Kindergarten im Fokus: Sorge um Neubauten in der US-Siedlung

Kindergarten im Fokus : Sorge um Neubauten in der US-Siedlung

Unter Bewohnern der Amerikanischen Siedlung geht weiter die Sorge vor dem Bau neuer Wohnhäuser um. Aktuell sorgen zudem die Pläne zum Neubau des bisherigen Montessori-Kindergartens für Aufmerksamkeit.

Urban wohnen und gleichzeitig im Grünen sein. Diesen Wunsch hört man immer wieder. Für die Bewohner der unter Denkmalschutz stehenden Amerikanischen Siedlung in Plittersdorf ist er schon in Erfüllung gegangen.

Weil jedoch auch Investoren um die Attraktivität des berühmten "Häuschens im Grünen " wissen, geht im Viertel seit einiger Zeit eine andere Sorge um: dass die Siedlung mit Neubauten auf Teilen der heutigen Grünflächen "nachverdichtet" werden könnte.

Als im vergangenen Jahr entsprechende Überlegungen der Vereinigten Bonner Wohnungsbaugesellschaft (Vebowag) bekannt wurden, da beeilte sich deren Vorstand zwar, die Entwürfe als "reine Gedankenspiele" einzuordnen. Von insgesamt sieben Neubauten mit jeweils fünf Etagen entlang des Kolumbusrings und zwischen Europastraße und Steubenring war die Rede.

Dass sich prompt eine Bürgerinitiative gründete, konnte die Öffentlichkeitsarbeit der Vebowag nicht mehr verhindern. Regelmäßig lädt der Verein "Rettet die Amerikanische Siedlung Plittersdorf" (RASP) seitdem zu Vorträgen in die Stimson Memorial Chapel an der Kennedyallee ein und erfreut sich dabei großen Zulaufs.

Zuletzt gab die Landschaftsarchitektin Monica Geyr von Schweppenburg Einblicke in die historische und architektonische Gestaltung der Grünanlagen der Siedlung, die 1951 für die Angestellten der Ministerien erbaut wurden (siehe Kasten).

Im Anschluss an den Vortrag fand die Mitgliederversammlung der Bürgerinitiative statt. Dort ging es vor allem um den geplanten Abriss des bisherigen Montessori-Kindergartens und die Errichtung eines Neubaus.

Wie berichtet, haben Vebowag und die Betreiber des Montessori-Kindergartens ihr Mietverhältnis beendet, das nun zur Jahresmitte auslaufen wird. Einen Kindergarten soll es weiterhin geben, fortan jedoch unter Ägide der "Max and Mary AG", die bereits zwei zweisprachige Kindergärten in Bad Godesberg und auf dem Venusberg betreibt.

Bereits Ende Februar hatte der Vebowag-Vorstand die Bezirksbürgermeisterin und die Fraktionsvorsitzenden in der Bezirksvertretung Bad Godesberg über seine Pläne informiert.

Dem Vernehmen nach soll das unter Denkmalschutz stehende, einstöckige Kindergartengebäude aus den 1950er Jahren durch einen größeren, einstöckigen Neubau mit Staffelgeschoss ersetzt werden und der Abriss bereits beantragt worden sein. Eine Sanierung des alten Gebäudes hatte Vebowag-Chef Michael Kleine-Hartlage bereits im vergangenen Spätsommer als unwirtschaftlich verworfen.

Hatte das bisherige Gebäude eine Fläche von 800 Quadratmetern, so soll der geplante Neubau im Erdgeschoss 1000 und im Staffelgeschoss weitere 700 Quadratmeter umfassen. Die Einrichtung soll Platz für rund 100 Kinder bieten, auch ein Kontingent für die Sprösslinge von Medizintouristen soll nach Informationen des General-Anzeigers bereitgehalten werden. In der Nachbarschaft weckt dies wiederum Sorgen vor einer stärkeren Fluktuation in den Kindergartengruppen sowie vor einem erhöhten Verkehrsaufkommen.

Einige Fragen zum geplanten Neubau hat auch der Bürger Bund Bonn (BBB), der diese jetzt in der Bezirksvertretung thematisiert. So fragt der BBB einerseits nach der Abrissgenehmigung; andererseits möchte die Fraktion von der Stadtverwaltung wissen, ob der Vebowag bereits ein Bauvorbescheid oder eine Baugenehmigung erteilt wurde. Die Bezirksvertretung tagt am Mittwoch, 22. April, ab 17 Uhr in der Stadthalle.

Informationsgespräch am 23. April

Auf Initiative von Bezirksbürgermeisterin Simone Stein-Lücke findet am Donnerstag, 23. April, ein Informationsgespräch zum geplanten Kindergartenneubau statt. Vebowag-Geschäftsführer Michael Kleine-Hartlage wird zu dem Vorhaben Stellung beziehen. Die Veranstaltung in der amerikanischen Kirche, Kennedyallee 150, beginnt um 18 Uhr. Eingeladen sind die Bürgerinitiative, Kommunalpolitiker und alle interessierten Bürger.

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