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Klinik am Kottenforst: Waldkrankenhaus in Schweinheim feiert 50. Geburtstag

Klinik am Kottenforst : Waldkrankenhaus in Schweinheim feiert 50. Geburtstag

Die Planung der Klinik gestaltete sich zäh: Als die Finanzierung schon stand, sprach sich die Landeskirche dagegen aus. Der Bau des Waldkrankenhauses in Schweinheim startet 1966 dann doch. 2007 wurde die Isolierstation modernisiert.

Es war eine schwere Geburt, bis das Waldkrankenhaus aus der Taufe gehoben werden konnte. Doch nach langen Diskussionen, mehrjähriger Planungs- und Bauphase wurde das Gebäude auf dem 34 000 Quadratmeter großen Grundstück an der Waldstraße, direkt am Kottenforst in Schweinheim gelegen, feierlich eröffnet. Und zwar vor 50 Jahren.

1926 hatte die evangelische Gemeinde Godesberg das 1887 gegründete Viktoriahospital übernommen. Bald jedoch stellte sich heraus, dass das Haus an der Beethovenallee in die Jahre gekommen war. Eine Modernisierung am damaligen Ort schien aussichtslos. Die Lösung: Ein Neubau sollte her. Doch was einfach klingt, entpuppte sich als Diskussionsmarathon. Denn das Projekt war in den fünf evangelischen Kirchengemeinden – Christus, Erlöser, Heiland, Johannes und Paulus – umstritten.

Die Kernfrage: Gehört der Neubau, der Unterhalt einer Klinik wirklich zu den Kernaufgaben einer Kirche? Nein, meinte die Landeskirche in Düsseldorf. Und dass auch noch zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Gemeinden einig waren und die Finanzierung bereits stand.

Isolierstation wird während Coronakrise rege genutzt

Damit wollte man sich in Bad Godesberg jedoch nicht zufrieden geben. Kurzerhand wandte sich der damalige Pfarrer Friedrich Bleek an den Präses. Sein Argument: „Wir gründen nichts Neues, wir führen etwas Bestehendes an einem anderen Ort fort.“ Er überzeugte. Und die Landeskirche gab grünes Licht.

Die Pläne stammen von dem Hamburger Architekten Hans H. Sieglitz, der den Auftrag 1962 erhielt, erzählt Eichler. 352 Betten sollte das neue Krankenhaus haben, auch eine Schwesternschule gab es. Neben sechs Fachabteilungen – darunter Chirurgie, Innere und Gynäkologie – wurde eine Isolierstation eingerichtet, die in Zeiten der Corona-Krise, rege genutzt wird. „Bad Godesberg hatte die meisten Botschaftssitze“, berichtet Krankenhauspfarrer Gunnar Horn. Deren Mitarbeiter hätten Kontakt in die ganze Welt gehabt, es schien nicht unwahrscheinlich, dass ein fremdes Virus den Weg nach Bonn finden würde.

1966 dann startete der Bau, 1967 war die Grundsteinlegung. Insgesamt wurden 21,5 Millionen D-Mark investiert – Zuschüsse des Landes, des Bundes, des Kreises Bonn-Land und der Stadt Bad Godesberg inklusive. Im Frühjahr 1970 begann der Betrieb, doch die Anfänge, so Eichler, waren schwer. Der Bau war noch nicht fertig, es fehlte an Personal, der Betrieb war finanziell nicht gesichert. „Der Chefarzt der Radiologie erzählte immer, dass er den ersten Patienten sicherheitshalber einem alteingesessenen Röntgeninstitut zuwies, da er nicht sicher war, ob aus den Steckdosen Wasser, aus den Wasserleitungen Strom und aus den Röntgenstrahlen Entwicklerlösungen fließen würden“, so Eichler.

Davon war in den Folgejahren und ist auch aktuell nichts mehr zu merken. Die Zahl der ambulanten Patienten steigt stetig. So wurden im vergangenen Jahr 13 083 Patienten vollstätionär behandelt, die ambulanten Fallzahlen lagen bei 31 322. Um den Parkdruck zu verringern, soll in Kürze ein Parkhaus auf dem Gelände entstehen. Doch zurück zum Beginn: In den ersten Jahren richteten  die Chefärzte von Chirurgie und Anästhesie ein Notarzt-System in Bonn ein, berichtet Horn. Es folgten unter anderem die Brandschutzsanierung, eine neue Intensivstation und die Einführung der Kurzzeitpflege. Außerdem wurden beispielsweise eine Strahlentherapie mit zwei Linearbeschleuniger etabliert und die HNO-Ambulanz erneuert.

2005 dann wurde das Hospiz eröffnet. Im selben Jahr fusionierten das Johanniter- und das Waldkrankenhaus, die HNO-Abteilung kam nach Schweinheim, im Gegenzug ging die Gynäkologie ins Johanniterviertel. Und: 2007, nach der Krise rund um das Sars-Virus, wurde die Isolierstation für 1,2 Millionen Euro aus Landesmitteln modernisiert. „Sars-Patienten gab es hier allerdings keine“, so Pflegedirektorin Ute Pocha. Dafür aber kommt die moderne Ausstattung nun den Corona-Patienten zugute.