Taubenhaus Bad Godesberg: Tauben mögen ihr neues Domizil

Taubenhaus Bad Godesberg : Tauben mögen ihr neues Domizil

Der Schwarm vom Theaterplatz ist zum größten Teil in das neu gebaute Taubenhaus umgezogen. Die Geschäftsleute bestätigen, dass sie dadurch tatsächlich weniger Probleme mit den Vögeln haben.

Michael Bongard ist einer der wenigen Menschen, der die Tauben hinter den Kammerspielen anlocken kann. "Kommen Fremde, fliegen sie sofort weg", sagt er, während er Federn und Kot im Taubenhaus zusammenfegt. Bongard ist einer der ehrenamtlichen Helfer, die das Godesberger Taubenhaus seit etwa zwei Jahren pflegen. Und das Konzept funktioniert.

"Ich habe mit den Geschäftsleuten gesprochen, die meisten sagen, dass sie nicht mehr so viele Probleme mit den Vögeln haben", sagt Rosemarie Dolatshahi, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Stadttauben. Mittlerweile haben mehr als hundert Tauben ein neues Zuhause in dem etwa fünf mal zwei Meter großen Verschlag gefunden.

Je nach Jahreszeit und Temperatur schwanken die Zahlen allerdings. Vor allem im Winter werden viele Tauben von den Greifvögeln, die im benachbarten Kurpark nisten, erbeutet. "Sie sind ihr natürlicher Feind, vor allem im Winter, wenn es weniger andere Kleintiere zu fressen gibt", sagt Dolatshahi.

Zu Beginn mussten die Tauben erst einmal geködert werden. Dolatshahi legte über Monate hinweg ein Spur aus Körnern, immer ein Stück näher zum neuen Nistplatz. Zusätzlich setzen sie Jungtauben in den Schlag. "Sie piepsen besonders laut, die älteren Tiere folgen den Geräuschen."

Da nun fast der komplette Schwarm des Theaterplatzes umgezogen ist, locken sich die Tauben gegenseitig an. Der neue Standort sei gut angenommen worden. Nur noch vereinzelte Tiere, die beispielsweise an der Koblenzer Straße ihre Nester haben, müssen noch folgen. "Das Einzugsgebiet des Taubenhauses ist etwa ein Radius von 200 Metern", erklärt Dolatshahi. Deshalb müsse eigentlich, um auch die Vögel am Moltkeplatz zu erreichen, eine zweite Einrichtung her.

Die AG sammelt immer wieder Tiere ein und setzt sie in kleine Käfige im Taubenhaus. Dort bleiben sie für einige Tage, bis sie sich eingelebt haben. "Würden wir den Draht vorher aufmachen, würden sie sofort wegfliegen", sagt Michael Bongard. Ist eine Taube verletzt, wird sie gesund gepflegt. Etwa alle zwei Tage entfernen die Helfer den Dreck, den die Vögel hinterlassen. "Auch daran kann man den Erfolg messen. Was wir wegmachen, landet nicht in der City", so Dolatshahi. Und das ist eine Menge. Jedes Mal kommt etwa ein halber blauer Müllsack zusammen, den Bonnorange mitnimmt. Auch Futter und Wasser bezahlt die Stadt.

Dass sich die Tauben in der City wohlfühlen, liegt laut Dolatshahi an ihrer Verwandtschaft zu den Felstauben. Sie brauchen einen ebenen Untergrund, um ihre Nester bauen zu können. Häuserecken und Nischen sind optimal. "Abwehrmaßnahmen wie Drähte bringen da nichts, denn die Tiere ziehen einfach zum nächsten Haus weiter", sagt Dolatshahi. Effektiv und zugleich tierfreundlich ist dagegen das Konzept, das die AG verfolgt. Sie tauschen die Taubeneier, die im Schlag liegen, gegen Plastikattrappen aus. So kann die Population kontrolliert werden.