Veronika Bente ist Maskenbildnerin in Malentes Theater Palast

Serie Die andere Perspektive : Als Maskenbildnerin in Godesberg bei den Malentes

Veronika Bente löste ihre Sparverträge auf, um sich in Berlin zur Maskenbildnerin ausbilden zu lassen. Seit sechs Jahren arbeitet sie für Malentes Theater Palast und damit Knut Vanmarcke und Dirk Voßberg-Vanmarcke.

Der erste Kontakt zum späteren Traumjob war bei Veronika Bente zwar früh, aber wenig erfolgversprechend. Im Kindergarten schnitt sie ihrer Freundin akkurat die Haare. „Ich habe den Ärger meines Lebens bekommen“, erinnert sich die 28-Jährige. Mittlerweile darf die Maskenbildnerin ihre Mitmenschen ganz offiziell verändern.

Auch wenn die Wuppertalerin mit 14 nicht ihr späteres Engagement in Malentes Theater Palast in Bad Godesberg vorhersehen konnte: Der Berufswunsch stand seitdem. „Ich habe damals einen Roman zu dem Thema gelesen, und die Mischung aus Make-up, Masken bauen, frisieren und modellieren hat mich fasziniert.“ Bente beließ es nicht bei der Faszination, sondern kümmerte sich um einen Ausbildungsplatz an der Maskenbildnerschule Hasso von Hugo in Berlin. „Ich habe für die Gebühren sämtliche Sparverträge auf den Kopf gehauen“, erzählt sie. Zu Anfang rächte sich etwas, dass sie nie Make-up-verrückt gewesen war; im Kursus „Schön schminken“ kannte sie die Hälfte der Materialien nicht. Das hat sich mehr als geändert.

Für die Travestierevue „Divas“ eignete sie sich mal eben so über Videos das Drag-Make-up an; also die Kunst, Männer in Frauen zu verwandeln. Und gesteht sympathisch: „Während der Shows habe ich jeden Tag dazugelernt.“ Seit sechs Jahren arbeitet Bente für Knut Vanmarcke und Dirk Voßberg- Vanmarcke. Bevor sich die „Familie Malente“ 2018 im Stadtteil Hochkreuz niederließ, war die Maskenbildnerin Teil des Tourneetheaters. „Ich hab in 200 Hotels geschlafen, aber die Erfahrungen unterwegs hätte ich an keinem anderen Theater in so kurzer Zeit sammeln können“, nennt sie beide Seiten der Medaille.

Sesshaft ist sie allerdings auch jetzt nicht, pendelt an jedem der fünf Vorstellungstage in der Woche zwischen Wuppertal und Bad Godesberg. „Ich suche noch nach einer Wohnung“, fügt sie, die alle Autobahnbaustellen kennt, hinzu. Einziger Vorteil: Sie fährt antizyklisch. Wenn sie gegen 15.30 Uhr die Tür zum Theater Palast öffnet, stellt sie zunächst die Waschmaschine an. Dann heißt es fast zwei Stunden Perücken auffrisieren, waschen und Lockenwickler eindrehen. An einem Staatstheater, so die 28-Jährige, wäre das alles nicht ihre Aufgabe.

Ausmachen tut’s ihr trotzdem nichts. Im Gegenteil, für die 80er-Jahre-Show „99 Luftballons“, die noch bis Sonntag gespielt wird, ist sie Herrin über 37 Perücken für sechs Darsteller. Am Anfang hatte sie ihre Probleme mit dem Kunst- im Vergleich zum Echthaar, inzwischen schätzt sie die Vorteile: „Die sind einfach belastbarer.“ Jede Perücke sitzt auf einem Styroporkopf vor ihrem Arbeitsraum. Der ist eher praktisch als stylisch, vor allem aber klein. Bente teilt sich ihr Reich noch mit Waschmaschine und Trockner. Sie ist trotzdem froh, denn: „Ich hab endlich einen Aufbewahrungsschrank.“ Jede der vielen Türen ist beschriftet, auf einer steht „Notfall“. Dahinter verbergen sich neben Medizin und Pflaster auch Süßigkeiten.

Ab 18 Uhr kommen im 20-Minuten-Takt die Schauspieler und nehmen auf dem Stuhl vor dem großen Spiegel Platz. Der Stress ist der Routine gewichen, der Ablaufplan hängt eher pro forma hinter ihr. Zunächst kommen mittels Schneckelband und Perückenstrumpf die Haare aus dem Gesicht. „Danach sind die Augen dran, erst dann der Teint, damit nichts vom Auge herunterbröckelt“, so die Wuppertalerin, deren Ausbildung drei Jahre gedauert hat und alle Techniken von der Antike bis heute beinhaltete. Eines übrigens mag sie nicht: Lippen. „Die muss sich bis auf den Chef jeder selbst schminken, da ich auf absolute Exaktheit stehe, es für mich aber nur schief werden kann“, meint sie mit einem Schmunzeln. Arbeitsende ist nicht vor 23.30 Uhr, es brauche Liebe für den Beruf und einen toleranten Freundeskreis. Das Theater an der B9 hat es ihr angetan und verlassen würde sie es – temporär – nur für eine Sache: „Bei einem große Historienfilm könnte ich schwach werden.“

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