Beethoven wohnte im Hinterhaus

Beethoven wohnte im Hinterhaus

Das Gebäude in der Bonngasse hatte viele Nutzer

Bonn. (tpm) Das Beethoven-Haus ist wohl den meisten Bonnern ein Begriff. Fast jeder dürfte schon einmal einen Blick in das Geburtszimmer des bekannten Bonners geworfen haben. Im Rahmen des Tags des offenen Denkmals stand nun aber nicht die Person Beethovens, sondern die Baugeschichte des Gebäudes im Vordergrund.

"Wo war denn hier die Küche?" lautete die Leitfrage bei einer Führung mit Christine Köndgen vom Verein Beethoven-Haus Bonn. Dabei sollte vor allem die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes erläutert werden, das Ende des 19. Jahrhunderts museal umgestaltet wurde.

So erfuhren die rund 30 Besucher, dass Vorderhaus und Hinterhaus, die heute zu einem Gebäude verbunden sind, zu Zeiten von Beethovens Geburt im Jahr 1770 getrennt waren. Die Familie Beethoven wohnte im Hinterhaus, im Vorderhaus befanden sich weitere Wohnungen und Handwerkstätten.

Im Laufe der Zeit wechselten die Bewohner und auch die Nutzung des Gebäudes, so befand im 19. Jahrhundert im Vorderhaus eine Gaststätte, Ende des 19. Jahrhunderts ein Kolonialwarenladen und sogar ein Damenorchester namens "Tingeltangel" weilte in dem Gebäude in der Bonngasse.

Als das gesamte Anwesen zum Verkauf stand und vom Abriss bedroht war, gründeten zwölf engagierte Bonner Bürger 1889 den Verein Beethoven-Haus, erwarben die beiden Häuser und wandelten sie in eine Gedenkstätte um. Eine besondere Rolle kam in der folgenden Zeit, vor allem während des Zweiten Weltkriegs, dem Hausmeister des Museums zu. Er rettete das Gebäude bei einem Luftangriff im Oktober 1944 vor der Zerstörung, in dem er auf dem Dach sitzend die Brandbomben in die umliegenden Gärten warf.

Eine Tat, ohne die Wissenschaftler wohl nie herausgefunden hätten, wie das Haus zu Beethovens Lebzeiten tatsächlich genutzt wurde. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg ergaben genauere Untersuchungen, dass im Erdgeschoss des Hinterhauses, Dachbalken erneuert wurden. Ein Indiz dafür, dass sich in diesem Raum zwischen Vorderhaus und Hinterhaus die Küche befunden haben muss: Rauch und Ruß schienen die alten Balken porös gemacht zu haben.

Und was bereitete Mutter Beethoven bevorzugt in dieser Küche zu? Wachholderdrosseln, wusste Christine Köndgen zu berichten, ob in Suppen, als Braten oder Pastetenform. "Denn das war das Lieblingsgericht von Johann van Beethoven", so die Museumspädagogin.

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