Wirtschaftsstandort Beuel

A59-Anschluss an Bonns größtes Gewerbegebiet nicht vor 2020

Entwicklungsprojekt Beuel-Ost: Links liegt die Tapetenfabrik, unten der Beueler Bahnhof und oben sieht man die Halle Beuel mit dem Pantheon. Das Quartier will die Politik konzeptionell behandelt wissen.

Entwicklungsprojekt Beuel-Ost: Links liegt die Tapetenfabrik, unten der Beueler Bahnhof und oben sieht man die Halle Beuel mit dem Pantheon. Das Quartier will die Politik konzeptionell behandelt wissen.

Beuel. Laut Experten hat das Gewerbegebiet Beuel-Ost noch Potenzial und kann ausgebaut werden. In den vergangenen Jahren gab es allerdings wenig Bewegung. Mit rund 100 Hektar ist Beuel-Ost das größte der insgesamt 19 Gewerbegebiete in Bonn.

Der Autobahnanschluss von der A59 an die Maarstraße wäre für das Gewerbegebiet Beuel-Ost wie das Tüpfelchen auf dem i. Dann könnte es sein Potenzial voll ausschöpfen – nicht zuletzt, was die Grundstückspreise betrifft. Bis dahin verkauft sich der Standort eher unter Wert. „Dem Gebiet könnten noch mehr Impulse verliehen werden“, schreibt das Stadtplanungsamt in einer Analyse aus dem Jahr 2010. Mit rund 100 Hektar ist Beuel-Ost das größte der insgesamt 19 Gewerbegebiete in Bonn – und zugleich das älteste.

Charakteristisch ist die Mischung einer großen Zahl sehr unterschiedlicher, zum Teil recht kleiner Betriebe und einigen wenigen flächenintensiven Unternehmen. Bemerkenswert ist auch das mittendrin ausgewiesene Industriegebiet. Das städtische Amt für Wirtschaftsförderung geht von insgesamt 450 dort ansässigen Firmen aus. Dienstleister haben einen Anteil von 43 Prozent, Handel 25 Prozent und Handwerk 14 Prozent. Überproportional stark vertreten ist die Autobranche mit Gebrauchtwagen-, Einzelteile- und Schrotthandel.

Zu den ältesten Unternehmen mit über 100-jähriger Geschichte zählt der Süßspezialitäten-Produzent Kessko an der Königswinterer Straße oder der Schleifmittelhersteller Atlantic an der Gartenstraße. Neuzugänge im Gewerbegebiet in den zurückliegenden Jahren sind beispielsweise der Maschinenvermieter Boels an der Maarstraße oder die mittelständischen Handwerksbetriebe Gerwing und Sädler an der Röhfeldstraße. Auf der Fläche eines ehemaligen Betonmischwerks am Pfaffenweg hat die GVP Gemeinnützige Werkstätten Bonn 2006 ihren dritten Standort im Gewerbegebiet Beuel-Ost – ein Montage- und Logistikzentrum – gebaut. Längst geschlossen sind Tapetenfabrik, Jutespinnerei, das Chemieunternehmen Marquart oder Dachbaustoffehersteller A.W. Andernach.

Gewachsene Struktur

Kennzeichen des Gewerbegebiets ist also eine gewachsene Struktur. „Über die Jahre gibt es relativ wenig Veränderungen“, erläutert Petra Schliebach vom Amt für Wirtschaftsförderung. „Die geringe Fluktuation deutet auf eine stabile Bestandsstruktur“, sagt sie. Gerade durch die Kleinteiligkeit könnte diese Struktur auf unterschiedliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Nutzungsanfragen reagieren. „Das ist einerseits positiv. Andererseits ist es dadurch für die Stadt schwierig, einen Wandel für untergenutzte Bereiche in Gang zu setzen.“ Soll heißen, dass Flächen höherwertiger genutzt werden könnten wie etwa das Grundstück an der Königswinterer/Ecke Maarstraße. Dort hat bislang der Mieter, ein Autohändler, Fahrzeuge abgestellt. Potenzial haben beispielsweise auch das einstige Marquart-Areal an der Ecke Königswinterer Straße oder der Standort der Großmarkthallen an der Röhfeldstraße. Allerdings sind fast alle Grundstücke in privater Hand. Daher hat die Verwaltung relativ wenig Steuerungsmöglichkeiten.

Nach einem Ratsbeschluss von 2009 ist die Ansiedlung von zentrumsschädlichem Einzelhandel ausgeschlossen; außerdem soll der Gebraucht- und Schrottwagenhandel sich nicht weiter ausbreiten. Mit Blick auf den Maarstraßen-Anschluss hat das städtische Planungsamt 2010 gestalterische Schwerpunkte definiert. Danach sollen Königswinterer und Maarstraße ebenso aufgewertet werden wie Straßenkreuzungen innerhalb des Gebietes.

Verkehrschaos befürchtet

Beschlusslage ist, dass mit der Fertigstellung die Anschlussstelle Pützchen entfällt. Wie viel Verkehr dann von der Autobahn über die Maarstraße und zurück fließen wird, ist nicht beziffert. Auch die Straßen im weiteren Umkreis müssen die Mengen verkraften. Entsprechende Konzepte liegen beim Planungsamt bereits in der Schublade, doch Wolfgang Pütz, Vorstandsvorsitzender der GVP Gemeinnützigen Werkstätten mit drei Standorten im Gewerbegebiet, rät von einer Schließung der Ausfahrt Pützchen ab, „da wir fürchten, dass Maarstraße und Pfaffenweg, über den der Verkehr abgeleitet werden soll, verkehrstechnisch kollabieren werden. Bereits heute fehlen für die Mitarbeiter Querungshilfen.“

Ralf Becker, Baustoffgroßhändler an der Paulusstraße gehört zu denen, die im Gewerbegebiet mehr bewegen wollen. Mit anderen Unternehmen gründete er 2008 eine Wirtschafts- und Interessengemeinschaft (BWI), der zeitweise rund 45 Mitgliedsfirmen angehörten. Ein Ordner mit Zeitungsartikeln dokumentiert die Initiativen. Doch 2017 löste sich die BWI auf. „Wir haben gemacht und getan, mussten aber feststellen, dass wir nichts verändern können“, sagt Becker.

Anlass für die Gründung der BWI sei die Abwehr eines Straßenstrichs – „bloß weil er unter die Rubrik Gewerbe fällt“ – und Mitwirkung bei den Planungen im Zusammenhang mit dem Maarstraßen-Anschluss gewesen. Ersteres ist gelungen. Aber: „Wir warten schon so lange auf den Autobahn-Anschluss. Immer wieder gibt es Verzögerungen. Da verliert man die Lust.“ Becker verweist auf die Anbindung des Bornheimer Gewerbegebietes an die Autobahn, die in weitaus kürzerer Zeit geplant und gebaut worden sei. „So muss es laufen. Das Gebiet hat sich optimal entwickelt. Sogar Bonner Unternehmen sind dorthin gezogen.“