Verkehrsführung an der Baustelle: Röhrenwechsel führt zu Chaos am Godesberger Tunnel

Verkehrsführung an der Baustelle : Röhrenwechsel führt zu Chaos am Godesberger Tunnel

Die Bauarbeiten am Godesberger Tunnel wurden zur bergseitigen Röhre verlagert und der Verkehr neu geregelt. Am Samstag war der Röhrenwechsel vollzogen - jedoch nicht ohne Probleme. Wie gut das in der umgebauten Tunnelröhre funktioniert, soll ein Test im Juli zeigen.

Für sechs Monate müssen sich Autofahrer mit der nächsten Sanierungsphase des Godesberger Tunnels arrangieren. Seit Samstag ist die Verkehrsführung geändert, was zeitweise für Chaos auf den Straßen sorgte. Die Fahrzeuge müssen nun durch die modernisierte, rheinseitige Tunnelröhre. Dafür ist die bergseitige gesperrt, womit sich auch Kreuzungssituationen ändern. Beide Fahrtrichtungen teilen sich die befahrbare Röhre mit einer kleinen Trennmauer und bei Tempo 30.

Der Weg durch die Godesberger Innenstadt war am Samstag für viele Autofahrer ein Irrweg. Wenn sie nach Bonn fahren wollten, stellten sie fest, dass sie nicht mehr durch den Kurztunnel auf die B 9 wechseln konnten: Der ist in dieser Richtung gesperrt und nur in der Gegenrichtung befahrbar. Wer bis zum voraussichtlichen Abschluss der Arbeiten Anfang 2020 auf die Godesberger Straße Richtung Bonn will, muss bis zur Hochkreuzallee weiterfahren.

An der Kreuzung von B 9 und Wurzerstraße – aus der man aktuell nicht nach links abbiegen kann – sind die Markierungen für die Einfahrt in den rheinseitigen Tunnel trotz Schilderwald eindeutig, dort kam es am Samstagnachmittag nicht zu nennenswerten Problemen. Das gilt auch für das Südportal auf Höhe der Hans-Böckler-Allee. Gesperrt ist die Tunneleinfahrt an der Friedrichallee.

Spannend war es an der Kreuzung Koblenzer Straße und Theodor-Heuss-Straße. Dort kommt der Tunnelverkehr ans Tageslicht. Fußgänger müssen, wie auch schon vorher, drei Fahrbahnen kreuzen, um auf die andere Seite der Koblenzer Straße zu gelangen. Mit einer Ampelanlage soll der Verkehr geregelt sein – die aber blinkte am Samstag nur gelb, und das führte zu vorsichtiger Anarchie bei den Autofahrern. Sprich, jeder bestimmte selbst, wie er sich an dieser Kreuzung verhält.

Einige machten die Koblenzer Straße zur Vorfahrtstraße. Andere versuchten es mit Rechts vor Links, was mit hektischem Gehupe hinter ihnen quittiert wurde. Und ein Lastwagenfahrer, der aus dem Tunnel kam, beschloss, dass er Vorfahrt hatte, und nutzte eine kleine Lücke im Querverkehr, um einfach loszufahren und alle anderen auszubremsen. Polizeiwagen kreuzten die Stelle zwar immer wieder, aber niemand stieg aus, um den Verkehr zu regeln. Im ruhigen Wochenendeverkehr funktionierte das noch irgendwie, ohne dass es zu Blechschäden kam. Bis Montagmorgen sollte die Baustellenampel aber funktionieren – die Selbstorganisation wird im Berufsverkehr wahrscheinlich an ihre Grenzen geraten.

Szenen wie diese kennt Stefan Pieper, der Projektleiter für die mehr als zehn Millionen Euro teure Tunnelsanierung ist, noch aus der ersten Sperrphase. „Es dauert ein paar Tage, bis sich die Autofahrer an die neue Verkehrsführung gewöhnen“, erklärt der Ingenieur. Bis dahin komme es auch vor, dass die Menschen einfach in den gesperrten Tunnel führen und später wenden müssten. „Deswegen sind die Bauarbeiter immer zu besonderer Vorsicht angehalten.“

Riesige Staus, wie sie anfangs befürchtet wurden, seien in den vergangenen Monaten ausgeblieben. Statt der wie üblich 40.000 Fahrzeuge, seien nur noch etwa 24.000 pro Tag durch den Tunnel gefahren. „Die restlichen haben sich Ausweichstrecken gesucht oder sind vom Auto auf andere Verkehrsmittel umgestiegen“, so Pieper. Häufig hätten seine Mitarbeiter Anfragen bekommen, wie lange die Baustelle dauere, um abzuschätzen, ob sich ein ÖPNV-Ticket lohne.

Bis spätestens Februar will Pieper fertig sein. Dass der Zeitplan funktioniert, sei an den bisherigen Arbeiten zu erkennen, die den Tunnel im Notfall sicherer machen sollen. „Vor 20 Jahren war der Brandschutz aktuell, die Ansprüche haben sich nach einigen Tunnelunglücken aber verändert“, sagt Monika Gehrmann vom städtischen Tiefbauamt. Saugte man den Rauch im Brandfall früher über viele kleine Öffnungen ab, sind es nun pro Röhre 15. Riesige Ventilatoren blasen dann frische Luft durch die Tunneleingänge herein. In der Nähe des Brandes werden gezielt die neuen Schächte geöffnet, über die zusätzlich Rauch angesaugt wird. „Innerhalb weniger Minuten ist der Tunnel dann rauchfrei, die Menschen können sich mit Hilfe der neuen Notfallbeleuchtung in Sicherheit bringen“, erklärt Pieper.

Wie gut das in der umgebauten Tunnelröhre funktioniert, werden Feuerwehr und Stadt Ende Juli mit einer Übung unter Realbedingungen testen.