Kleines Theater in Bad Godesberg: Wahrscheinliches Aus erschüttert lokales Selbstverständnis

Kleines Theater in Bad Godesberg : Wahrscheinliches Aus erschüttert lokales Selbstverständnis

Was wird aus dem Kleinen Theater, wenn die Stadtverwaltung - wie von ihr vorgeschlagen - auch noch die verbliebenen, seit 1993 gekürzten Zuschüsse in Höhe von 80.000 Euro jährlich auf Null zurückfährt?

Die Sorgen um die liebenswerte Spielstätte, in der bis 1969 der Bad Godesberger Bürgermeister residierte, sind allenthalben groß. Und das, während es beispielsweise in Gestalt von Kammerspielen, Kurfürstenbad oder dem Freibad Friesdorf noch ganz andere Felsen in der Godesberger Brandung gibt, die von der nächsten Bonner Sparwelle hinweggespült zu werden drohen.

Angesichts dieser Gemengelage kommt dem Kleinen Theater beinahe ein Symbolwert zu, nach dem Motto: Welchen Stellenwert genießt der südliche Stadtbezirk im Verwaltungsvorstand, wenn dieser auch vor dem "Tropfen" von 80 000 Euro auf den "heißen Stein" nicht zurückscheut, um Bad Godesberg zur "kulturfreien Zone" zu machen.

Ganz so simpel ist die Sache jedoch nicht: Seit Jahren ist die Existenz des Theaters mit seinen 17 angestellten Mitarbeitern gefährdet. Das im Eigentum der Stadt befindliche Gebäude ist sichtlich marode; die jährliche Pacht liegt seit Vertragsbeginn vor beinahe 50 Jahren bei einem eher symbolischen Betrag, während als Gegenleistung einstmals handwerkliche Eigenleistungen des Theaters vereinbart wurden; und: Der Mietvertrag mit Intendant Walter Ullrich, der mit über 80 Jahren immer noch auf der Bühne steht, endet in fünf Jahren, sodass die Frage nach der Zukunft ohnehin im Raume steht.

Auf dem "freien Markt", so hat die Stadt einmal errechnet, ließe sich mit einem Gebäude dieser Art eine Miete von rund 30 000 Euro erzielen. Die Frage wäre: Fände sich überhaupt ein Nachfolger, der das Theater als solches weiterführen wollte? In Anbetracht der attraktiven Lage könnte der Stadt ein Verkauf der früheren Bürgermeistervilla da beinahe schon attraktiver erscheinen. Und mit dem Verkauf alter Godesberger Liegenschaften hat man im Stadthaus in den vergangenen Jahren bekanntlich schon Erfahrung gesammelt.

Trotz allem: Noch ist nichts entschieden. Und Schauspieler Walter Ullrich gibt sich kämpferisch: "Wenn die 80 000 Euro weg sind", sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung, "bin ich auch weg". Er könne sich "nicht vorstellen, dass in Bonn nur noch Beethoven gespielt wird". In der Bad Godesberger Politik greift derweil offenbar zunehmend (und einmütig) die Frage um sich, wie man es mit den Vorstößen aus dem Stadthaus generell halten soll. Eine Momentaufnahme aus diesen Tagen.

CDU

"Wer die städtischen Zuschüsse und die Vermietung des Gebäudes an das Kleine Theater zur Disposition stellt, muss zunächst ein nachhaltiges Gesamtkonzept vorweisen, das die kulturelle Substanz Bad Godesbergs erhält und dabei die nächsten Jahrzehnte in den Blick nimmt", sagt Philipp Lerch, Fraktionsvorsitzender der CDU in der Bezirksvertretung, und nennt Fragen, die sich zwangsläufig stellten: "Wie würde das Genre 'Boulevard-Komödie, Operette und Musical' dauerhaft gesichert? Könnte das Angebot des Kleinen Theaters langfristig etwa in die Kammerspiele überführt werden und dort einen Beitrag zur Auslastung leisten? Was geschähe, für den Fall einer Verlagerung, mit der historischen Spielstätte im Kurpark?"

SPD

"Die Beliebtheit eines solchen Theaters, wie es das Kleine Theater ist, steht und fällt mit dem Intendanten. Die Verwaltung schlägt vor, die Zuschüsse nach dem Auslaufen des Vertrages zu streichen. Ein kluger Vorschlag, vor allem, wenn wir uns alle an einen Tisch setzen, um zu diskutieren, wie mit dem kulturellen Pfund Bad Godesbergs in der Zukunft gewuchert werden kann."

Grüne

"Ich hätte mir vom Oberbürgermeister natürlich an der einen oder anderen Stelle seiner Sparvorschläge zumindest das Aufzeigen von Perspektiven und Alternativlösungen gewünscht", sagt Andreas Falkowski von den Grünen. Mit Blick auf das Kleine Theater als "Institution" sei ihm wichtig, "dass die Verwaltung sich zusammen mit dem jetzigen Direktor aber auch in Vorbereitung auf dessen irgendwann anstehenden Ruhestand mit einem Nachfolger über Möglichkeiten der Reduzierung der Zuschüsse Gedanken macht und Vorschläge unterbreitet, die nicht die Schließung, sondern die Möglichkeiten für einen Weiterbetrieb mit reduzierten Zuschüssen aufzeigen".

Bürger Bund Bonn

Der BBB werde sich dafür einsetzen, dass das Kleine Theater bis zu seiner Schließung die bisherigen Fördermittel in Höhe von 80 000 Euro weiter erhält, kündigt BBB-Fraktionschef Marcel Schmitt an. Mit der Schließung des Kleinen Theaters und der Kammerspiele drohe Bad Godesberg nunmehr der "kulturelle Ausverkauf". Schmitt: "Wir wollen nicht, dass Bad Godesberg zum Aschenputtel von Bonn wird und fordern den Rat auf, sich zu Godesberg und seiner Infrastruktur vorbehaltlos zu bekennen."

FDP

Vom Aschenputtel zur bösen Stiefmutter ist es nicht weit. Als solche sieht FDP-Chef Ulrich Hauschild die Stadt Bonn an, wenn es um Bad Godesberg geht. "Wenn Bad Godesberg auf diese Weise seiner kulturellen Identität beraubt wird, werden die Kritiker der Eingemeindung von 1969 posthum Recht behalten: Die Godesberg sind das Stiefkind der Bonner, und das seit Jahrzehnten."

Die Linke

"Bonn ist eine polyzentrische Stadt. Deshalb benötigen wir Institutionen vor Ort, die sie lebendig halten", sagt Ralf Jochen Ehresmann von der Linken. Den Streichvorschlag in Bezug auf das Kleine Theater hält er für "den Dümmsten der ganzen Sparliste, denn für das auf diese Weise gesparte Geld lassen sich gerade einmal einige Schlaglöcher stopfen".

Die Godesberger

Und Juppi Schaefer sagt: "Die Eingemeindung nach Bonn war das Schlimmste, was Godesberg passieren konnte. Die Oper Bonn wird mit 250 Euro pro verkauftem Ticket subventioniert, das Kleine Theater mit fünf Euro. Schließt die Oper, dann ist alles andere gerettet."