"Ich habe hier viel geschafft": Schulleiter Hohn verlässt das Friedrich-List-Kolleg

"Ich habe hier viel geschafft" : Schulleiter Hohn verlässt das Friedrich-List-Kolleg

Nach 26 Jahren Aufbauarbeit hat Hermann Hohn an diesem Mittwoch seinen letzten Schultag. Zuletzt war der 66-Jährige verantwortlich für 2700 Schüler aus 22 Bildungsgängen sowie für 118 Lehrer und sieben Mitarbeiter.

„Es war schön, ich muss jetzt geh'n“, sagt Hermann Hohn und lächelt doch ein wenig traurig. Mit Halbjahrsende wird „der Macher“ am Friedrich-List-Berufskolleg an diesem Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet. „Dann war ich, oh Gott, über 25 Jahre hier. Und, weiß Gott, es ist in dieser Zeit viel passiert“, seufzt der 66-Jährige. Um dann sofort wieder zu strahlen. Wohl 25 000 Schüler hätten in seiner Zeit das Kolleg durchlaufen. Für 2700 Schüler aus 22 Bildungsgängen war Hohn zum Schluss verantwortlich sowie für 118 Lehrer und sieben Mitarbeiter. Und das in der ehemaligen Michaelsschule und vor allem in sieben Gebäuden an der Plittersdorfer und Augustastraße. „Wir bilden die ganze Ecke, aber im Hinterhof – Berufskolleg halt“, lässt Hohn seinen Esprit aufblitzen. Um dann selbstbewusst hinzuzufügen: „Ich habe hier viel geschafft.“

Als Wirtschafts- und Informatiklehrer war er 1993 vom Bonner Ludwig-Erhard-Kolleg nach Godesberg gewechselt. 600 Schüler in sechs Bildungsgängen fand er damals in einem Gebäude am Standort und in einer Außenstelle vor. 1994 wurde er stellvertretender Kollegsleiter. Mit der Neuordnung im Schulbereich habe das Kolleg dann plötzlich 1000 weitere Schüler in neuen Bildungsgängen zu integrieren gehabt, erinnert sich Hohn, und seine Augen blitzen vor Begeisterung.

Was ist das Erfolgskonzept für eine gute Schule?

„Was das Erfolgsrezept für eine tolle Schule ist? Man hat ein Ziel, ein super Kollegium und ein offenes Betriebsklima“, kommt postwendend zurück. 2003 bekam Hohn als Leiter die Fäden ganz in die Hand – und jede Menge Schülerzuwachs sowie Bau- und Sanierungsprobleme gleich dazu.

Die ehemalige Werkstatt auf dem Gelände wurde zum Verwaltungstrakt. Die vormals vom früheren Heinrich-Hertz-Gymnasium genutzten Gebäude mussten erneuert werden. Das Kolleg arbeitet seit Jahren mit Baustellen. Heute ist fast alles saniert, nur an der Augustastraße wird noch bis Ende 2019 an drei Gebäuden gearbeitet. Hohn kennt sich aus mit dem Verlagern von Klassen. 2009 hatte er sogar öffentlich Alarm geschlagen. „Das war die tolle Nummer mit den Schadstoffen“, erinnert er sich. Nach massiven Protesten hatte die Stadt dem Kolleg wegen gefährlicher Befunde an den Varielbauten deren Sanierung und zum Übergang zehn Container genehmigt.

„Wir verhelfen jedem nach einer individuellen Beratung zum bestmöglichen Abschluss“, nennt Hohn als Grundprinzip. Im Kolleg würden alle vom 17-jährigen schon straffälligen Waisen über die 36-jährige Studienabbrecherin bis zum Flüchtling beschult. Man biete alle Möglichkeiten unter einem Dach, „wie früher der Kaufhof“. Wie Namensgeber Friedrich List es im 19. Jahrhundert erfahren konnte, bekäme auch heute jeder seine Chance, meint Hohn und weist auf das Pop-Art-Bild von List an der Wand. „Er muss die Chance nur nutzen.“

Mit anderen Rektoren das Schulnetzwerk gegründet

Auch Jugendliche, die auf anderen Schulen merkten, sie schafften es auf dem direkten Weg nicht, müssten nicht durchgeprügelt werden. „Die kommen dann bei uns an“, so Hohn. Und dann tankten sie am Kolleg wieder Motivation, ihren eigenen Weg zu finden. „Und der führt oft auch zum Fachabitur.“ Damit schon frühzeitig die Vielfalt möglicher Wege kommuniziert wird, hat Hohn mit anderen Rektoren das Godesberger Schulnetzwerk gegründet.

Hat das Kolleg heute nicht viel mehr Problemfälle? Eigentlich nicht, meint Hohn. Schon immer habe ein Teil der jungen Leute die Schuld für schlechte Noten grundsätzlich bei anderen gesucht. Bei der Generation Smartphone & Co. käme hinzu, dass die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer und das Schreiben immer schwieriger werde. „Wir haben jedoch wenig Probleme mit Gewalt oder Drogen. Wir arbeiten ganz eng mit der Polizei zusammen“, sagt Hohn dann, während seine Nachfolgerin Antje Kost aus dem Nachbarbüro herübergrüßt. Die 49-jährige bisherige Stellvertreterin wird die Leitung am Freitag übernehmen. „Ich bin weg, die Schule bleibt“, sagt Hohn lachend. „Aber ich mach' noch was“, kommt sofort hinterher. Er steige intensiv in Stiftungsarbeit ein. „Da kann sich die Welt schon drauf freuen.“

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