Zwischen Oberdollendorf und Bad Godesberg: Stefan Zinke steuert die Rheinfähre Konrad Adenauer

Zwischen Oberdollendorf und Bad Godesberg : Stefan Zinke steuert die Rheinfähre Konrad Adenauer

Stefan Zinke steuert seit sechseinhalb Jahren die Fähre Konrad Adenauer über den Rhein. Auch wenn der 28-Jährige schon lange das Rheinland seine Heimat nennt, so stammt er aus Friedrichsfeld im Kreis Wesel.

Die Ruderer, die seinen Weg kreuzen wollen, behält Stefan Zinke gut im Auge. "Das ist immer heikel, die fahren sich auch gerne hier was zurecht", kommentiert der Fährführer, der die Konrad Adenauer zwischen Bad Godesberg und Oberdollendorf hin und her schippert. Das macht er seit sechseinhalb Jahren, passiert ist seitdem "zum Glück noch nichts mit den Rudersportlern". Die müssten sich unterordnen, sagt er.

Wer die Rheinfähre nutzt, bekommt von Kapitän Zinke und seinen Kollegen kaum etwas mit. Man weiß, die Leute, die die Fähre steuern, sitzen "da oben" in ihren Häuschen, die durch Sonnenschutzfolien abgedunkelt sind. Das gilt ebenso für Zinke: Ihn bekommt man nur dann zu sehen, wenn er mal als Kassierer arbeitet.

Auch wenn der 28-Jährige schon lange das Rheinland seine Heimat nennt, so stammt er aus Friedrichsfeld im Kreis Wesel. Das ist deutlich zu hören. Dort, im Norden, hat er seine Ausbildung gemacht. Als er mit dieser anfing, "wollte ich eigentlich auf dem Schiff fahren". Nach der dreijährigen Lehre dann wurde dieser Wunsch erfüllt, er bekam eine Stelle auf einem Tankschiff, wechselte aber nach zwei Jahren. Die Schichtarbeit, 14 Tage lang auch in der Freizeit auf dem Arbeitsplatz sein, das sei ihm zu stressig gewesen. Und dann der oft lange Heimweg. Schließlich muss man von dort aus nach Hause fahren, wo das Schiff gerade ist - egal ob in Holland oder Bayern. Deshalb, so Zinke, nutzten seine Kollegen und er beim Schichtwechsel häufig einen Mietwagen.

Auf der Fähre hat der 28-Jährige eine geregelte Arbeit, der Weg nach Hause ins Drachenfelser Ländchen "ist akzeptabel". Wohl auch deshalb sieht er sich auch in sechseinhalb Jahren noch da, wo er jetzt ist. "Momentan bin ich hier glücklich." Und er habe ja außerdem eine schöne Aussicht, sagt Zinke, während draußen vor dem Fenster der Drachenfels in der Vormittagssonne erstrahlt.

Es sei zwar immer die gleiche Strecke, aber auch das, so berichtet der 28-Jährige, biete Herausforderungen. "Hier muss man sich sehr konzentrieren, weil man viel anlegen und ablegen muss. Das ist sehr anspruchsvoll", erklärt Zinke. Er habe auch schon mal mit der Landeklappe eine Mauer touchiert, weitere Havarien habe es aber noch nicht gegeben.

Darüber hinaus muss der Fährführer den Längsverkehr im Blick halten und die Lücke finden, um auf die andere Rheinseite zu fahren. Dafür ist die Fähre mit modernem Radargerät ausgestattet, das die Schiffe, ihre Geschwindigkeit und Fahrtrichtung anzeigt. Außerdem hört Zinke den Funkverkehr der anderen Kapitäne mit. Und er wartet "seine" Fähre selbst, inklusive der drei Antriebsmaschinen, die die Wendigkeit des Schiffes gewährleisten und es sicher an Land bringen, wenn mal eine ausfällt. Muss die Konrad Adenauer auf die Lux-Werften, die die Rheinfähren hier und in Mondorf betreiben, geht Zinke oft mit.

Die Fähre ist alt, sie wurde 1967 eingeweiht. "Sie ist schon im Bau gewesen, dann ist Konrad Adenauer verstorben. Und dann hat die Tochter die Fähre hier getauft." Die Fährverbindung hatte der damalige Kanzler selbst eingerichtet.

In der Regel sind die Arbeitstage des Kapitäns entspannt, meist werden "normale" Autos, Radler und Fußgänger transportiert. Alle zwei oder drei Monate ist eine Hochzeitsgesellschaft an Bord, sagt Zinke. "Dann macht man schon mal eine 360-Grad-Drehung, da freuen sich natürlich die Leute." In Hauptverkehrszeiten erlebe er öfters, dass sich Auto- und Fahrradfahrer ins Gehege kommen. "Wenn richtig Hochbetrieb ist, wollen die Radfahrer natürlich als erstes runter von der Fähre und nehmen keine Rücksicht. Die Autofahrer stehen dann da, die kommen auch nicht vorwärts." Eigentlich hätten sie Vorfahrt, weil sie schneller weg sind.

Sorgen um seinen Job macht er sich nicht: Die Fährverbindungen seien mit Blick auf den ständig zunehmenden Autoverkehr eigentlich unverzichtbar als Alternative zu den überfüllten Brücken. Und vor allem im Sommer genießen auch Oldtimerclubs und Bikergruppen diese Möglichkeit, entspannt über den Rhein zu kommen.

Die Serie: "Die andere Perspektive" stellt in lockerer Reihe Menschen vor, an die man bei einem Thema nicht direkt denkt. Also etwa bei Leihrädern an den, der sie überprüft und wieder einsammelt. Oder beim Eis an den, der es herstellt. Und hinter einem siegreichen Pferd steckt meist nicht nur ein trainierter Reiter, sondern auch ein guter Pfleger. Ohne Küster hingegen liefe in einer Kirche nicht viel.