Videonale in privaten Räumen: Wohnzimmer wird in Schweinheim zum Kino

Videonale in privaten Räumen : Wohnzimmer wird in Schweinheim zum Kino

Als Teil der Bonner Videonale werden derzeit Kunstvideos in privaten Räumen vorgeführt. Bei Heidi Kuhn in Schweinheim lief der Film "Hostel", den sich rund 30 Gäste ansahen.

Es wirkt fast wie ein klassischer Samstagabend – Knabbereien, Getränke und vor den Zuschauern eine Leinwand, auf dem ein Film zu sehen ist. Heimkino eben. Doch gezeigt wird an dem Abend in dem Haus von Heidi Kuhn in Schweinheim nicht etwa ein Hollywood-Blockbuster, sondern ein Kunstvideo, das als eines von 30 ausgewählten Werken ab dem 20. Februar als Teil der Videonale im Kunstmuseum Bonn zu sehen sein wird. Die Ausstellung gibt es alle zwei Jahre, in diesem Jahr lautet das Motto "refrected realities".

Annette Ziegert, Kunsthistorikerin und zuständig für die Kunstvermittlung, organisiert die etwas anderen Filmabende in privaten Wohnzimmern: "Wir haben sieben Filmabende in Bonn und Köln organisiert, die auch von der SK Stiftung Kultur als Co-Veranstalter getragen werden. Die Idee ist dabei, ein Stück Museum, ein Stück Videokunst ins Wohnzimmer zu bringen. Dabei beschränken wir uns auf einen Film, der nicht länger als 30 Minuten dauern darf und über den im Anschluss noch in Ruhe geredet werden kann."

So solle im Gegensatz zum Museum ein Setting geschaffen werden, in dem man den ganzen Film in Ruhe schaue und danach noch die Möglichkeit habe, sich mit anderen Interessierten darüber auszutauschen. "Wir knüpfen damit an die Kulturform des Videoabends an, wenn man so will", erläutert Ziegert das Konzept. Nach weiteren Terminen in Köln (17. Februar, 9. März und 23. März) werden die Videoabende im März und April auch in der Ausstellung selbst in dieser Form weitergeführt.

Film ist Überraschung für Gäste

Der Abend bei Heidi Kuhn, bei der sich um die 30 Gäste eingefunden haben, ist der vierte und letzte in Bonn. Als Gastgeber kann jeder teilnehmen, der ein Wohnzimmer hat. In diesem Jahr reicht die Altersspanne von 30 bis 80 Jahren, die Räume von der WG bis zum privaten Bungalow. Weder Gastgeber noch Gäste müssen etwas bezahlen. Ziel ist es, mit der bunten Mischung von Orten und Atmosphären auch verschiedene Publika zu erreichen. Der Film ist für die Gäste eine Überraschung, die Gastgeber können selbst entscheiden, ob sie sich überraschen lassen oder aber einen Film aus einer Auswahl bestimmen.

Heidi Kuhn hat sich auch von Stefan Panhans' Film "Hostel", der an diesem Abend zu sehen war, überraschen lassen. Sie ist auch mit ihren fast 80 Jahren noch sehr aktiv und hat gerade sieben Ausstellungen vorbereitet. Da bleibt kaum Zeit zum Filmschauen, was die Aktion für sie sehr reizvoll macht: "Mir hat die Idee gefallen und ich fand es auch für mich ganz persönlich spannend, auf diese Weise gezwungen zu sein, einen Film zu Ende zu schauen und mich damit auseinanderzusetzen."