Nachbarin alarmiert Ordnungsamt: Stadt stoppt Pflegeschnitt an Blutbuche in Bad Godesberg

Nachbarin alarmiert Ordnungsamt : Stadt stoppt Pflegeschnitt an Blutbuche in Bad Godesberg

Weil sie die Fällung einer Rotbuche befürchtete, alarmierte eine Anwohnerin der Beethovenallee in Bad Godesberg das Ordnungsamt. Warum die Stadt Bonn den Pflegeschnitt an dem Baum stoppte.

Als sie morgens aus dem Fenster schaute, traute sie ihren Augen nicht. Mitarbeiter einer Gartenbaufirma waren auf dem verlassenen Grundstück nebenan in die Krone einer alten Blutbuche geklettert und schnitten in den Ästen herum. Das kam der Anwohnerin der Beethovenallee suspekt vor. „Ich weiß, dass das verboten ist“, dachte sie sich und informierte das Ordnungsamt.

Die Bad Godesbergerin kann sich an den grünen Daumen ihrer Nachbarin, die vor drei Jahren gestorben sei, erinnern. Seitdem habe das Haus leer gestanden. „Sie war ein sehr naturverbundener Mensch.“ Überhaupt seien die Gärten des Viertels ein regelrechtes Biotop mit Feuersalamandern, Kröten, Buntspecht, Bachstelze, Käuzchen und vielen Insekten. „Hier ist richtiges Naturleben“, sagt die Bewohnerin des Villenviertels und befürchtete an dem Morgen schon, dass die Buche sogar ganz gefällt wird. Sie hatte erfahren, dass der Eigentümer des übernächsten Gartens den Rückschnitt in Auftrag gegeben hatte, um künftig dort mehr Licht zu haben. Das bestätigte Jakob Nestle vom Baumdienst Nestle aus Werkhausen.

Die Stadt bestätigte, dass sie von einer Anwohnerin in die Beethovenallee gerufen wurde, weil an der Blutbuche Schnittmaßnahmen vorgenommen wurden. Die seien an satzungsgeschützten Bäumen grundsätzlich genehmigungspflichtig, teilt der städtische Vizesprecher Marc Hoffmann mit. „Für die hier betroffene Blutbuche lag keine Genehmigung vor.“ So habe der Ordnungsaußendienst den beauftragten Baumdienst bei der Arbeit angetroffen.

Es sei keine Radikalkur geplant gewesen

„Da die Schnittmaßnahmen weder beantragt noch genehmigt waren, wurden die Arbeiten auf Anordnung des Ordnungsaußendienstes eingestellt“, sagte Hoffmann. Es werde nun geprüft, welche Maßnahmen gegen die Verursacher eingeleitet werden. „Blutbuchen stehen wie alle anderen Laubbäume ab einem Meter Stammumfang – gemessen in Brusthöhe – auch unter dem Schutz der Baumschutzsatzung. Einen speziellen Schutz für Rotbuchen gibt es nicht“, so der Sprecher.

„Das war eine blöde Geschichte“, sagte Nestle. Er sei davon ausgegangen, dass die Baumpflege genehmigt war. Es sei keine Radikalkur geplant gewesen. „Ich bin nicht derjenige, der Bäume verstümmelt“, sagte Nestle. „In meinen Augen war das eine normale Kronenpflege.“ Er habe die Buche ausgelichtet. Sein Kunde habe wohl am liebsten eine Fällung gehabt, „ich wusste aber, dass er das nicht genehmigt bekommt“. Dass seine Firma das Grundstück des leer stehenden Hauses betreten durfte, sei mit dem Nachlasspfleger abgesprochen gewesen.

Der bestätigt das. „Nachbarn hatten gefragt, ob sie überhängende Äste abschneiden dürfen“, sagte der Bad Godesberger Rechtsanwalt Volker Betzing. Er habe nichts dagegen gehabt, solange der Nachlass nicht an den Kosten beteiligt werde. „Der Pflegeschnitt schadet dem Baum nicht, ist kein Nachteil“, sagte Betzing. Der Auftraggeber des Pflegeschnitts wurde um eine Stellungnahme gebeten, hat sich aber nicht gemeldet.

Was das Alter des Baumes angeht, gehen die Meinungen auseinander. Die Anwohnerin, die sich bei der Stadt beschwert hatte, sagt, dass die Blutbuche weit über 100 Jahre alt sei und wohl schon vor den Villen dort gestanden habe. Nestle schätzt den Baum auf etwa 60 Jahre. Die Prachtexemplare, mit ihren roten Blättern eine Mutation der Rotbuche, können mehr als 200 Jahre alt und 40 Meter hoch werden.

Die Blutbuche ist in Europa als Park- oder Gartenbaum weit verbreitet. Buchen sind übrigens auch Namensgeber für das Buch und den Buchstaben, als früher Runenschriftzeichen mit Stäbchen aus Buchenholz aufs Papier gebracht wurden.

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