Baum wird einseitig zum Pfahl

Baum wird einseitig zum Pfahl

Nachbarn in Lessenich streiten um ungenehmigtes Beschneiden einer geschützten Zeder

Lessenich. Ist das noch ein Baum oder schon ein Pfahl? Die mächtige Zeder am Dompfaffenweg in Lessenich/ Meßdorf, die so einseitig ihre Äste trägt, dass beim nächsten Sturm ein Umkippen befürchtet werden muss, sorgt jetzt für einen Nachbarschaftsstreit erster Güte.

Der rund 15 Meter hohe, von der Baumsatzung geschützte Baum steht auf der Grundstücksgrenze zweier Häuser. Als Eigenheim-Besitzer Wolf Fabian im Mai aus seinem Urlaub zurückkehrte und sah, was aus seinem Baum geworden war, ging er auf die Barrikaden. Sein Nachbar habe schon früher regelmäßig nach Salamitaktik den Baum beschnitten, und zuletzt nach dem Orkan Kyrill, als große Äste abbrachen, einen "Großangriff auf die Zeder" gestartet.

"Jedes Mal, wenn wir nicht vor Ort waren, fehlte wieder ein Stück Ast beziehungsweise ein ganzer Ast, bis die komplette Westseite des Baumes abrasiert war", beschwerte sich Fabian nun bei der Stadt. Um des lieben Friedens Willen habe er das toleriert. Doch nach dem besagten Urlaub im Mai, als der Nachbar sogar einen Hauptstamm beseitigt habe, ging ihm das Sägemanöver zu weit. "Denn der Baum ist mittlerweile praktisch völlig ruiniert."

Der Pensionär befürchtet, dass der halbseitige Pfahl durch das Ungleichgewicht auf sein Haus fallen könnte und verlangt von seinem Nachbarn nun Schadensersatz. Zunächst wird nun ein Gutachter kommen und sehen, ob die Zeder überhaupt noch zu retten ist.

Die Stadt prüft derweil, ob ein Vergehen gegen die Baumsatzung vorliegt. Wenn ja, steht eine Geldstrafe im Raum. "Die Höhe hängt dann von der Schwere des Eingriffs und der Begründung ab", sagte ein Sprecher des Presseamtes dem GA.

Der beklagte Nachbar, der sich "ausführlich" bei der Stadt zum Sachverhalt geäußert hatte, zieht sich auf den schlechten Zustand des Baumes zurück. Nach Kyrill sei er nur noch ein gefährliches Wrack gewesen, sagte Hans Kremser dem GA. Sein Nachbar habe ihn aber immer nur hingehalten und die Gefahr nicht beseitigt, obwohl er ihn häufiger darauf angesprochen habe.

Auch mit der Stadt sei es nicht besser gelaufen, die habe seine Bitte um einen Ortstermin zweimal abgelehnt. Wegen der Verkehrssicherungspflicht "musste ich tätig werden", sagt Kremser. Einem Rechtsstreit sieht der Pensionär gelassen entgegen, weil er den Baumzustand immer mit Fotos und Notizen dokumentiert hatte. Außerdem: "Der Baum hatte zu dieser Seite ohnehin nicht viel Volumen", meint er.

Für Fabian ist die Argumentation dagegen nicht treffend. "Mein Nachbar begründet sein Tun mit der Standsicherheit des Baumes, dabei erreicht er mit seiner Aktion doch genau das Gegenteil." Für Kremser dagegen ist mit dem gerupften Zustand alles erledigt. "Die Standsicherheit ist jetzt Sache meines Nachbarn, ich bin nur für meine Hälfte verantwortlich."

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