Adenauer und die heiligen drei Könige: So wird die Weihnachtskrippe in Bad Godesberg

Adenauer und die heiligen drei Könige : So wird die Weihnachtskrippe in Bad Godesberg

Seit 2016 kümmert sich Modellbauer Andreas Bluhm ehrenamtlich um die Krippe auf dem Theaterplatz in Bad Godesberg. In ihr finden sich auch eine Godesberg- und eine Beethovenente. Wer sie entdeckt, darf sie mit etwas Glück behalten. Und dem Herrn der Krippe einen Glühwein ausgeben.

Zwei Ritter sind es, die es Andreas Bluhm besonders angetan haben. Einer genießt den Tag an einem Brunnen, der andere bewacht das Stadttor. „Ich bin da spielerisch“, sagt der 44-Jährige und hebt eine der beiden vorsichtig hoch. Dass sie gut zweieinhalb Kilo wiegt, ist ihr nicht anzusehen. Genauso wenig wie den anderen Krippenfiguren, die in diesem Jahr wieder auf dem Theaterplatz stehen. Und für leuchtende Augen bei Kindern und Erwachsenen sorgen. Dass die Figuren so schwer sind, hat einen einfachen Grund. Hände und Beine bestehen aus Blei, „damit sie frei stehen können“, erklärt Bluhm, der sich seit drei Jahren ehrenamtlich um die Krippe kümmert.

Damals, beim Nikolausmarkt 2016, stand sie nicht wie üblich inmitten des Geschehens, sondern an der Fronhofer Galeria. Hinter dem Kinderkarussell. Der Grund für den Standortwechsel war, so der Verein Stadtmarketing, das verheerende Unwetter am 4. Juni, bei dem das Einkaufszentrum überschwemmt wurde. Die Krippe stehe nun „in der Nähe der zentralen Katastrophe und lädt zur Anteilnahme für die Flutopfer ein“. Dennoch gab es an dem Standort viel Kritik. Zu abgeschieden, kritisierten viele Bad Godesberger. Dieser Meinung war auch Bluhm. Doch nicht nur der Aufstellort störte ihn. „Irgendwie sah die Krippe sehr lieblos aus“, so der Bad Godesberger. Die Böden seien lediglich mit Tüchern bedeckt gewesen, auch die Hütte sei beschädigt gewesen.

Der Hobby-Modellbauer wurde aktiv. Und bot dem Verein Stadtmarketing seine Hilfe an. Zunächst nahm er sich die Hütte vor, erneuerte unter anderem die Optik und die Türen. „Dann stellte sich die Frage, wer die Krippe aufbaut. Da konnte ich ja nicht nein sagen“, erinnert sich Bluhm, der als Steinmetz arbeitet und in seiner Freizeit begeisterter Modellbauer ist. Unter anderem schuf er zahlreiche Zirkusmodell – vor allem von Roncalli.

Krippe in Bad Godesberg sollte wie ein Märchenpark sein

Eine Idee für den Krippenaufbau hatte er übrigens schon. „Es sollte mehr wie ein Märchenpark aussehen“, so der 44-Jährige. Frohen Mutes schritt er zur Tat. Um dann kurz zu verzweifeln. Denn so einfach, wie er es sich vorgestellt hatte, war es gar nicht. „Mich hat die Masse erschlagen“, sagt Bluhm. 90 Figuren, früher waren es 120, wollten aufgestellt werden. „Zuerst wirkte die Bühne so groß, aber dann kamen die Gebäude dazu.“ Und schon schrumpfte die Aufstellfläche erheblich.

Doch nach einigen Überlegungen – und zwei Glühwein später – lief es dann. Nach und nach entstand eine detailverliebte Krippenlandschaft, die in jedem Jahr anders aussieht. Aktuell besteht die Krippe aus fünf Bildern, sieben könnten es insgesamt sein. Die Muffendorfer Hauptstraße und der Moltkeplatz sind zu sehen, auch die Godesburg gehört dazu. Eine Dorfschenkenszene ist dabei, und auch die Krippe darf nicht fehlen. „Es gibt so viele Charaktere“, schwärmt Bluhm. Da sind Musikgruppen und die Heilige Familie, die Könige und Hirten – und Konrad Adenauer, der bei der Verkündung dabei ist. Wohl deshalb, weil Marie-Luise Czizek, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Hans-Joachim die Figuren in den 1980er Jahren erschuf, Konrad-Adenauer-Fan war, so Bluhm, der einmal pro Woche in der Hütte nach dem Rechten sieht. Und nach der Saison, ab dem 7. Januar, Figuren und Hütten nach und nach restauriert.

Zur Krippe gehören übrigens auch zwei gelbe Quietschtiere: eine Godesberg- und eine Beethovenente. Sie gilt es zu finden. Wer sie entdeckt, darf dem Krippenchef einen Glühwein ausgeben, sagt Bluhm mit einem Augenzwinkern. Und die Ente behalten – falls er der erste sein sollte, der sein Wissen über Facebook mit dem Verein Stadtmarketing teilt. „Einmal pro Woche erhalten sie einen neuen Platz“, sagt Bluhm. Ein Tipp: In der vergangenen Woche saß die Beethoven-Ente gut versteckt in einem Eimer. Dort allerdings sucht man sie nun vergeblich.