Kunstprojekt am Nippenkreuz: Triste Wohnsiedlung wird bunter

Kunstprojekt am Nippenkreuz : Triste Wohnsiedlung wird bunter

Es war ein Ausflug in eine für sie sicher fremde Welt, dieses mehrwöchige Projekt von zehn Studenten der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft zum Wohngebiet am Nippenkreuz.

"Wir haben es 'Farben machen froh' genannt. Aber letztlich machten uns die Begegnungen froh", erzählt Jurek Völkel, einer der Studenten aus den Fachbereichen Pädagogik, Malerei, Bildhauerei und Betriebswirtschaftslehre.

Interdisziplinär wollten sich die jungen Leute der Realität nähern. "Und da hat uns die Vebowag die tristen Wohnhäuser an der Mainzer Straße 58 vorgeschlagen", erzählt Völkel. Drei Wochen lang schauten die Studenten immer wieder auf dem für sie anfangs verkommen wirkenden Gelände vorbei. Man wurde sich einig, dass sie die verrosteten Wäschestangen und Kellergeländer farblich gestalten durften. Knauber stellte für 500 Euro die Materialien zur Verfügung.

Und dann schleiften die Studenten rund 35 Stangen und alle Geländer ab und grundierten sie. Misstrauisch, aber neugierig schauten die Bewohner zu und gaben schlaue Ratschläge. "Die Leute haben uns lange schräg angeguckt", sagt der Student lachend.

Nach und nach aber tauten dann doch einige Anwohner auf, besonders als diese seltsamen Studenten sich auch im nahen Stadtteilcafé des Vereins für Gefährdetenhilfe sehen ließen und über die dortigen Sozialarbeiter Kontakte schlossen. Am Samstag, als die Studenten schließlich mit Farben und Pinsel zu einem vollen Projekttag anrückten, platzte endlich der Knoten.

"Einige Bewohner wurden richtig zutraulich. Die haben gemerkt, dass etwas für sie passieren sollte", so Völkel. Plötzlich wurden sie ins Vertrauen gezogen: von der suchtkranken Frau, die schon seit Jahren nicht von harten Drogen loskommt, vom psychisch Kranken, der sein Leben nicht in den Griff bekommt. Und das Tollste sei gewesen: Die Bewohner hätten auf einmal mit angepackt, hätten ihre eigene Wohnumgebung verschönert. "Rührend war die 92-Jährige aus Schlesien, die für unsere Aktion den Kelleraufgang putzte und so wunderbar aus ihrem Leben erzählen konnte", sagt der Student.

Schließlich diskutierten Studenten und Bewohner über die Resultate. "Eine Dame meinte, die von blau zu grün übergehende Wäschestange heiße ab jetzt Meeresrauschen und die gelb-rote Sonnenaufgang", so Völkel.

Aber nicht nur die Bewohner hätten von der Aktion profitiert. Auch sie selbst seien mit dem "prallen Leben" konfrontiert worden. "Für uns zukünftige Betriebswirte ist es wichtig zu wissen, dass es im Leben nicht nur ums Geldverdienen geht."

Mehr von GA BONN