Geschäft am Fronhof: Spielwaren Wal schließt

Geschäft am Fronhof : Spielwaren Wal schließt

Große Rabattschilder und leere Schaufenster kündigten es schon seit einigen Wochen an: Spielwaren Wal schließt. Damit geht für viele Godesberger auch ein Stück Kindheitserinnerung verloren, denn schon seit Jahrzehnten gab es gegenüber der Fronhofer Galeria einen Spielzeugladen.

Am 1. Januar 2004 hatte Karin Humann in den Räumen des vormaligen Spielwarengeschäfts ihr eigenes Fachgeschäft für Spielwaren eröffnet und erfreute sich reger Kundschaft. Das Internet sah Humann nie als ernsthafte Konkurrenz an, obgleich sie die Preise meist nicht halten konnte. "Bei Mitbringseln oder Geschenken zur Geburt geht man nicht ins Internet", versichert sie. Aber in der Vorweihnachtszeit habe sie schon vermehrt Kunden registriert, die sich eingehend von ihr beraten ließen, um dann doch, so ihre Vermutung, im Internet zu bestellen.

In den vergangenen zehn Jahren hat Karin Humann viele Geschichten erlebt, die sich teils auch wiederholten. So wie die übereifrigen Eltern, denen ein Puzzle mit "nur" zehn Teilen für ihr Kleinkind viel zu wenig erschien: "Der ist so begabt, der schafft bestimmt 100!" Oder auch die "heimlichen" Einkäufe anderer Eltern, die ihren Sprössling mit "Schau doch mal da drüben!" kurz ablenkten, um dann an der Kasse hastig das ersehnte Geschenk zu kaufen. "Da habe ich dann den Scanner unauffällig unter den Ladentisch gehalten und ganz versteckt kassiert", berichtet Humann. "Ich fand auch immer toll, wenn Kinder ihre Spardosen mitbrachten und ausleerten", fährt sie fort. "Jeder Cent wurde einzeln gezählt." So viel Zeit musste sein. "Dann hatten die anderen halt zu warten."

Im Regal steht ein einsamer schwarzer Steiff-Bär, ein Replik von 1907. Ein interessierter Kunde fragt, ob der brummen kann. Nein, kann er nicht. "Wenn ich den heute nicht mehr verkauft bekomme", erklärt Humann, "dann erhält er Asyl bei mir zuhause."

Karin Humann hätte ihren Laden gerne weitergeführt, musste aber aus persönlichen Gründen schließen. Umsatzeinbußen waren nicht der Auslöser. Humann war zufrieden: "Das Geschäft wurde in Godesberg gut angenommen und man konnte davon leben." Eine Übernahme durch einen Nachfolger scheiterte zu ihrem Bedauern aus verschiedensten Gründen.

Letzten Freitag war es dann soweit: Karin Humann schloss endgültig ihr Spielwarengeschäft zu. Die gewonnene Zeit will die 56-Jährige jetzt mit ihrem Mann, den beiden Enkelkindern und intensiver Gartenarbeit in ihrem Westerwälder Haus verbringen. "Und ich werde mir einen Hund zulegen, für den bisher die Zeit fehlte", ergänzt sie.

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