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Bäderdebatte: Stadtrat beschließt: Kurfürstenbad bleibt offen

Bäderdebatte : Stadtrat beschließt: Kurfürstenbad bleibt offen

Die bisher wohl schwerste Niederlage der Ratsperiode hat die Spitze der CDU/Grünen-Ratskoalition am Donnerstagabend im Stadtrat einstecken müssen. Ihr Antrag, als Konsequenz der Bäder-Umfrage auf lange Sicht das Kurfürstenbad in Bad Godesberg zu schließen, fand keine Mehrheit, weil die sieben CDU-Stadtverordneten aus Bad Godesberg die Gefolgschaft verweigerten.

Damit war die Ratsmehrheit futsch, weil auch alle anderen Fraktionen in seltener Einigkeit gegen die Schließungspläne stimmten und einige sich sogar schadenfroh über die Koalitionspleite äußerten. Am Ende waren es sogar einige CDU-Stadtverordnete mehr als die Sieben aus Godesberg, die gegen ihre eigene Fraktion stimmten und damit die Zerrissenheit der Union in dieser Frage deutlich machten.

Als es nach einer fast zweistündigen Diskussion über die Zukunft der Bonner Bäder ernst wurde und die Arme nach oben gingen (oder auch nicht), stand die Ratsmehrheit plötzlich, aber nicht ganz unerwartet mit leeren Händen da.

Allerdings bekam sie zumindest ihre Forderung durch, umgehend mit der Sanierung des Frankenbades und anschließend mit der Sanierung des Hardtbergbades zu beginnen. Auch bekräftige der Rat, dass alle Freibäder erhalten bleiben. Die Anträge, das Frankenbad zu schließen (FDP), ein neues Bad zu bauen (Linke) und alle Bäder in eine GmbH auszulagern (SPD), fanden allesamt keine Mehrheit.

In Sachen Kurfürstenbad ging ein Riss durch die Ratsmehrheit. Während Willi Härling (CDU) mahnte, das Ergebnis der Bürgerbefragung solle man nun auch umsetzen und das Kurfürstenbad schließen („ich kann den Godesbergern nur empfehlen, mal öfter in dieses Bad zu gehen, denn dort sind nur 19 Badegäste pro Stunde“), meinte Benedikt Hauser (CDU): „Godesberg als Gesundheitsstandort ausbauen zu wollen und dann das Kurfürstenbad zu schließen, ist absurd und kann nicht akzeptiert werden.“

Die Zwischenfrage von Michael Faber (Linke), warum er denn vorher dem Verfahren zugestimmt hatte, konterte Hauser: „Ich wollte wissen, was die Bürger wollen, bin aber von eindeutigeren Ergebnissen ausgegangen.“

Auch die zuletzt ausgehandelte Kompromissformel, das Kurfürstenbad bekomme noch jahrelange Schonfrist, bis die anderen beiden Hallenbäder schließlich saniert und aufgehübscht sind, verfing bei den sieben CDU-„Rebellen“ nicht: Sie brachten einen eigenen Antrag ein, der sagt: „Das Kurfürstenbad wird auf Dauer erhalten.“ Und die Mehrheit bekam.

Diese konsequente Haltung pro Godesberg war bei den Grünen nicht angesagt: Sie votierten aus gesamtstädtischen Gründen geschlossen für die Schließung. „Das Ergebnis ist an Eindeutigkeit nicht wegzudiskutieren“, sagte Rolf Beu. Außerdem habe er einen Eid zum Wohle der Stadt geleistet, nicht zum Wohle eines Stadtbezirks.

Das brachte Bad Godesbergs Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann auf die Palme. Sie sagte, sie sei stolz darauf, wie Godesberg in den letzten Tagen zusammenstand.

Über den Triumph ihrer „Rebellen“ konnte sie sich nicht richtig freuen, sagte sie nach der Abstimmung. „Ich fühle mich jetzt wie Lukas Podolski, wenn er mit Bayern ein Tor gegen Köln schießt“, meinte sie. Auf eine kurze Formel brachte Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch das Abstimmungsergebnis: „Et bliev wie et is“, kommentierte er.

Bürger waren bereit, sich für ein Bad zu entscheiden

Das Ergebnis der repräsentativen Bäder-Umfrage, bei der im Juni 2510 Bonner befragt wurden: 44,7 Prozent sind dafür, alle Bonner Hallenbäder im Bestand zu erhalten und dafür einen um bis zu 2,10 Euro erhöhten Eintritt zu zahlen. 51,7 Prozent sprachen sich jedoch dafür aus, stattdessen ein Bad zu schließen und die anderen zu sanieren.

"Unter statistischen Gesichtspunkten gab es also eine eindeutige Mehrheit für das Veränderungsmodell, weil beide Zahlen meilenweit auseinander liegen", bewertet Professor Georg Rudinger (Umfragezentrum Bonn). 27,5 Prozent der Befragten votierten dafür, das Kurfürstenbad zu schließen. Nur 15 Prozent wollten nicht sagen, welches Bad es treffen soll. Rudinger: "Die Leute waren sehr geneigt, Angaben zu machen, welches Bad zumachen soll." Selbst vor der Schließung ihres eigenen Stadtteilbades hätten viele Befragte nicht zurückgeschreckt.