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Ein Jahr nach dem Unwetter: Stadt Bonn lehnt Schutzmaßnahme in Bad Godesberg ab

Ein Jahr nach dem Unwetter : Stadt Bonn lehnt Schutzmaßnahme in Bad Godesberg ab

Anlieger haben eine Idee zum Überflutungsschutz der Hohenzollernstraße vorgetragen. Doch die Verwaltung will zunächst belastbare Daten haben.

Auch ein Jahr nach dem Unwetter vom 4. Juni 2016 sind Bachanlieger in Bad Godesberg sehr besorgt. Wie Wolfram Kuster, Sprecher der Hochwassergemeinschaft Beethovenallee, dem GA erzählte, hätten sämtliche Eigentümer der Hausnummern 33 bis 51 aufgerüstet. „Die Anwohner haben also alles getan, was ihnen privat zu einer zukünftigen Schadensbegrenzung möglich ist, mehr ist nicht machbar.“

Bei den Handlungsmöglichkeiten der Stadt Bonn sehen die Flutopfer allerdings noch Potenzial. „Wir sind nicht zufrieden mit den bisher geplanten beziehungsweise umgesetzten baulichen Maßnahmen, die die Gefahr eines Rückstaus durch die zu wenig durchlässige Brücke an der Hohenzollernstraße für unsere Grundstücke entschärfen könnten“, sagte Kuster auch im Namen der anderen. Da die zu erwartenden Schäden „wieder erheblich sein würden“, sollte sich ein ähnliches Szenario wiederholen, haben sich die Anlieger selbst Gedanken gemacht. Und diese Tiefbauamtschef Peter Esch präsentiert.

Konkret gibt es die Idee, zwei durch Sensoren gesteuerte Hochleistungspumpen zu installieren. Diese sollen vor der Brücke ab einem gewissen Wasserstand einen Teil des ankommenden Wassers durch ein quer zur Fließrichtung des Baches verlaufendes Rohr, das unter dem westlichen Gehweg Hohenzollernstraße installiert wird, das Wasser in den vor Kurzem erneuerten Kanal unter der Beethovenallee in Richtung Rhein ableiten. Diese Zwischenlösung wünschen sich die Anlieger „zeitnah“, hoffen aber später noch auf eine größere Baumaßnahme im Bereich der Brücke.

Keine Verbindung zum Rhein

Für die Stadt lassen sich die Überlegungen gleich aus zwei Gründen nicht umsetzen. Der Kanal in der Beethovenallee sei 2014 als kleiner Mischwasserkanal neu verlegt worden, teilte Amtsleiter Peter Esch auf Anfrage mit. Der Kanal habe keine Verbindung zum Rhein, sondern sei an die Kläranlage angeschlossen. „Die Einleitung von Bachwasser in einen Mischwasserkanal ist umweltrechtlich aber nicht zulässig“, so Esch weiter.

Aber auch ohne die rechtliche Einschränkung wäre das Projekt seiner Meinung nach aus technischen Gründen nicht realisierbar. „Es bedürfte schon gewaltiger Pumpwerke, um den Pegel überhaupt spürbar zu senken. Der Einfluss bei einem Extremabfluss wie am 4. Juni 2016 wäre aufgrund der gewaltigen Wassermassen bestenfalls marginal“, meint Esch. Und er stelle sich die Frage: Wohin mit diesen Wassermassen? Denn der Kanal an der Beethovenallee sei mit 40 Zentimetern Durchmesser „nicht annähernd ausreichend leistungsfähig“. Aus gutem Grund handele es sich beim Bypass in Mehlem um ein DN 3000-Profil, also ein Rohr mit drei Metern Durchmesser.

Esch will belastbare Daten: Gerade erarbeite die Bezirksregierung ein neues Niederschlags-Abflussmodell und neue Überflutungskarten – danach untersuche man gemeinsam mit der Gemeinde Wachtberg mögliche Hochwasserschutzmaßnahmen. Esch: „Realisierbarkeit, Nutzen und Kosten werden dann wie seinerzeit beim Mehlemer Bach der Bezirksvertretung vorgestellt und Empfehlungen zur Umsetzung von Maßnahmen abgegeben.“