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Schwimmbad in Bad Godesberg: Stadt bleibt dabei: Aus fürs Kurfürstenbad

Schwimmbad in Bad Godesberg : Stadt bleibt dabei: Aus fürs Kurfürstenbad

Das Bürgerbegehren zum Erhalt des Kurfürstenbades ist zulässig. In einer Sondersitzung des Stadtrats am Montag, 23. Januar, steht das Thema deshalb erneut auf der Tagesordnung.

„Wir empfehlen dem Rat, dem Bürgerbegehren nicht zu entsprechen“, stellte Oberbürgermeister Ashok Sridharan am Mittwoch klar.

Folgen die Politiker dem Votum der Verwaltung, kommt es zum Bürgerentscheid (siehe Text „Vom Bürgerbegehren zum Bürgerentscheid“). Dieser muss innerhalb von drei Monaten durchgeführt werden, abgestimmt werden kann bis Freitag, 21. April, 24 Uhr, erläuterte Abteilungsleiter Helmut Weller. Kosten: rund 350.000 Euro.

„Die Initiatoren des Bürgerbegehrens sagen, dass sie lediglich für den Erhalt des Kurfürstenbades sind“, erklärte Sridharan die Haltung der Stadt. Der Rat aber müsse das gesamtstädtische Bäderkonzept bewerten (siehe Text „Bürgerentscheid könnte gesamtes Bäderkonzept kippen“). „Es ist so, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt.“ Doch das waren nicht die einzigen Argumente der Verwaltung. „Die Defizite im Kurfürstenbad sind erheblich“, stellte Marion Duisberg, stellvertretende Leiterin des Städtischen Gebäudemanagements dar.

Wegen gravierender Mängel an der Elektrotechnik sowie der Lüftungs- und Heizungsanlage habe das Kurfürstenbad geschlossen werden müssen. Eine Sanierung würde laut Duisberg mit rund zehn Millionen Euro zu Buche schlagen. Eine Minimalsanierung, wie jüngst von der Initiative vorgeschlagen, hält die Stadt nicht für sinnvoll. Dies konterkariere das Bürgerbegehren, in dem sich die Unterzeichner für eine grundlegende Sanierung aussprächen, so Sridharan.

„Außerdem birgt eine Minimalsanierung immer Risiken“, so Duisberg. Im Zuge der Reparaturen könnten weitere, nicht einkalkulierte Mängel auffallen. Und: „Die heutigen Anlagen sind ganz anders dimensioniert.“ Um sie zu installieren, müssten teilweise Wände herausgerissen werden. Arbeiten, die die Initiative in ihrem Vorschlag nicht bedacht habe.

Sportdezernent Martin Schumacher hat weitere Argumente parat: Das Kurfürstenbad leide unter fehlender Akzeptanz in der Bevölkerung. „Das zeigt sich an den sinkenden Besucherzahlen.“ Besuchten laut Schumacher 2010 noch 67.818 Schwimmer das Godesberger Bad, waren es 2013 insgesamt 58.905. Im vergangenen Jahr dann kamen noch 53.665 – davon 15.989 Schüler zum Schwimmunterricht und 11.199 Vereinsschwimmer.

Kurfürstenbad sei heute nicht mehr attraktiv

Zum Vergleich: „Im Franken- und Hardtbergbad hatten wir voriges Jahr mehr als 100 000 Besucher, in der Beueler Bütt waren es 70.000 bis 80.000.“ Hinzu komme der Zuschussbedarf von 11,47 Euro pro Besucher, dieser sei so hoch wie in keinem anderen Bonner Bad. Warum das Kurfürstenbad vergleichsweise unbeliebt ist, liegt für Schumacher auf der Hand.

„Es gibt keinerlei Verweilmöglichkeiten.“ Dies sei heute nicht mehr attraktiv. „Die Sport- und Freizeitbedürfnisse haben sich stark verändert.“ Deshalb spreche er sich nicht nur gegen die Minimal-, sondern auch gegen die Komplettsanierung aus. Denn auch die mache das Bad nicht attraktiver.

Für die CDU stellt Fraktionsgeschäftsführer Georg Fenninger fest: „Wir werden der Empfehlung der Verwaltung folgen und hoffen, dass der Bürgerentscheid zugunsten eines Schwimmbadneubaus ausgehen wird.“ Für ausgesprochen schlecht gewählt hält Fenninger den Termin der Sondersitzung, weil so unter Einhaltung der Drei-Monats-Frist die Abstimmung genau in die Osterferien falle. „Das kann nicht im Sinner aller Parteien sein“, sagte er. Das sieht auch Sridharan so.

Er hätte sich gewünscht, dass der Rat erst in seiner regulären Sitzung am 2. Februar entschieden hätte, so der OB. Dann nämlich hätte sich auch der Bürgerentscheid verschoben. Wenn aber eine Fraktion, wie in diesem Fall der Bürger Bund Bonn, eine Sondersitzung beantrage, „müssen wir dem nachkommen“, sagte er.

Auch die Koalitionspartner der CDU wollen am Ratsbeschluss für einen Neubau eines Schwimmbades im Wasserland festhalten und dafür werben, „dass die Bürger sich für den Bau dieses neuen, attraktiven Bades entscheiden“, so die Grünen. „Die bessere und wirtschaftlichere Lösung ist ein Neubau. Davon profitieren alle Bürger dieser Stadt“, ist Werner Hümmrich (FDP) überzeugt. Die übrigen Fraktionen im Rat wollen dem Bürgerbegehren dagegen zustimmen und pochen auf den Erhalt der Bonner Bäder.

Gabi Mayer (SPD) sagte, „für uns ist von elementarer Bedeutung, dass die Kinder in Bonn schwimmen lernen. Dafür sind aber möglichst kurze Wege zwischen den Schulen und den Bädern nötig. Ein Zentralbad in Dottendorf kann diesem Anspruch nicht gerecht werden“. Tobias Haßdenteufel (Linksfraktion) kritisierte, die Ausgaben für den SWB-Neubau im Wasserland seien mit 560 000 Euro bereits sehr hoch und es gebe offenbar Überlegungen, den Neubau „so oder so durchzuziehen“.