NS-Vergangenheit

Gedenken an tote Zwangsarbeiter

Etta Fennekohl (l) von der Initiative gegen Fremdenhass liest die Namen der Zwangsarbeiter vor.

Etta Fennekohl (l) von der Initiative gegen Fremdenhass liest die Namen der Zwangsarbeiter vor.

Beuel. In Beuel erinnert eine Gedenkstätte an 40 Frauen und Männer, sowie 20 Kinder, die während des 2. Weltkrieges als Zwangsarbeiter ihr Leben ließen.

Schon von außen machte ein Transparent auf den Anlass in der Friedhofshalle aufmerksam: „Wir gedenken Opfern von Rassismus und Gewalt“, prangte darauf in großen, schwarzen Lettern. Freunde und Förderer der Beueler Initiative gegen Fremdenhass hatten sich am Donnerstagabend versammelt, um ihre Gedenkstele einzuweihen. Diese soll an das Schicksal der 40 Frauen und Männer und 20 Kinder erinnern, die als Zwangsarbeiter in Beuel starben.

Eingangs sprach Susanne Rohe als Vertreterin der Initiative ihren Dank aus: an die 35 privaten Spenderinnen und Spender, an die Vertreter der Stadt, die Bonner Historikerin Jolanta Altman-Radwanska und an Steinmetzmeister Michael Naundorf, der die Stele entworfen hat. Er hatte seine Arbeit zugesichert, selbst, wenn der veranschlagte Preis durch Spenden nicht zusammengekommen wäre.

„Wir haben den 1. September zur Einweihung gewählt, weil sich an diesem Tag der deutsche Überfall auf Polen jährt“, erklärte Rohde. Unter den in Beuel gestorbenen Zwangsarbeitern waren besonders viele Polen. „Weil diese Opfer des Krieges noch immer zu wenig Beachtung finden, ist unsere Arbeit umso wichtiger.“ Die meisten Toten blieben anonym.

Nur wenige Einzelschicksale bekannt

Nur wenige Einzelschicksale können Historiker wie Altman-Radwanska rekonstruieren: Wie etwa das der jungen Jadwiga Pawlowska, die in der Beueler Jutespinnerei bis zur Erschöpfung arbeitete und schließlich an Tuberkulose starb. Sie war nur eine von vielen, denen es so erging, denn die Verschleppten leisteten schwere und gefährliche Arbeit. Sie lebten meist in Baracken und erhielten nur wenig zu essen. Sie litten unter Unterernährung und Kälte und nicht zuletzt unter mangelnder Hygiene.

Die Lebensumstände der Zwangsarbeiter machten auch Schüler verschiedener Schulen deutlich, die im Polnisch-Unterricht etwas vorbereitet hatten. Sie präsentierten nicht nur Fakten, sondern lasen auch Berichte und Gedichte von Zeitzeugen vor. Sie erzählten von zwölfjährigen Zwangsarbeiterinnen, von 16-Stunden-Schichten und von verfaulten Kohlrüben als tägliches Mittagessen.

Auch Bürgermeisterin Angelica Maria Kappel war gekommen und dankte der Initiative im Namen der Stadt. „Zu vielen Hunderttausenden wurden Frauen, Männer und Kinder nach Deutschland verschleppt, nachdem ihre Heimatländer von der Wehrmacht überfallen worden waren“, sagte sie. Die Ausmaße dieses Schreckens könnte man sich nicht ansatzweise vorstellen. Doch immer wieder gebe es Menschen, die die Geschichte verdrehten oder leugneten. Kappel: „Gemeinsam und mutig müssen wir diesen Menschen entgegentreten. Fremdenhass und Diskriminierung haben in unserer Stadt keinen Platz.“ Nach einem gemeinsamen Gang zum Gräberfeld enthüllten Vertreter der Initiative mit ihren Gästen die Stele. Laut und deutlich verlasen sie die Namen der Toten, deren Namen bekannt sind, bevor sie eine Gedenkminute für die Opfer einlegten.