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Projekt Mitternachtssport in Bad Godesberg: Weg von der Straße

Projekt Mitternachtssport in Bad Godesberg : Weg von der Straße

Das Projekt Mitternachtssport ist in der Turnhalle des Konrad-Adenauer-Gymnasiums gestartet. Es soll Jugendlichen eine Alternative zum Herumhängen auf der Straße anbieten.

Um 22 Uhr waren alle da: die Organisatoren, die Trainer und eine Gruppe Jugendlicher. Theoretisch also hätte die Bad Godesberger Premiere des Projekts Mitternachtssport pünktlich starten könne.

Praktisch allerdings gab es einen Haken. Denn der richtige Schlüssel für die Turnhalle des Konrad-Adenauer-Gymnasiums fehlte. Somit war zunächst Warten angesagt. Was der guten Laune allerdings keinen Abbruch tat, man begann kurzerhand, auf dem Schulhof Fußball zu spielen.

Als dann endlich der richtige Schlüssel da war, waren alle warmgespielt und bereit, so richtig loszulegen. Noch waren es „nur“ um die zehn Jungs, die sich zusammengefunden hatten. „Wir hoffen natürlich, dass die ihren Freunden davon erzählen, damit wir in den nächsten Monaten noch mehr werden“, sagte Janik Dienst, vom Verein Jugend Verbindet, der das Projekt mit ins Leben gerufen hat.

Wenn man sich bei den Anwesenden umhörte, schien das wahrscheinlich. „Wir kommen auf jeden Fall wieder“, sagten Hadis und Hamiid Aslamyar, deren Betreuer die beiden jungen Afghanen auf das Angebot aufmerksam gemacht hatte.

Nicht ganz neue Idee

Auch Bernhard Stüer und Paul Lunkenheimer hatten ihren Spaß: „Wir haben über Jugend Verbindet vom Angebot gehört.“ Sie spielen sonst auch bei dem von der Organisation ausgerichteten wöchentlichen Fußballtraining für Flüchtlinge und Godesberger mit.

Die Idee, Jugendliche nachts von der Straße in die Turnhallen zu bringen, ist nicht ganz neu. Angelika Mette, Leiterin des Jugendzentrums K7 in Pennenfeld, erinnerte sich noch gut an die Initiative „Basketball um Mitternacht“, die vor vielen Jahren unter anderem von den Telekom Baskets unterstützt worden war. „Das war echt klasse und sehr erfolgreich damals“, sagte Mette. „Es ist in Bad Godesberg auch am längsten gelaufen.“

Ob das mit dem neuen Projekt Mitternachtssport auch so sein wird, ist noch offen. „So ein Projekt wird sicher Zeit brauchen, um gut und regelmäßig angenommen zu werden“, meinte Kerstin Rüttgerodt vom Godesheim, das sich über das One World Café in das Projekt einbringt. „Die späte Uhrzeit macht es für Jugendliche gerade jetzt, wo es kälter wird, interessant, an einem solchen Projekt teilzunehmen“, meinte Laura Krebs vom Quartiersmanagement Pennenfeld. Das neue Angebot sei „eine tolle Idee.“

Mitternachtssport ist ein Angebot, das sich in den vergangenen Jahren bereits in Tannenbusch etabliert hat und nun auf Bad Godesberg und Beuel ausgeweitet wird. Das nächtliche Sportangebot, das in der Regel freitags von 22 bis 1 Uhr stattfindet, richtet sich an 16- bis 27-Jährige.

Fußball, Basketball, Boxen und Tanzen

Angeboten werden verschiedene Sportarten wie Fußball, Basketball, Boxen oder Tanzen. „Wir wollten eigentlich schon vor zwei Jahren mit dem Angebot in Bad Godesberg starten“, sagte Olaf Schwarz vom Stadtsportbund. „Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation kann sich das Angebot jetzt zu einem wichtigen Baustein für Jugendliche entwickeln.“ Es handele sich um ein offenes und kostenloses Angebot, bei dem in erster Linie der Spaß ohne Leistungsdruck im Vordergrund stehe. Die Jugendlichen sollen in die Organisation des Ganzen eingebunden werden.

Bereits im Vorfeld hatten alle Kooperationspartner kräftig die Werbetrommel gerührt: „Im Voraus haben wir natürlich unser Netzwerk benutzt, um deutsche Jugendliche und jugendliche Flüchtlinge zu motivieren, am Mitternachtssport teilzunehmen“, meinte Leon Wisskirchen von Jugend Verbindet.

„Dafür haben wir Werbung in Form von Flyern und Plakaten an unseren alten Schulen, in Schutzhäusern, Flüchtlingsheimen und unseren eigenen Veranstaltungen verteilt, die Flyer übrigens auch in arabischer Sprache.“ Da viele Mitglieder von Jugend Verbindet minderjährige Flüchtlinge seien, habe man sich auch um eine „sichere Hin- und Rückfahrt aus den verschiedenen Stadtteilen per Auto gekümmert“.