Sanierungsstau: Stadt will Villa im Godesberger Kurpark verkaufen

Sanierungsstau : Stadt will Villa im Godesberger Kurpark verkaufen

Seit mehr als 30 Jahren herrscht in der Villa am Tennisclub Grün-Weiss im Kurpark Sanierungsstau. Von vier Wohnungen ist nur noch eine bewohnt, in der Remise nebenan breitet sich Schimmel aus. Nun plant die Stadt, das Haus an einen Investor zu verkaufen.

Doch einige Politiker haben Bedenken, sodass das Thema im nichtöffentlichen Teil des Wirtschaftsausschusses vertagt wurde. Es gibt offenbar die Befürchtung, dass das marode Gebäude mit der Adresse Koblenzer Straße 76, in dem sich auch das Lokal Taverna Latina befindet, zu billig abgegeben wird. Denn der Kaufpreis beträgt, wie der GA erfuhr, für das 1500 Quadratmeter große Grundstück samt Villa rund 580 000 Euro, was dem Vernehmen nach rund 100.000 Euro unter dem Verkehrswert liegen soll. Nach der Vertagung hat nun der Stadtrat zu entscheiden. Er tagt Ende Januar. Es ist allerdings möglich, dass auch er das Thema noch einmal vertagt.

Der Tennisclub unterhält in der Villa zwei Büros, es gibt Umkleideräume und Duschen, erklärt der Vorsitzende Albrecht Piltz. In den beiden Obergeschossen gebe es je zwei Wohnungen. Nur eine sei bewohnt, nämlich die des Platzwarts. „Sie sind aus baurechtlichen Gründen nicht bezogen“, sagt Piltz, und damit auch sanierungsbedürftig. Die Remise bestehe aus einer Garage, in der sich auch die Tennisschule befinde. „Die ist völlig abrissreif“, sagt Piltz.

„Im Rahmen des Verkaufs soll der Standort des Tennisclubs gesichert und gestärkt werden“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Dessen Grundstücksflächen mit den acht Außenplätzen und der Traglufthalle (zwei Plätze) bleibe im Eigentum der Stadt „und sollen auch langfristig an den Verein verpachtet bleiben“, heißt es. Laut Piltz reicht der Vertrag erst einmal bis 2025 – mit Option auf eine Verlängerung. Der 1900 gegründete Verein hat 600 Mitglieder, die Hälfte davon Kinder.

Wohnungen sollen bezugsfähig werden

Der Club hat ein Interesse daran, dass der Investor bei seiner Sanierung die Sportler miteinbezieht, denn er möchte die benachbarte Villa auch künftig mitnutzen. Die Wohnungen sollten wieder bezugsfähig werden und die Gaststätte erhalten bleiben. „Wir machen auf jeden Fall im nächsten Jahr weiter“, sagt Taverna-Pächter Marcelo Humeres, der erst mal in Urlaub geht und sein Restaurant Anfang Februar wieder öffnet. Sein Vertrag habe sich gerade wieder um zwei Jahre verlängert.

Das Lokal ist auch bei Gästen beliebt, die nicht Tennis spielen – vor allem an den Abenden mit Livemusik. Die sind auch im kommenden Jahr wieder fest geplant. Piltz erhofft sich, dass nach der Sanierung, die eine Menge Geld kosten werde, das Angebot in der Villa noch ein wenig attraktiver wird.

„Für mich ist das eine indirekte Sportförderung“, sagt Monika Heinzel von den Grünen, die Villa werde unter Wert verkauft. „Das kann die Stadt nicht machen.“ Der Verkauf sei in der Ratskoalition noch nicht ausdiskutiert worden. „Wir werden die Verwaltungsvorlage gewissenhaft prüfen und intensiv beraten“, betont Philipp Lerch (CDU). „Der Erlös, aber nicht nur der finanzielle, muss stimmen. Im Mittelpunkt steht für uns ebenso die langfristige Weiternutzung des Areals im Sinne Bad Godesbergs.“

Für Bärbel Richter (SPD) kam die Sache etwas plötzlich auf den Tisch: „Ich verstehe, dass man da noch mal nachhakt. Man muss auch schauen, welche Auswirkungen das auf den Kurpark hat.“ Sie meint dabei zum Beispiel den angedachten Neubau der Remise.