzeit, ist meist das Eis gebrochen. Die sei nämlich viel wilder gewesen, so der Hausmeister.

Groß geworden ist Marcin Bednarski im polnischen Zlotow in Ost-Pommern. Dort besuchte er die Technikerschule, machte Abitur und die Ausbildung zum Elektriker. 2004 kam er mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern nach Alfter.

Weil ihn die rheinische Landschaft an seine Heimat erinnert, fühlt er sich wie zu Hause. Anfangs arbeitete er bei einer Firma für Badsanierungen. "Der Job wurde mir aber zu unsicher", sagt er im Gespräch mit dem GA.

Von einem Bekannten erfuhr er von der Hausmeisterstelle am KFG. "Ich wusste gar nicht, was da alles auf mich zukam." Er erkundigte sich bei Freunden und im Internet, bis er zögerlich die Bewerbung abschickte. Wenige Tage später lud ihn das Erzbistum, das Schulträger ist, nach Köln ein. Er hatte den Job.

Was früher zwei Hausmeister für die mehr als 1000 Schüler erledigten, muss er nun alleine schaffen. Dafür hat er einen ordentlichen Fuhrpark in seiner Werkstatt. Ein kleiner Trecker zum Schneeschieben und Salzstreuen, Rasenmäher und Vertikutierer sind Standard. Auch das Arsenal an Werkzeugen kann sich sehen lassen. "Schließlich muss ich in jedem Handwerk etwas machen können", sagt Bednarski. Bei speziellen Arbeiten unterstützen ihn Fachkräfte.

Dass er jeden Morgen um 7 Uhr in die Schule geht, nur selten vor 16 Uhr bei seiner Familie ist und bei Veranstaltungen Überstunden leisten muss, stört ihn nicht. Es macht ihm Spaß, jeden Tag mit so vielen Menschen zu tun zu haben. Er liebt seinen Arbeitsplatz am Rhein. "Denn hier zu wohnen könnte ich mir nicht leisten."