Brunnenwasser: Stadt will Draitschquelle in Bad Godesberg schließen

Brunnenwasser : Stadt will Draitschquelle in Bad Godesberg schließen

Die Stadt will die Bad Godesberger Draitschquelle schließen. Diese Nachricht aus der Kämmerei löste in Bad Godesberg große Empörung aus. Freitagabend schaltete sich schließlich Oberbürgermeister Ashok Sridharan ein. Er will dafür sorgen, dass die Quelle weiter sprudelt.

„Wir haben eins der besten Wässer, das in Deutschland aus der Erde kommt.“ Helmut Fiehl, der Eigentümer des Pavillons an der Draitschquelle, schwört auf das leicht prickelnde Erfrischungsgetränk, von dem er am Tag zwischen 300 und 500 Liter verkauft. Als er nun hörte, dass die Stadt den Hahn des Brunnens zudrehen will, um Geld zu sparen, blieb ihm die Spucke weg. Vielen anderen Godesbergern auch.

Wie berichtet, muss die Stadt ihren defizitären Haushalt ausgleichen und plant mittelfristig, die Quelle ab 2021 versiegen zu lassen, um im Jahr 16.000 Euro einzusparen. „Wie kann man nur auf den Gedanken kommen, das zu schließen?“, fragt Fiehl. Es sei immerhin die Wiege von Bad Godesberg. Der 78-Jährige, früher Brunnenmeister bei der kommerziellen Nutzung der Quelle mit bis zu 15 Millionen Abfüllungen im Jahr, hat seinen Pavillon 1978 selbst gebaut und bis heute in Schuss gehalten. Im vergangenen Jahr investierte er noch 20.000 Euro in ein neues Dach. Der Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg (VHH) kümmerte sich 2014 und 2015 um die Sanierung der gesamten Parkanlage mit der Mauer und baute Fiehl und seiner Frau Evelin auch eine Rampe zum Ausschank.

Fiehl hat rund 300 Stammkunden hat. Die Leute kommen nicht nur aus der Umgebung, sondern auch aus Xanten, Düsseldorf, Köln oder Remscheid. Uschi Planck aus dem Villenviertel, die sich sechs Flaschen für ihre Mutter auf dem Heiderhof abfüllen lässt, sagt: „Ich bin ein Godesberger Mädchen und mit der Quelle groß geworden.“ Früher sollte sie bei Magenbeschwerden das Wasser trinken. Dann ging es ab ins Bett zur Rollkur: Man drehte sich auf die Seiten und auf den Rücken, wechselte alle 20 Minuten die Position. „Ich liebe das Wasser, ganz ehrlich. Das ist der beste Durstlöscher“, so Planck.

Die Kurfürstenquelle, die am Tresen auch ausgeschenkt wird, beinhaltet 3500 Milligramm Mineralien. Bei der Draitschquelle ist es laut Apotheker Herbert Döben, der sich um die Freigabe des Wassers kümmert, das Doppelte. Damit sei es das gesündere von beiden. Durch die Kohlensäure schmeckt es recht frisch. „Man nennt es auch den Godesberger Champagner“, sagt Fiehl. Das CO2 aus der Erde sei der Lift für das laut Geologen 20.000 Jahre alte Wasser, das von allein aus der Tiefe nach oben steigt. Fiehls Tochter Bettina Kalz soll später ins Geschäft einsteigen. Döben vermutet, dass die Kosten von 16.000 Euro jährlich durch die mikrobiologischen Analysen und weitere Untersuchungen beim Institut Romeis zustande kommen. Die Stadt hat sich am Freitag zu den Kosten und Hintergründen des Sparvorschlags nicht geäußert.

„Bad Godesberg darf nicht ausgetrocknet werden. Noch weiter an unserem Bad-Charakter zu sparen, sei es an den Schwimmbädern oder an den Quellen und Brunnen, ist nicht verantwortbar“, sagt Philipp Lerch (CDU). Er verspricht mit Monika Heinzel (Grüne), bei den Haushaltsberatungen den Betrieb der Quelle zu sichern. Bei einem städtischen Defizit von 60 Millionen Euro seien 16 000 Euro Ersparnis ein Kleckerbetrag, so Heinzel. Gerade für einen Kurort „halte ich die Schließung für ein absolut falsches Signal“, meint Gereon Schüller (SPD). Wenn die Touristen ausblieben, komme bei der Beherbergungssteuer weniger Geld rein, als es koste, die Quelle zu betreiben.

Gegen die Schließung ist auch die FDP, „da eine solche unserem Plan zuwiderlaufen würde, den klassischen Tourismus in Bad Godesberg stärker zu entwickeln und der Stadt somit ein weiteres wirtschaftliches Standbein zu verschaffen“, sagt Wolfgang Heedt. „Diese Kürzung ist voll daneben“, so Ralf Jochen Ehresmann (Linke) und fordert den Erhalt des Brunnens. Der Vorschlag von Kämmerin Margarete Heidler zeugt laut Marcel Schmitt (Bürger Bund Bonn) „von einer Instinktlosigkeit, die nur jemand an den Tag legen kann, der die Befindlichkeiten in Bad Godesberg nicht kennt“. Sie habe ihren Hauptwohnsitz in Limburg. „Nur wer in seiner Stadt auch lebt, wird in ihr heimisch.“

Juppi Schaefer (Die Godesberger) meint: „Die Quelle gehört zu Godesberg wie die Godesburg, die darf auf keinen Fall geschlossen werden. Wenn das wahr werden sollte, gehen wir auf die Straße. Man kann sich von den Bonnern nicht alles gefallen lassen.“

Freitagabend meldete sich noch Oberbürgermeister Ashok Sridharan: „Wir können das in Godesberg nicht streichen.“ Er wolle sich persönlich dafür einsetzen, dass die Quelle weitersprudelt.