Wochenmarkt in Bad Godesberg: So kommen Händler am Moltkeplatz durch den Winter

Wochenmarkt in Bad Godesberg : So kommen Händler am Moltkeplatz durch den Winter

Der Verkauf von Obst, Gemüse und Brot läuft auf dem Bad Godesberger Wochenmarkt im Winter deutlich schlechter. Allerdings ist der Absatz für Fleischwaren auch in den kalten Monaten gut.

Ein nasskalter Wind bläst über den Moltkeplatz. Trotzdem hat Heinrich Heuser an seinem Wochenmarktstand vis-à-vis vom Kinopolis gute Laune. Gerade verkauft der Friesdorfer Blumenhändler die letzten Glückbringer fürs neue Jahr. „Damit gingen nach Weihnachten insgesamt 30 Paletten Glückskäferblümchen weg“, blickt Heuser zufrieden zurück, während er einem Kunden noch einen Rosenstrauß einpackt. Daneben hat sich schon Rita Kensig mit ihrem Einkaufswägelchen eingereiht. Die 78-Jährige ist Stammkundin seit vielen Jahren. Sie will sich ihr obligatorisches Sträußchen fürs Wohnzimmer holen. „Man muss doch an die frische Luft. Da gehe ich immer gerne hier auf den Markt“, sagt die rüstige Rüngsdorferin und hält mit Heuser noch ein Schwätzchen. Danach zieht sich der Händler erst einmal an seinen Verkaufstisch zurück – um sich die Hände zu wärmen. Flugs zieht er die Handschuhe über und genießt das Bullern des Öfchens.

Ob heute noch der angekündigte Hagel herunterkommt? Heuser blickt zum wolkenverhangenen Himmel. Bis minus sechs Grad kalt könne es werden, ohne dass seine Blumen Schaden nähmen, erzählt er. Gerade Tulpen könnten ein paar Minusgrade gut vertragen. Bei größerer Kälte hole er die Ware entweder an den Heizstrahler oder verkaufe sie auch schon mal aus dem Lieferwagen heraus, berichtet er, während er sich dem nächsten Kunden zuwendet. Die Handschuhe hat er präventiv übers Öfchen gelegt.

Bewegung am Stand hilft gegen die Kälte

Drüben an den Obst- und Gemüseständen wählen Kunden derweil das Passende fürs Mittagessen aus. Bei Hildegard Felsch sollen es mehlige Kartoffeln und eine Handvoll Feldsalat sein. Monika Henschke, die Lannesdorfer Händlerin mit den dicken warmen Winterstiefeln, packt sie ihr ein, um danach bei diesem Schmuddelwetter wieder die Füße in Bewegung zu halten. „Ich kaufe regelmäßig auf dem Markt, weil ich hier frischere Ware direkt aus der Region bekomme“, sagt die Kundin noch zum Abschied.

Bei den an diesem Morgen vier Grad über null braucht er sich keine Sorgen um sein Gemüse und Obst zu machen. „Kopfsalat ist am sensibelsten. Dagegen vertragen Südfrüchte sogar Minustemperaturen“, erläutert er und zupft die Salatköpfe zurecht. Drüben am Traditionsstand Schlotterbeck packt Michael Raditzky einer Kundin gerade Südfrüchte ein. „Kriminell wird es erst, wenn wir bei minus sechs Grad auf dem Markt stehen würden“, sagt er.

Zum einen bekomme er die Ware ja dann schon schwerlich unbeschädigt vom Großmarkt aus Köln hierher. „Und zum anderen würden die Kunden sie dann ja auch nicht ohne Schaden nach Hause kriegen. Also dann lassen wir es besser gleich“, meint Raditzky. Ohnehin seien die Wintermonate für den Verkauf auf dem Godesberger Wochenmarkt ja eher mau. Abgesehen davon, dass die Supermärkte den kleinen Händlern das Leben immer schwerer machten. „Wir verdienen erst wieder, wenn die Erdbeer- und Spargelsaison kommt.“

Viele Kunden kommen erst im Frühling wieder

Brothändler Axel Dönhard nickt rüber. Auch seine Kundschaft werde erst im Frühling wieder zahlreicher. Das sieht Andrea Erkelenz vom Fleisch- und Wurststand vis-à-vis allerdings ganz anders. „Unsere Kunden wollen ja gerade im Winter deftiger essen“, meint sie, während sie einer Frau den Rinderbraten auswiegt. Mit den niedrigen Temperaturen sei sie also „super zufrieden“, was den Verkauf und ihre Ware betreffe. Sie selbst müsse sich natürlich in den kalten Monaten im „Zwiebellook“ kleiden. Lachend zeigt Erkelenz fünf Lagen Kleidung übereinander. Sie wolle in ihrem Verkaufswagen doch nicht dauernd bibbern. Auch sie wärmt die Hände jetzt am Heizstrahler unter dem Ladentisch.

Am Stand drüben verkauft Wahid Reza Shams gerade leckere persische und griechische Spezialitäten. Sieben Grad misst sie am Thermometer im Wagen. „Das geht auch für die Meeresfrüchte noch gut“, meint die Händlerin. Größer sei das Temperaturproblem für den Lebensmittelverkauf eher im Sommer, ruft die Fleischverkäuferin noch rüber. „Letzten Sommer haben wir zweimal mit unserer Tropenkühlung kapitulieren müssen und den Platz geräumt. Denn die arbeitet nur bis 35 Grad Hitze.“

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