Ehemaliges Streitkräfteamt: Staubtuch wirbelt Staub auf

Ehemaliges Streitkräfteamt : Staubtuch wirbelt Staub auf

Ein kleines Staubtuch wirbelt zurzeit in der Nachbarschaft des ehemaligen Streitkräfteamtes einigen Staub auf. Das Abrissunternehmen wollte mit einem Präsent die Anwohner milde stimmen. Doch sie scheint das Gegenteil bewirkt zu haben.

"Wir sind bemüht, etwaige mit dem Abbruch verbundene Beeinträchtigungen auf ein Mindestmaß zu beschränken. Sofern doch einmal “Staub aufgewirbelt„ werden sollte, so betrachten Sie unser Staubtuch als ein Zeichen unseres guten Willens." Es ist vor allem dieser eine Satz, der bei einer Reihe von Anwohnern des ehemaligen Streitkräfteamtes jetzt die Frage aufwarf, ob sie darüber lachen oder weinen sollen.

Verfasst hat den Brief, dem ein Staubtuch beigelegt war, mit der charmanten Passage die Fachfirma Frauenrath mit Sitz in Heinsberg, die in diesen Tagen mit Entkernung und Abriss des Bürokomplexes an der Deutschherrenstraße beginnen will. "Nach all den heftigen und ernsthaften Diskussionen der vergangenen Jahre fühle ich mich mit solch einer Aktion ehrlich veräppelt", sagte am Mittwoch ein Nachbar des Geländes, auf dem bekanntlich das derzeit größte Neubaugebiet des Stadtbezirks Bad Godesberg entstehen wird. Wie berichtet, hatten Anwohner vor allem gegen den Umfang des Projekts Einwände geltend gemacht; seit der Genehmigung des Vorhabens kaprizierte sich die Debatte zuletzt dann auf die Vorgehensweise beim Abriss der alten Bürogebäude.

"Das Tuch sollte eine nette, symbolische Geste sein, die wir uns vor einiger Zeit überlegt hatten", sagt Ralf Brune, der den Auftrag in Bad Godesberg betreut. Dort jemanden zu "veralbern" sei zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt gewesen. "Es war nett gemeint", so Brune. Tatsache sei aber: "Man kann einen solchen Abbruch nicht ohne jedwede Beeinträchtigung für die Umgebung erledigen. Wir werden aber unser bestes geben, um die Belästigung der Nachbarschaft so gering wie möglich zu halten. Das wollten wir auch mit dem Tuch dokumentieren", so Brune.

Auf Seiten der Politik muss er damit offenbar noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten: "Wenn man bei der Abbruchfirma schon mit einer solchen Staubentwicklung beim Innenabriss rechnet, dass man an die Anwohner Staubtücher verteilt, fragen wir uns, wie die Nachbarschaft vor einer möglichen Schadstoffexposition, etwa durch Asbest, geschützt werden soll", wirft Ratsmitglied Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn ein. Er kündigt für die nächste Sitzung der Bezirksvertretung eine Reihe von Fragen zu Abriss und Neubau der "Siebengebirgsterrassen" an, welche die Stadtverwaltung beantworten soll.

So interessiert den Bürger Bund beispielsweise, ob beim Abbruch eine Schredderanlage zum Einsatz kommen, wie der Baustellenverkehr geführt werden und wie Kinder der benachbarten Schule vor Emissionen geschützt werden sollen. Als Ansprechpartner vor Ort dient den Anliegern übrigens ein alter Godesberger Bekannter: Der frühere Leiter der Bezirksverwaltungsstelle, Aloys von der Kall, bietet dienstags von 10 bis 11 Uhr eine Sprechstunde vor Ort an.