"Unterwegs mit ..." Paul Klein in Küdinghoven

Übers Junggesellenwieschen in den Ennert

KÜNDINGHOVEN. Es soll doch tatsächlich Beueler geben, die behaupten, Küdinghoven läge nicht im Rheinland, weil nicht am Rhein. Aber braucht man dieses Attribut? Küdinghoven liegt auf der Sonnenseite Bonns -dem können alle Beueler wieder zustimmen.

Apropos Sonnenseite: Bei meinem Spaziergang mit Paul Klein, auf dem er mir "sein" Küdinghoven zeigte, waren wir mit Regenkleidung und Regenschirm unterwegs. Denn bekanntlich gibt es kein schlechtes Wetter, sondern nur unpassende Kleidung. Wir trafen uns in Küdinghoven an seinem Elternhaus und spazierten einige Meter die Königswinterer Straße Richtung Norden - in diesem Bereich ist die Königswinterer Straße wahrlich keine Kö, wie weiter südlich in Oberkassel - und machten beim Friedensdenkmal erstmals Station. Errichtet wurde es 1906 vom "Kameradschaftlichen Kriegerverein Küdinghoven" zur Erinnerung an gefallene Soldaten im deutsch-französischen Krieg 1870/71. Inzwischen wird auch der Gefallenen der beiden Weltkriege an diesem Denkmal gedacht.

Hübsche Fachwerkhäuser auf der Kirchstraße

Von hier biegen wir rechts ab in die Kirchstraße - eines der schönsten "Sträßchen", das ich in Bonn kenne. Klein und niedrig ducken sich Häuser in Fachwerkmanier, wunderschön hergerichtet. Heute gibt es hier keine Geschäfte mehr, doch früher war alles vorhanden, was ein kleiner Ort benötigt: Post, Metzger, Bäcker, Lebensmittel, Zeitungen und Tabakwaren, auch ein Schuhgeschäft - und am Ende das "Café Patt". "Die kleine Hohe Straße", so nannte eine Bekannte Kleins, die aus Köln kam, diese Straße.

Den Platz am Brünnchen ziert in den Sommermonaten "unser Maibaum und die sicherlich größte Eierkrone im Groß-Bonner Raum", erzählt Paul Klein nicht ohne Stolz. Zum Ende der Kirchstraße hin liegt der jetzige Dorfplatz, wo Junggesellen und Schützen feiern und die Kirmes abgehalten wird. Klein kann sich noch daran erinnern, dass hier früher das Vereinshaus stand. Dann gehen wir an der Sankt Gallus Kirche vorüber, deren Turm, so lerne ich, aus dem 12. Jahrhundert stammt. Über den gepflegten Bergfriedhof und über das "Junggesellenwieschen" erklimmen wir nun den Ennertwald. Über die Autobahn und nach einhundert Treppenstufen aufwärts präsentiert mir Paul Klein das hübsche Foveaux-Häuschen. Es wurde 1820 vom Fabrikanten Heinrich Josef Foveaux errichtet und ist seit dem 25-jährigen Jubiläum der Großen Küdinghovener Karnevalsgesellschaft deren Vereins-Emblem.

"Ein Spaziergang über den Ennert zum Foveaux-Häuschen ist für mich und meine Frau immer wieder schön. Es gehört bei unseren Wanderungen, mehrmals die Woche, durch den Ennert und durch das Siebengebirge schon fast zu unserem Pflichtprogramm", sagt Paul Klein. Dieser Aufstieg, dieses Häuschen und diese Aussicht - da kann man die Kleins gut verstehen. So nebenbei stelle ich fest, dass der Aufstieg auch Teil des Rheinsteigs ist.

Wir spazieren den Foveaux-Weg durch den herbstlichen Ennertwald und unterhalten uns - wie könnte es mit einem Mann, der "seit ewigen Zeiten" dem Karneval verbunden ist, anders sein - über den Karneval im Allgemeinen und über LiKüRa im Besonderen. Sein Amt als Vorsitzender hat Paul Klein abgegeben. "Man muss wissen, wann Schluss ist, und man muss zum richtigen Zeitpunkt die Jugend ranlassen", so einfach ist seine Erklärung. Aber er ist immer noch mit Leib und Seele dem Karneval verbunden.

Der Rückweg aus dem Wald ins Städtchen führt uns den Ennertweg hinab. "Hier sind wir als Pänz immer Schlitten gefahren, bis zum Eingang vom Café Patt", erinnert er sich. Damals gab?s noch keine Autobahn und der Weg führte geradeaus bis ins Dorf. Dem Autobahnbau ist auch das Ennerthaus, ein beliebtes Ausflugslokal, zum Opfer gefallen, zu seinem größten Bedauern.

Über die Gallusstraße und die Samansstraße kommen wir wieder zu seinem Elternhaus zurück. Nach dieser wunderschönen Runde war Wasser von oben kein Thema mehr für uns. Egal, ob Küdinghoven nun am Rhein liegt oder nicht, Alt-Küdinghoven ist ein Schmuckstück auf der Sonnenseite von Bonn - auch wenn's regnet. Und es ist und bleibt der Mittelpunkt von Li-Kü-Ra.

Zur Person

Paul Klein, Jahrgang 1946, ist Küdinghovener Urgestein. Er ist in Küdinghoven geboren, hier zur Schule gegangen und wohnt in seinem Elternhaus. Klein absolvierte zuerst eine Ausbildung als Großhandelskaufmann, danach hat er die Beamtenlaufbahn beim Amtsgericht Bonn eingeschlagen. Er ist verheiratet und hat eine Tochter. Seit 1964 ist er in der Großen Küdinghovener Karnevalsgesellschaft aktiv. Von 1991 bis 2012 war er Vorsitzender des Festausschusses LiKüRa-Karneval. Als dessen Ehrenvorsitzender ist er im Regionalverband Rhein-Sieg-Eifel als Bezirksvertreter aktiv.