Offene Tür Dürenstraße: Seniorenhilfe am Puls der Zeit

Offene Tür Dürenstraße : Seniorenhilfe am Puls der Zeit

Vor 50 Jahren wurde der Verein Offene Tür Dürenstraße gegründet. Heute sind die Aufgaben vielfältiger denn je.

"Bundeskanzler Konrad Adenauer spendete noch 5000 D-Mark aus seiner Privatschatulle - das war damals ein kleines Vermögen", erzählt Edith Koischwitz über die Anfänge der Offenen Tür an der Dürenstraße. Dass für alte Menschen heutzutage das Portemonnaie nicht mehr so locker sitzt, ist der Vorsitzenden des Vereins Offene Tür Dürenstraße ein Dorn im Auge. "Die Spendenbereitschaft für Senioren hat deutlich nachgelassen. Heute könnten sie aus Spenden kein Haus mehr bauen", sagt sie.

Genau das war vor 50 Jahren das Ziel von neun Frauen, die am 3. Juli 1963 einen Verein gründeten, um eine Begegnungsstätte zur Betreuung älterer Menschen zu bauen. Unter ihnen die beiden CDU-Ratsfrauen Anny Deppe und Elisabeth Gies sowie die einzige noch Lebende, Elisabeth Hauser. Damals bestand die Zielgruppe aus Menschen, die zwei Weltkriege erlebt hatten, vielen alleinstehenden Frauen, Menschen aus auseinandergefallenen Familien. "Es gab viele alte Menschen, die nicht wussten wohin", so Koischwitz.

Bis zur Einweihung des Hauses im April 1967 in Anwesenheit von Bundespräsidenten-Gattin Wilhelmine Lübke und Bundestagspräsidenten-Gattin Brigitte Gerstenmaier waren noch knapp vier Jahre ins Land gezogen, in denen fleißig Geld gesammelt wurde. "Und zwar ziemlich erfolgreich", wie Koischwitz sagt. So wurde der größte Teil der Finanzierung von rund 300 000 Mark aus Spenden finanziert - für Wilhelmine Lübke "ein freudiges Ereignis." Doch mit Geld allein - so wichtig es beispielsweise heute auch ist, den Sanierungsstau in dem Haus zwischen Dürenstraße und Rüngsdorfer Straße zu bewältigen - ist so ein Haus natürlich nicht zu betreiben.

Was vor allem zählt, ist das ehrenamtliche Engagement von den 19 Freiwilligen nebst einem Vorstand, der die Weichen für die Zukunft stellen muss. Neben der stellvertretenden Vorsitzenden Hergart Nowak, die sich seit Jahrzehnten für die Bonner Altenhilfe einsetzt, sowie dem zweiten Stellvertreter Christian Gold, der für die CDU im Villenviertel im Rat sitzt, ist das auch Schatzmeister Dirk Bialowons, stellvertretender Leiter der Sparkasse an der Rheinallee.

Bereits die erste Schatzmeisterin des Vereins, Margarete Zinken, war Leiterin der gleich nebenan gelegenen Sparkassen-Filiale. "Eine Tradition, die sich in fünf Jahrzehnten fortgesetzt hat, dass das Schatzmeisteramt immer mit einem Vertreter der Sparkasse besetzt war", sagt Edith Koischwitz.

Die Offene Tür, die in der Berichterstattung der vergangenen Jahrzehnte schon mal als "Alten-Clubhaus", als "Haus für betagte Bürger" oder gar als "Treffpunkt der einsamen Herzen" betitelt wurde, ist heute Pionier bei der Gestaltung eines innovativen und den Bedürfnissen älterer Menschen angepassten Programmangebots. Dazu zählt das Thema Gesundheit, die Begegnung und die Fortbildung vor allem im Bereich von Informationstechnologie, übrigens in Zusammenarbeit mit Schülern des Friedrich-List-Berufskollegs.

Nicht zuletzt geht es auch hier ums Thema "Geld", wenn beispielsweise die Frage nach der richtigen Versicherung oder einem seriösen Sparplan beantwortet wird. Fragen zu Demenz oder Pflege werden von einer Sozialberatung im Haus wahrgenommen, die es seit mittlerweile zehn Jahren gibt. Durchgehend präsent seit 35 Jahren ist das Thema Verkehrserziehung, das die Offene Tür mit Partnern wie der Verkehrswacht und den Stadtwerken anbietet. Kürzlich erst initiierte man gemeinsam mit dem Haus am Redoutenpark einen "Fußgänger-Check." Und man ist Mitglied im Bad Godesberger Generationennetzwerk.

Da der Verein keine große Organisation im Rücken hat, ist man auch weiterhin auf Spenden angewiesen, insbesondere vor dem Hintergrund, "dass die Stadt weiter kürzen will", so Koischwitz. Doch der resoluten 62-jährigen CDU-Vorsitzenden im Villenviertel - ein Amt, das sie nebenbei auch ausübt - ist zuzutrauen, dass sie auch künftig Mittel und Wege finden wird, das Haus erhalten zu können. Für ihr Engagement wurde sie 2010 mit dem Tenten-Preis geehrt.

Kontakt: Offene Tür Dürenstraße, Dürenstraße 2a, Rufnummer 0228/35 72 20, Mehr auch im Internet auf www.ot-godesberg.de.

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