Nach 51 Jahren barrierefrei: So wohnt es sich im Vebowag-Neubau in Bad Godesberg

Nach 51 Jahren barrierefrei : So wohnt es sich im Vebowag-Neubau in Bad Godesberg

Ilse Cremer wohnt seit Kurzem in dem Haus an der Offenbachstraße. Der Bedarf an Sozialwohnungen ist hoch. So wohnt es sich in ihrem neuen Heim.

In der Küche steht noch der ein oder andere Karton herum. Aber sonst deutet nichts darauf hin, dass Ilse Cremer vor einer Woche in ihre neue Wohnung gezogen ist. Vielleicht ein wenig der Geruch nach Baustoffen, denn auch das Mehrfamilienhaus selbst ist neu. Drei Wohnblöcke aus den 50er Jahren hatte die Vebowag an der Offenbachstraße/Ecke Wiedemannstraße abgerissen und sie durch einen modernen ersetzt. Die 43 Wohnungen – damit 13 mehr als vorher – sind öffentlich gefördert. "Alle haben Fußbodenheizung, Terrasse oder Balkon, Bodenbeläge in Holzoptik, zeitgemäße Bäder mit bodengleichen Duschen und sind barrierefrei", sagt Vebowag-Prokurist Detlef Eckert.

Vor allem die Barrierefreiheit war für Cremer ein Grund, nach 51 Jahren ihre alte Vebowag-Wohnung ebenfalls an der Offenbachstraße aufzugeben. "Ich habe Asthma und bin zum Schluss fast nicht mehr in den zweiten Stock hochgekommen", erzählt die 80-Jährige. Zudem habe sie auf vier Zimmern mit 72 Quadratmetern gesessen. "Die drei Kinder sind aus dem Haus, mein Mann leider tot, ich brauchte den Platz nicht mehr." Heute, ergänzt Eckert, würden Vierzimmerwohnungen übrigens mit 90 Quadratmetern geplant.

6,25 Euro Nettokaltmiete kostet der Quadratmeter. Cremer zahlt für nunmehr 50 Quadratmeter 468 Euro. "Da ist aber außer Strom alles drinnen, auch Betriebskosten, Heizkosten sowie Kabelfernsehen", sagt Alina Philipps, Kundendienstleiterin für 2400 Wohnungen der Vebowag. Zudem die Kosten für eine Reinigungsfirma, die sich um die weitläufigen Treppenhäuser kümmert. Darauf setze man in allen Neubauten.

Cremer erzählt, eine Freundin habe sie gewarnt, ihre Sozialwohnung in der Zeitung zu outen. "Aber ich schäme mich nicht, wir haben unsere Miete all die Jahre pünktlich gezahlt und immer von unserem eigenen Geld", betont die Frau, die rund 1000 Euro Witwenrente erhält. Statt zu arbeiten, habe sie sich um die Kinder gekümmert. Auch für Eckert ist es kein Makel und schon gar nicht die Ausnahme, auf eine geförderte Wohnung angewiesen zu sein. "Die normalen Renten reichen kaum aus, deshalb brauchen wir bezahlbare, kleine Wohnungen für die Zukunft", meint der Prokurist.

Trotzdem hält das Unternehmen neben 37 Zwei- und Dreizimmerwohnungen im Neubau auch sechs Vier- und Fünfzimmerwohnungen mit bis zu 105 Quadratmetern für Familien mit Wohnberechtigungsschein vor. Eine dieser Familien ist mit Cremer zusammen umgezogen und wohnt jetzt unter ihr. "Die neuen Wohnungen waren alle sofort vergeben, wir hätten noch mehr gebrauchen können", beschreibt Philipps die Situation vor vier Monaten, als die Verteilung anstand.

Cremer aber hat Glück gehabt und fühlt sich schon heimisch. "Ich find's hier schön", sagt sie über das grau-verklinkerte Haus und die Zweizimmerwohnung. Sie musste sich von vielem trennen, das zuvor auf 22 Quadratmetern mehr gestanden hatte. "War nicht schlimm, ist ja alles Wichtige da", sagt die 80-Jährige. Manches sogar im Überfluss, wie der Tiefgaragenstellplatz, den sie ohne Auto nicht braucht. "Wir finden sowieso, dass der Schlüssel für Stellplätze im sozialen Wohnungsbau zu hoch ist, zumal wenn sich die Einheiten an Ältere richten", kritisiert Eckert. 29 Stellplätze gibt es unter dem Haus an der Offenbachstraße.

Die Vebowag plant seit Längerem, direkt angrenzend an Seufert- und Wiedemannstraße weitere fünf Häuser abzureißen und sie durch einen L-förmigen Gebäuderiegel zu ersetzen. "Aber nachdem die Politik Einspruch erhoben hat, müssen wir neu überlegen", sagt der Prokurist.

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