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Rauch in der Röhre: Stadt Bonn simuliert Brand im Bad Godesberger Tunnel

Rauch in der Röhre : Stadt Bonn simuliert Brand im Bad Godesberger Tunnel

Die Stadt Bonn hat im Bad Godesberger Tunnel ein Feuer zünden lassen und so einen Brandfall simuliert. Spezielle Systeme wurden so getestet, die bei einem Unglück blitzschnell Rauch aus der Tunnelröhre entziehen.

Der Rauch breitet sich rasend schnell aus. In der Ferne lodert gut sichtbar ein Feuer. An den Wänden des Bad Godesberger Straßentunnels leuchten zur Warnung immer wieder sehr helle, weiße Lampen auf. Der Fluchtweg ist mit grünen Symbolen gekennzeichnet. Der Rauch sammelt sich unterdessen unter der Decke des Tunnels und wird in eine rund fünf Quadratmeter große Aussparung eingesogen. Dort entstehen Luftwirbel, die durch den Rauch deutlich sichtbar sind. Der Teil des Tunnels, wo sich normalerweise Autofahrer aufhalten würden, ist rauchfrei. Ein gespenstisches Bild, das bei einem großen Test am späten Dienstagabend im Bad Godesberger Tunnel produziert wurde.

Die Stadt hat aber nicht ohne Grund in dem stark frequentierten Straßentunnel gezündelt. Die neue Entrauchungsanlage des Bad Godesberger Tunnels wurde ausgiebig getestet, außerdem war der Brandversuch Teil der Abnahme der neuen Sicherheitstechnik. Derzeit werden die beiden Röhren aufwendig sicherheitstechnisch saniert.

Experten aus Tschechien machen im Tunnel Feuer

„Vor 20 Jahren war der Brandschutz hochmodern, nun haben sich aber nach Tunnel-Unglücken einige Parameter geändert“, erklärte Stefan Pieper. Der Sachgebietsleiter im Tiefbauamt ist auch Projektleiter für die mehr als zehn Millionen Euro teure Sanierung. Die rheinseitige Tunnelröhre ist inzwischen fertig und konnte daher dem groß angelegten Test unterzogen werden.

Eine Spezialfirma aus Tschechien hatte dafür ein Feuer inmitten des Tunnels entzündet, um zu kontrollieren, ob die neuen Sicherheitssysteme auch funktionieren. Empfindliche Technik wurde zuvor gesondert gesichert, damit diese beim Test, bei dem Rauch und Hitze produziert wurde, keinen Schaden nehmen konnte.

Kaum hatten die Fachleute das Feuer gegen 23 Uhr entfacht, griffen die Sicherheitssysteme. Die zuvor sehr fein eingestellten Sensoren und ein spezielles Brandmeldekabel, das nun in der gesamten Tunnelröhre verbaut ist, meldeten die Hitze- und Rauchentwicklung. „Die Feinjustierung ist enorm wichtig, denn es wäre nicht zielführend, wenn das System beispielsweise bei einem älteren Lastwagen greift, nur weil der sehr qualmt. Die Detektion ist eine Schwierigkeit“, sagte Pieper. Nachdem die Tunnelsensoren den Rauch und die Hitze feststellten, ging sofort ein Alarm bei der Berufsfeuerwehr ein und die Sperrung des Tunnels wurde veranlasst. Sekunden nachdem sich der Rauch ausbreitete, öffnete sich eine der neuen Abzugsklappen, die Jalousien ähneln.

Alle 100 Meter ein Giftgas-Abzug

„Für diese Klappen musste die Decke geöffnet und auch statisch verstärkt werden“, erklärte Pieper. Die besondere Klappe sorgte dafür, dass der Rauch zügig eingesogen wurde, so dass der Aufenthaltsbereich der anwesenden Personen rauchfrei blieb. Das ist im Ernstfall enorm wichtig, denn nur so können sich Menschen, die ihre Autos verlassen, am neuen Lichtsystem im Tunnel orientieren und den Notausgang finden. Dieser wird durch ein ausgeklügeltes System stets mit Frischluft versorgt. Außerdem werden giftige Gase durch das Ansaugsystem direkt umgeleitet.

Alle 100 Meter befindet sich in der Röhre nun ein solcher Abzug, insgesamt sind es 15. Riesige Turbinen versorgen die Tunnelröhre außerdem mit Frischluft oder sorgen für den Abzug von verbrauchter Luft. Die Leistung der riesigen Ventilatoren liegt bei mehr als 65 Kubikmeter Luft pro Sekunde. Mit der neuen Technik kann nun sehr genau an einer Brandstelle der Rauch abgeleitet und die Brandstelle lokalisiert werden. „Der Test ist absolut geglückt“, sagte Pieper.

Für den Test, den auch ein Gutachter begleitete, war der Straßentunnel am Dienstagabend gegen 21 Uhr gesperrt und am frühen Mittwochmorgen wieder für den Verkehr freigegeben worden. Die bergseitige Röhre ist noch immer gesperrt, da diese derzeit modernisiert wird. Ende des Jahres sollen auch dort die Bauarbeiten beendet sein.