90. Jubiläum: So hat sich der Posaunenchor Bad Godesberg verändert

90. Jubiläum : So hat sich der Posaunenchor Bad Godesberg verändert

90 Jahre gibt es den Posaunenchor der Erlöserkirche bereits. 1929 wurde der Posaunenchor aus dem Jünglingsverein der Evangelischen Gemeinde gegründet. Damals bestand das Ensemble nur aus Männern.

Es ist eine stolze Zahl an Jahren, auf die der Posaunenchor der Erlöserkirche in diesem Jahr zurückblicken kann: ganze 90 gibt es das Ensemble schon. Und das in Zeiten, in denen Kirchenmusik und das Musizieren allgemein doch eher auf dem absteigenden Ast zu sein scheinen. 1929 wurde der Posaunenchor aus dem Jünglingsverein der Evangelischen Gemeinde - der quasi ein Turnverein war - gegründet. Gründungsmitglieder waren die Gebrüder Dickhörner, Karl Schick und Helmut Ungerathen. Damals bestand das Ensemble "natürlich" nur aus Männern.

Um der Gleichschaltung zu entgehen, wurde die Arbeit des Posaunenchores 1933 auf Eis gelegt. Man vermied so, sich unfreiwillig auf die Seite der Nationalsozialisten stellen zu müssen. 1949 riefen Karl Schick und Helmut Ungerathen den Posaunenchor wieder ins Leben und Diakon und Jugendwart Käp Meyer versuchte, aus der Flüchtlingswelle heraus junge Nachwuchsbläser zu rekrutieren. Schön klang das nicht immer und daher wurde der Posaunenchor gerne mal als "gelbe Gefahr" tituliert. Richard Grebert, der 1959 als Fünfzehnjähriger eintrat und bis heute Mitglied ist, erläutert die damalige Situation: "Nach dem Krieg waren die Posaunenchorleiter in der Regel Laien, die auch kein Musikstudium hatten. Sie können sich vorstellen, wie das klingt, wenn musikalische Laien absolute Anfänger unterrichten."

Das Prinzip des Unterrichts hat sich im Laufe der Jahre verändert und somit auch verbessert. Heute unterrichtet unter anderem Michaela Frommelt die Anfänger - und das ehrenamtlich. Bedingung ist aber auch, dass die Schülerinnen und Schüler jährlich einen Lehrgang beim Posaunenwerk im Rheinland mitmachen. "Es ist wichtig und sinnvoll, dass auch mal ein anderer Lehrer einen Blick auf die technischen Dinge wirft", so Frommelt. Sie selbst wurde quasi in den Posaunenchor hineingeboren - bereits bei ihrer Geburt spielte der Posaunenchor, in dem ihr Vater langjähriges Mitglied ist, vor dem Krankenhaus auf.

Mit der Übernahme des Posaunenchores aller Gemeinden durch den jeweiligen Kantor der Erlöserkirche steigerte sich auch die Qualität, sodass das Ensemble in den 70er und 80er Jahren mit zu den besten im Umland wurde. Noch heute hat der Posaunenchor, der inzwischen Mitglieder aus fünf Gemeinden umfasst, noch circa 40 Auftritte im Jahr alleine in Godesberg, aber auch noch einige über die Bezirksgrenzen hinaus."Für mich war über die Jahrzehnte hinweg besonders wichtig, dass der Posaunenchor eine kirchliche Einrichtung ist und wir durchaus auch eine seelsorgerische Funktion haben. Und die geht über die eigene Kirche hinaus", sagt Grebert. "Für mich war der Posaunenchor auch immer ein Ausgleich und Ruhepol." Seine Frau Bärbel gehörte 1967 zu den ersten Frauen, die aufgenommen wurden: "Das war eine kleine Sensation damals und wir mussten anfangs auch ziemlich kämpfen, um uns zu behaupten."

Der seelsorgerische und kirchliche Aspekt ist bis heute für viele Mitglieder ein wichtiger Aspekt, um Teil des Posaunenchores zu werden. "Mein Vater beispielsweise sagt immer, das sei seine Art der Verkündigung. Er könne nicht predigen, aber mit Musik verkündigen", sagt Frommelt. Auf der anderen Seite ist genau dies aber unter Umständen auch der Haken, wenn es um den musikalischen Nachwuchs geht, denn immer 'nur' Kirchenmusik kann natürlich für die Jugend auch langweilig sein. Der Posaunenchor der Erlöserkirche spielt Musik aus vier Jahrhunderten, angefangen bei der Musik der Stadtpfeifer, die irgendwann in den kirchlichen Rahmen gelangte. Kantor Christian Frommelt legt auch weiterhin Wert darauf, dass der Schwerpunkt bei der Kirchenmusik bleibt, jedoch darf die gerne auch mal in einem anderen Gewand erklingen, so dass man den Basis-Choral nur dann erkennt, wenn man genau hinhört.

Mit 20 Mitgliedern und elf Jungbläsern ist die Größe des Posaunenchores gerade eigentlich eine recht gute und auf den ersten Blick sieht es auch nicht nach Nachwuchsproblemen aus. "Unsere Zahlen täuschen ein wenig, denn die Jugendlichen, die wir jetzt haben, sind leider oft nach zwei bis drei Jahren weg", sagt Frommelt. "Sie bleiben nicht mehr über Jahrzehnte im Posaunenchor wie das Ehepaar Grebert. Aber da mache ich mir inzwischen auch keine Illusionen. Ich bin schon froh, wenn auch diese sich später noch mal an die Zeit im Posaunenchor erinnern und daran, dass ihnen das Musizieren bei uns Freude gemacht hat."