Stadt verbietet Graffiti-Projekt in Godesberg

Suche nach alternativem Standort : Stadt hat Einwände gegen Graffiti-Projekt in Godesberg

Die Katholische Jugendagentur und das Haus der Generationen planen ein Beethoven-Graffiti-Projekt zum Beethoven-Jubiläum. Die Stadt hat allerdings Bedenken und gibt keine Genehmigung.

Die Idee hörte sich im Bürgerdialog "Herzenssprechstunde" des Generationennetzwerks Ende August erst einmal prima an: Die Offene Tür Rheingold und Heiderhof der Katholischen Jugendagentur Bonn (KJA) plant mit der Jugendarbeit Ma`an der Otto-Benecke-Stiftung und dem muslimischen Haus der Generationen in Mehlem ein gemeinsames Graffiti-Projekt zum Beethoven-Jubiläum. "»Beethoven Moves«, das wäre ein pädagogisch begleitetes, interreligiöses Kooperationsprojekt, finanziert vom Don Bosco Verein", erläutert Marc Hammer, pädagogischer Leiter der KJA, dem GA auf Nachfrage.

Es wäre eine wunderbare Gelegenheit für die Jugendlichen, sich auszutauschen, gemeinsame Werte und Interessen zu entdecken, und hoffentlich der Anfang einer regelmäßigen Kooperation, sagt Julia Menzhausen, eine Projektleiterin von Ma`an. Als zu besprühende Fläche haben sich die Kooperationspartner die unansehnliche Betonwand auf der B 9-Brücke an der Dietrich-Glauner-Straße ausgesucht, was die Teilnehmer des Bürgerdialogs als Bereicherung für Mehlem einhellig gelobt hatten. Es gebe dafür aber keine Genehmigung der Stadt, hatte Hammer Ende August informiert.

"Das Amt für Kinder, Jugend und Familie begrüßt diese Projektidee, durch die es gelingen kann, dass junge Menschen sich anhand des Werkes von Ludwig van Beethoven auch mit sich selbst auseinandersetzten und künstlerisch tätig werden", heißt es nun auf Nachfrage im Presseamt. "Moves" stehe für "Music Overcomes Violence and Exclusion", richte sich also an Jugendliche, die Erfahrungen mit Gewalt und Ausgrenzung machten. "Während des Projektes sollen sich die Jugendlichen in verschiedenen Gruppen mit den Themen der fünften Symphonie Beethovens auseinandersetzen, indem sie ein oder mehrere Themen der Sätze aufgreifen und versuchen, diese kreativ und künstlerisch darzustellen", so die Stadt. So weit, so gut.

Stadt stellt Fläche grundsätzlich nicht zur Verfügung

Allerdings stelle die Stadt die gewünschte Fläche an der Dietrich-Glauner-Straße grundsätzlich nicht für die Gestaltung mit Graffiti zur Verfügung, so das Presseamt. "Leider hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass solche Flächen, selbst wenn sie von Kindern und Jugendlichen gestaltet wurden, später von anderen übersprüht und beschmiert werden und von der ehemals schönen Gestaltung kaum mehr etwas überbleibt." Einen "Ehrenkodex", wie es ihn früher wohl gab, dass gestaltete Flächen nicht angetastet werden, gebe es so nicht mehr. Ein Beispiel sei die Unterführung zum Alten Friedhof. "Als Alternative prüft die Stadt Bonn zurzeit, ob das Graffiti auf einer Art Leinwand entstehen kann, die im Anschluss temporär ausgestellt wird."

Über diese bewegliche Variante mache sich das Team selbst auch Gedanken, bestätigt Marc Hammer. Eine Plane wirke aber wohl weitaus weniger als ein Graffiti auf fester Fläche. "Wir können natürlich die Haltung des Tiefbauamtes nachvollziehen. Wir denken nur, dass ein ansprechendes Graffiti mit kulturellem Hintergrund, das unter pädagogischer Leitung entworfen und angebracht wird, dem Problem des illegalen Wildsprayens entgegenwirken könnte und es nicht fördern würde", fügt der KJA-Pädagoge dann hinzu. Man suche also parallel weiter nach möglichen Flächen in Mehlem. "Wir konnten durch die Herzenssprechstunde Kontakt zu Politikern knüpfen, die versprachen, noch einmal nachzuhören, ob es nicht doch eine Möglichkeit oder zumindest eine alternative Fläche gibt", so Hammer.

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