Statistik kontra Gefühl: Wie sicher ist Bad Godesberg wirklich?

Statistik kontra Gefühl : Wie sicher ist Bad Godesberg wirklich?

Einige Bad Godesberger fühlen sich in ihrem Stadtbezirk nicht mehr sicher. Die Polizei verweist jedoch auf weniger Gewaltdelikte. Eine Analyse.

Wenn Bad Godesberg es hin und wieder auch überregional in die Nachrichten schafft, hat das meist keinen positiven Hintergrund. Der weit über die Stadtgrenzen hinaus thematisierte Gewalttod von Niklas Pöhler oder eine Eskalation zwischen Salafisten, Pro-NRW-Anhängern und der Polizei am Rande einer Kundgebung an der König-Fahad-Akademie vor genau fünf Jahren haben erheblich am Image des Stadtbezirks gekratzt. Einige Bad Godesberger fühlen sich nicht mehr sicher und meiden besonders bei Dunkelheit bestimmte Orte wie den Kurpark. Wie aber ist die Sicherheitslage in Wirklichkeit?

Ein Blick auf die Kriminalstatistik der Polizei bescheinigt Bad Godesberg bei der Zahl der Delikte eine positive Entwicklung: Zwar ist ihre Gesamtzahl im vergangenen Jahr gegenüber 2015 um 187 Delikte auf 6105 erfasste Fälle gestiegen, was hauptsächlich an mehr Ladendiebstählen und Schwarzfahren lag. Doch bei Gewalt- und Straßenkriminalität sowie Einbrüchen verzeichneten die Beamten jeweils einen Rückgang.

Nach Angaben der Polizei hält diese Entwicklung auch im laufenden Jahr an. Dies ist auch eine Folge von verstärkter Polizeipräsenz in der Innenstadt sowie in den Parks, wo vor allem die Jugendszene im Blickpunkt steht: Regelmäßig führt die Polizei in Zusammenarbeit mit der Stadt dort Präventions- und Interventionseinsätze durch, spricht Personen an und kontrolliert in einigen Fällen ihre Personalausweise.

Weil bei wärmeren Temperaturen wieder mehr Menschen in die Parks gehen, hat die Polizei diese vor allem in den anstehenden Sommermonaten im Auge. „Da die Zahlen bei Gewalt- und Straßenkriminalität zurückgegangen sind, hoffen wir, dass auch das Sicherheitsgefühl der Menschen wieder steigt“, sagt Andreas Piastowski, Leiter der Polizeiinspektion 2, zu der Bad Godesberg und Wachtberg gehören.

Dieses Sicherheitsgefühl empfinden die Bad Godesberger dabei ganz unterschiedlich. „Anders als gesagt wird, ist es in Bad Godesberg meiner Meinung nach nicht gefährlicher geworden. Es gibt schon Orte, zu denen man nicht geht wie den Kurpark, aber eigentlich gibt es keine Veränderung. Die Eltern sind halt vorsichtiger geworden“, sagt ein 18-Jähriger bei einer kurzen Straßenumfrage des GA. Ähnlich sieht es bei einer 14-Jährigen aus: „Seit das mit Niklas passiert ist, sind meine Eltern vorsichtiger geworden. Ich darf zum Beispiel nicht zu Rhein in Flammen gehen.“

Dass die Frage nach der Sicherheit heute ein vorherrschendes Thema in Bad Godesberg ist, ist für Wolfram Kuster die Folge einer langanhaltenden Entwicklung. „Es hat lange gedauert, bis das Thema in der Bevölkerung angekommen ist. Früher sind wir damit auf viel Ablehnung gestoßen“, sagt Kuster, der vor rund 15 Jahren die Initiative Go Respekt gegründet hat. Diese beschäftigt sich mit dem Thema Jugendgewalt im Stadtbezirk. Was die gesunkenen Zahlen der Statistik betrifft, zeigt sich Kuster zudem kritisch: „Ich persönlich traue der Aussagekraft von Statistiken nicht. Denn auch wenn die Polizei auf einen Rückgang verweist, steht das im Kontrast zu dem, was die Menschen empfinden.“

Dieser Kontrast ist auch Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke bewusst: „Es gibt einen Unterschied zwischen gefühlter und tatsächlicher Sicherheitslage. Wichtig ist, dass wir die guten Erfolge und den Einsatz der Polizei und Ordnungskräfte kommunizieren und sichtbar machen.“ Dennoch betont auch Stein-Lücke: „Die Sicherheitslage in Bad Godesberg ist lange noch nicht gut genug, wir können uns nicht mit dem jetzigen Stand zufriedengeben.“

Neben der Jugendgewalt hat auch der Schutz vor Einbrüchen an Bedeutung gewonnen. So ist etwa die private Sicherheitsfirma von Timo Hähnlein im Auftrag von Anwohnern und Geschäftsinhabern in vier Godesberger Vierteln unterwegs: in Mehlem, Schweinheim, der Innenstadt und dem Villenviertel.

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