Holzernte in Bad Godesberg: Stadt Bonn lässt 2000 Bäume im Kottenforst fällen

Holzernte in Bad Godesberg : Stadt Bonn lässt 2000 Bäume im Kottenforst fällen

Rund um den Venner Graben in Bad Godesberg hat die Holzernte begonnen. Die Stadt Bonn hat nun 2000 Bäume im Kottenforst fällen lassen.

Am Venner Graben müssen die Profis von Hand ran: Das Gelände ist zu steil, um Rückegassen für den Harvester einzurichten. Das macht die Holzernte beschwerlicher. Es dauert nicht einmal eine Minute, bis die angesägte Eiche sich laut knackend über den Bach lehnt und dann dumpf auf den Waldboden aufschlägt. Voraussichtlich bis Ende Mai sind die Waldarbeiter noch damit beschäftigt, den Forst bei Schweinheim zu lichten.

Wieselflink klettert ein Kollege der Firma Lehmann den Hang hinab zum frisch gefällten Baum, von dem sich durch die freigelegte Gerbsäure ein angenehmer Geruch ausbreitet. Er legt ein Seil um den Stamm, den der Rückeschlepper dann hoch auf den gesperrten Waldweg zieht. Vor Ort wird er noch in drei Meter lange Abschnitte zerteilt, um dann schon bald als Bau- oder Industrieholz verkauft zu werden. Diese Arbeiten beobachten am Dienstagnachmittag auch 40 Bonner aller Altersklassen, die Stadt hatte dazu eingeladen.

40 Bonner schauen zu

Wie viele Bäume pro Hektar und Jahr geerntet werden dürfen, entscheidet der Forsteinrichter, zuständig für die Inventur im Wald – ähnlich wie im Supermarkt. Rund 30 Prozent der Fläche Bonns besteht aus Wald, wie es David Baier vom Amt für Stadtgrün sagt. Davon die Hälfte, 610 Hektar, ist Stadtforst. Der ist in acht große Durchforstungsblöcke sowie kleinere Satellitenblöcke unterteilt.

Alle acht bis zehn Jahre kommen die Waldarbeiter an dieselbe Stelle zurück. Sie finden dann rote Markierungen an rund 2000 Stämmen, die zuvor Stadtförster Sebastian Korintenberg bei seinen Touren aufgemalt hat: Diese Bäume sollen alle 'raus. Zu schlagen sind 1200 Festmeter (also Kubikmeter) Holz, vor allem Buchen und Kiefern. Sie sind zwischen 40 und 150 Jahre alt. Sie brauchen zwar einige Jahre, um bis zu 35 Meter groß zu werden. Allerdings darf die Stadt gar nicht mehr Holz herausnehmen als nachwächst.

Standard ist laut Korintenberg sogar, dass auf die Jahre gesehen der Wald wächst. Wenn ein Baum gefällt wird, wird Platz gemacht, „dass sich speziell die Eichen entwickeln können“, sagt Korintenberg. Am Boden sei dann genügend Licht vorhanden, dass neue Bäumchen nachkommen. Ein mehrschichtiger, strukturierter Mischwald entsteht.

Der Wald ist zertifiziert

Die Stadt ist von Naturland und FSC (Forest Stewardship Council) zertifiziert. „Das stellt uns vor eine besondere Aufgabe“, sagt Baier und nennt neben der Erholungs- und Schutz- auch die Nutzfunktion des Waldes. „Wir produzieren hier einen Rohstoff unter besonders nachhaltigen Bedingungen.“ Er empfiehlt, beim Möbelkauf auf entsprechende Siegel zu achten.

An manchen Ecken im Wald findet sich Totholz, das etwa zehn Prozent ausmacht. Weitere zehn Prozent Fläche werden gar nicht bewirtschaftet, damit sich Tiere und Pflanzen ungehindert ausbreiten können. 250 besonders alte und dicke, mit blauem Spechtsymbol markierte Bäume dürfen alt werden, ohne dass sie jemand anrührt.

Korintenberg hat Karten, in denen die Rückegassen genau eingezeichnet sind. Kommt ein Harvester zum Einsatz, ist die Maschine in der Lage zu sägen, zu entasten und die Sortimente einzuschlagen. Der Fachjargon bedeutet, dass die Stämme – wie im Venner Graben mit der Motorsäge per Hand – auf Länge geschnitten werden.

Nach den Arbeiten werden eventuelle Arbeitsspuren auf den Waldwegen sofort wieder beseitigt. Wie berichtet, war das vor einigen Wochen nach den Arbeiten des Forstamts Rhein-Sieg-Erft im Klufterbachtal nicht der Fall, was am Frost lag.

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