Traditionsgaststätte: Wird das Aennchen in Bad Godesberg wieder verkauft?

Traditionsgaststätte : Wird das Aennchen in Bad Godesberg wieder verkauft?

Die Wählergemeinschaft "Die Godesberger" wollen aus dem Umkreis des Eigentümers erfahren haben, dass dieser die Traditionsgaststätte Aennchen wieder verkaufen wolle.

Die Bezirksvertretung Bad Godesberg hat sich am Mittwochabend in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause mit der Gestaltung des Bad Godesberger Nordens auseinandergesetzt. Dabei ging es auch um das Aennchen. Laut Juppi Schaefer von der Wählergemeinschaft „Die Godesberger“ will der neue Besitzer die Traditionsgaststätte wieder verkaufen. Ein „arabischer Mitbürger mit Verbindungen zum neuen Besitzer“ habe diese Informationen an ein Mitglied der Wählergemeinschaft weitergegeben.

Da es nach Meinung der Politiker nicht gut um das Gebäude bestellt ist, beschloss das Gremium einstimmig, den Inhaber um Instandsetzung der Bausubstanz und um Veröffentlichung seiner Pläne für die Zukunft der Gaststätte zu bitten. Ein weiterer Antrag der FDP, die Verwaltung möge im nördlich angrenzenden Gebiet ein Stadtentwicklungskonzept erstellen, wurde ebenfalls einstimmig angenommen.

„Vom Wahrzeichen zum Schandfleck“, so leitete Schaefer seine Ausführungen zum Aennchen ein. Seit der Schließung vor nunmehr knapp zwei Jahren habe das Efeu die Fassade übernommen, der Putz bröckle ab, und in den Kästen auf den Fensterbänken befänden sich verwelkte Blumen. Er wundere sich, dass es in Godesberg „zu Hauf Projekte zur Attraktivitätssteigerung gibt, der schlechte Zustand in diesem Fall aber niemanden zu kümmern scheint“. Er wünsche sich, dass die Stadt auf dem Rechtsweg einschreiten könnte, diese Hoffnung aber hatte die Verwaltung bereits in einer Stellungnahme zunichte gemacht.

Besitzer soll Pläne offenlegen

In einem Bürgerantrag forderte Schaefer die Stadt auf, den Besitzer zwecks Instandsetzung zu kontaktieren und gleichzeitig darum zu bitten, die Pläne für die Gaststätte offenzulegen.

SPD-Bezirksvertreter Lutz Beine unterstützte das Vorhaben, sah angesichts des möglichen Verkaufs aber kaum Hoffnung auf Verbesserung. Vielleicht könnte Schaefer das Gebäude mit Sponsorenunterstützung selbst aufkaufen, schlug er vor. Das wäre auch Philipp Lerch (CDU) lieb. „Wir haben alle ein großes Interesse am Erhalt des Aennchens“, sagte er. Wie berichtet, hatte der Gastronom im Oktober 2016 eine Gaststättenerlaubnis für das Traditionshaus beantragt, in der die Rede von einem Mix aus gutbürgerlicher und mediterraner Küche war. Seitdem hat sich indes nichts getan.

Den für die Erlaubnis verantwortlichen Verwaltungsmitarbeiter hat Lerch kontaktiert, um über ihn den „Konversationswunsch an den Gastronomen weiterzuleiten“. Ob es sich dabei um den Besitzer oder den Pächter handele, sei ihm allerdings nicht klar. Fest stehe: Es sei niemand auf seinen Kontaktversuch eingegangen, so Lerch.

Monika Heinzel (Grüne) beantragte schließlich, dass die Verwaltung dem Besitzer einen Brief schreiben soll, in dem er gebeten wird, „das Gebäude in einen gepflegten Zustand zu versetzen“. Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn forderte, den Besitzer zu bitten, „seine Pläne für die zukünftige Nutzung preiszugeben“. Beide Anträge wurden einstimmig angenommen.

Gesamtkonzept für ein gemischtes Viertel

Im Weiteren ging es um die Zukunft des Gebiets in Godesberg-Nord zwischen der Bahnlinie, dem westlichen Ende der Plittersdorfer Straße, Ännchenplatz, Ännchenstraße, Promenadenweg, An Brenigs Ziegelei, Bernkasteler Straße sowie der Hochkreuzallee. Nach Annahme des Antrags ist die Verwaltung nun aufgefordert, ein „räumliches, bauliches, soziales und verkehrliches Stadtentwicklungskonzept“ zu erstellen.

„Wie soll das Gesamtkonzept des Viertels aussehen?“, fragte Achim Schröder (FDP) angesichts der Diskussion um eine geplante Moschee (der GA berichtete) und des Umbaus der Abfallsammelstelle in der Weststraße. „Das genannte Gebiet besteht zum Teil aus Wohnbebauung, zum Teil aus Gewerbeflächen“, heißt es in der Antragsbegründung. Kinderbetreuung, Firmen, industrielle Brachflächen, Lagerhallen von Karnevalsvereinen sowie kirchliche und kulturelle Einrichtungen lägen hier Tür an Tür. Eventuell sei es sinnvoll, die nicht genutzte Michaelschule zu reaktivieren. Diese „Dynamik“ solle „stadtplanerisch gelenkt werden“.

Lerch (CDU) unterstützte die Idee. „Es braucht schnelle, realistische, pragmatische und umsetzbare Optionen“, betonte er. Schröder: „Wir wollen keinen Bebauungsplan“, es gehe vielmehr um die klare Aufteilung von Wohn- und Gewerbegebiet.