Malermeisterin Ursula Kohlmann: Seit 30 Jahren im klassischen Männerberuf

Malermeisterin Ursula Kohlmann : Seit 30 Jahren im klassischen Männerberuf

Ihre Internetadresse besteht aus drei Wörtern: Farbe, Freude, Leben. Dahinter verbirgt sich kein Marketing, sondern Authentizität. Zunächst die Farbe: Schon als Kind begleitete Ursula Kohlmann gerne ihren Vater im elterlichen Malerbetrieb und war immer mit Pinsel und Farbe in der Werkstatt zu finden.

So wie heute ihre 22-jährige Tochter Fee, die in den nächsten Tagen ihre Gesellenprüfung macht.

Auf der Paul-Kemp-Straße wechselt man von der Werkstatt, die direkt neben den Bachhöfen steht, hinüber in das Kohlmannsche Haus Nummer 8, ins Büro der Firma Verwandlung Remmers. Lichtdurchflutet, groß, mit einem Blick auf einen herrlichen Garten. Drei Hunde begrüßen die Besucher.

Jutta Bassfeld, die "social media"-Beraterin des Hauses, sitzt am Computer. "Social media"-Beraterin? Im Handwerk? Ursula Kohlmann bloggt seit über einem Jahr. "Das macht mir total viel Spaß, über Projekte, Techniken, Wohnideen oder Trends zu schreiben", erzählt sie. Mittlerweile klicken rund 500 Leute am Tag ihre Seite an. "Kurz gesagt, kann man bei mir alles finden, was den Heimwerker so interessiert. Ich gebe Tipps, die viele auf so einfache und schnelle Weise sonst nicht bekämen." Eine Homepage allein ist ihr "viel zu statisch, das Bloggen ist etwas sehr Lebendiges".

Dass die zierliche, sympathische Frau, die im vergangenen Jahr ihren 50. Geburtstag gefeiert hat - "da habe ich überhaupt kein Problem mit gehabt" - sich in einer Männerdomäne durchgesetzt hat, war irgendwie vorgezeichnet. Nach dem Abitur, gleich um die Ecke am Clara-Fey-Gymnasium, machte sie ihre Lehre und wurde 1986 Kammer-, Landes- und Bundessiegerin im Maler- und Lackiererhandwerk. Anschließend erfüllte sie sich einen Traum und ging nach Aix-en-Provence, um dort Kunst zu studieren. 1988 die Meisterprüfung.

Schon mit 21 war Ursula Kohlmann Bundessiegerin im Maler- und Lackierer-Handwerk. Ein kleines Foto, wie sie die Urkunde vom damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß entgegennimmt, hängt im Büro. Für viele alteingesessene Godesberger ist der Firmenname Remmers ein Begriff. In den 1960er Jahren übernahm ihr Vater, Alfred Thamm, der selbst nach dem Krieg als Lehrling in dem Godesberger Unternehmen seine Berufslaufbahn begonnen hatte, die Firma der Familie Remmers.

Dieser fehlte der eigene Nachwuchs. Zusammen mit ihrem Mann Reino Kohlmann, gelernter Maler- und Lackierermeister, übernahm sie 1998 die Firma "VerWANDlung Remmers" von ihrem Vater. Seit 83 Jahren besteht das Unternehmen jetzt. Ihr Gespür für Farben sowie ihre Begeisterung für den Beruf bilden die Grundlage für außergewöhnliche Wandgestaltungen. "Nicht nur renovieren, sondern Lebensräume schaffen", ist ihr Motto. Ende vergangenen Jahres gab's mal wieder einen Preis für die farbliche Gestaltung eines Hauses in Bonn: Maler des Jahres 2014. "Neubau mal anders - ein exklusives Landhaus wie im Süden", schreibt Kohlmann in ihrem Blog.

Die jüngste Tochter Nell kommt freudestrahlend ins Büro - sie hat gerade ihren Führerschein bestanden. Mutter und Tochter umarmen sich und verabreden die erste gemeinsame Autofahrt. "Das dauert hier nicht mehr lange", verspricht die Mutter von drei Kindern. Also schnell noch ein bisschen über Godesberg und das Netzwerken berufstätiger Frauen plaudern, denn Kohlmann mischt auch im Netzwerk der "Godesbürgerinnen" mit, "allerdings nicht besonders aktiv zurzeit", wie sie zugibt.

Glänzende Augen kriegt die Ur-Godesbergerin, im Markusstift geboren, als es um die positive Entwicklung ihres unmittelbaren Umfelds rund um die Bachhöfe geht. "Das ist mittlerweile ein kreatives Kleinod mit netter Gastronomie, Handwerk und Galerien geworden - eine schöne Ecke." Im August wollen die Anrainer zum zweiten Mal zum "Promenadenfest Paul Kemp" einladen, so eine Art Tag der offenen Tür, an dem das Ehepaar Kohlmann in Haus und Garten lädt. Mittlerweile ist auch Ehemann Reino im Büro und registriert das Gespräch über Godesberg. "Wir lieben Godesberg", bekennt er unaufgefordert.

Ihre Liebe zum Beruf hat Ursula Kohlmann kürzlich beim Girls' Day in der Landeshauptstadt an den weiblichen Nachwuchs weitergegeben, schließlich "kann das Handwerk gute Frauen brauchen". In ihrem Blogeintrag über den Fernsehauftritt ist zu lesen: "Spannend! Mache mich jetzt gleich auf den Weg nach Düsseldorf und werde im WDR in der Sendung 'daheim und unterwegs' live im Studio zum Thema Frauen in Männerberufen befragt." Die schwierigste Frage für sie: "Was ziehe ich an? Ich darf kein Weiß, kein Dunkel, keine Muster... wo ich doch immer nur im weißen Hemd herumlaufe, eine echte Herausforderung."

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