Niederholtorf: 23-Jähriger schließt Versorgungslücke mit Tante-Emma-Laden

Niederholtorf : 23-Jähriger schließt Versorgungslücke mit Tante-Emma-Laden

Mal eben ein paar Bananen oder ein Päckchen Butter einzukaufen, setzte für die Niederholtorfer bisher voraus, ins Auto zu steigen und zum nächsten Supermarkt zu fahren. Seit Matthias Hahn in der vergangenen Woche seinen Tante-Emma-Laden an der Löwenburgstraße eröffnet hat, gibt es Waren für den täglichen Bedarf direkt vor der Haustür.

Obwohl seine Preise etwas höher sind als beim Discounter, kommt das altmodische Ladenkonzept im Dorf gut an. Es sind nicht nur Kinder wie der elfjährige Jannik, die mal für ein Eis oder Süßigkeiten vorbeikommen. Familien halten auf ihrem Spaziergang an, ältere Anwohner schauen mit ihrem kleinen Rollkoffer herein. "Ich wurde wirklich nett empfangen, und bis jetzt läuft es ganz gut", sagt Matthias Hahn. Damit hatte er zunächst nicht gerechnet. Es sei ein Experiment, ob sein "Leckerchen" auch in kleinerer Nachbarschaft funktioniere. Hahn ist zuversichtlich.

"Große Ketten wie Rewe machen es vor, die kleinen Geschäfte, in denen man sich leicht zurechtfindet, liegen wieder voll im Trend." Bis vor Kurzem hatte der 23-Jährige das Geschäft noch am Barbarossaplatz in Köln. Zwei Jahre lang pendelte der gebürtige Beueler nach seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Lebensmittelgewerbe jeden Morgen in die Domstadt und am späten Abend wieder zurück. Wenn er mal etwas Zeit brauchte, halfen ihm Freunde aus.

"Das ist irgendwann natürlich eine ganz schöne Belastung, aber wegziehen wollte ich auch nicht", sagt er. Als sein Vermieter dann ankündigte, den Mietvertrag nicht verlängern zu wollen, schaute er sich nach einem neuen Ladengeschäft um. Die knapp 45 Quadratmeter große Immobilie in Niederholtorf, von der etwa 20 Quadratmeter Lager für die Kunden nicht zu sehen sind, kam ihm gelegen. In der Bonner City und an zentraleren Orten waren die Mieten zu hoch.

"Da dachte ich mir, dass ich es ruhig mal an abgelegeneren Ecken probieren könnte", so Matthias Hahn. Regale und Theke nahm er aus seinem alten Laden mit nach Niederholtorf, auch den großen "Leckerchen"-Banner über dem Eingang gab es schon in Köln. Das Sortiment ist etwas kleiner, weil er nun weniger Platz hat. Trotzdem hat Hahn rund 150 Waren im Angebot. Darunter Spülmittel, Zahnpasta und Käse.

"Ich besorge aber auch Artikel, wenn sie gewünscht werden", sagt er. So habe ein Kunde nach spezieller Orangenmarmelade gefragt - und Hahn habe sie kurze Zeit später im Regal stehen gehabt. Wer nicht mehr selbst vorbeikommen kann, dem bringt Hahn den Einkaufskorb eben nach Hause.

"Die Menschen müssen einfach nur fragen, ich versuche so viel Service wie möglich zu bieten." Geöffnet hat er wochentags von 8 bis 19 Uhr, samstags von 9 bis 13 Uhr.

Alfred Pint, der seit mehr als zehn Jahren seinen Kiosk mit Zeitschriften, Tabak und einer Reinigungsannahme betreibt, hat Hahn noch nicht richtig kennengelernt. Er sieht den 23-Jährigen aber auch nicht als Konkurrenz. "Unsere Geschäfte sind zwar direkt nebeneinander, aber wir haben unterschiedliche Schwerpunkte", sagt er.

Er könnte sich sogar vorstellen, von Hahns Geschäftstüchtigkeit zu profitieren. Denn wenn mehr Laufkundschaft an seiner Ladenzeile flaniere, könnte das auch seinen Umsatz steigern.